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26. April 2010: Casting-Superstar-Lawine in Sicht

Eines muss man Dieter Bohlen schon lassen: vermarkten kann er sich und seine Produkte sensationell gut. Die gerade zu Ende gegangene DSDS-Staffel soll ja angeblich wieder alle möglichen Zuschauer-Rekorde gebrochen haben. Als Nicht-Fan hab ich allerdings zuerst gar nicht mitbekommen, dass die Show schon wieder läuft. Und auch der Effekt von gesteigerten Verkäufen der interpretierten Titel hielt sich ein wenig in Grenzen. Zum Ende hin gab es dann natürlich schnell noch eine Menge Skandalberichterstattung um das Interesse anzuheizen … und prompt war die Finalshow dann die meistgesehene aller Staffeln.

Aber jetzt greife ich der Zeit schon ein wenig voraus, denn das, was sich gerade in den aktuellen media control-Charts wiederspiegelt ist das Halbfinale vom 10. April. Und dort durfte der einzige wirklich länger erfolgreiche Superstar Mark Medlock seine neue Single Real Love präsentieren. Beste Sendezeit, beste Platzierung für die Zielgruppe und: Taktisch perfekt gesetzt, eine Woche vorm Finale, die Superstars geben sich im Kommerzgeschäft sozusagen die Klinke in die Hand.

Nun, meine persönlichen Erwartungen an den neuen Medlock-Titel waren nicht sehr hoch, hab ich hier schon mehrfach betont: gut durchkalkuliert, immer mit Südsee-Träumen-Video, irgendwie ja auch eingängig … im Grunde ein sicherer Hit. Als ich dann aber das erste Mal das Video sah, hab ich gedacht: oops, was hat der denn mit seinem Bart gemacht? Und dann nach einer Minute: Weißer Anzug – das geht gar nicht! Und wenn ich mir den Tanzstil ansehe … als Nicht-Fan würd ich sagen: früher war der cooler. Also der ganze Typ. Auch wenn er vielleicht nicht mal wirklich cool war. ––– So, nun schreib ich mich hier schon wieder um Kopf und Kragen und werd vermutlich wieder eine Menge Schelte einfangen. Hey, ihr dürft den Typen finden wie ihr wollt. Und ihr dürft auch seine Musik mögen. Dass das Schema seiner Hits irgendwie immer ähnlich ist, könnt ihr allerdings nicht bestreiten. Na gut, der Vocoder oder sagen wir doch Autotune-Effekt ist wohl neu. Schielt da jemand auf den amerikanischen Pop-Markt?

Real Love ist also die geschickt platzierte Single zum nächsten Album namens Rainbow's End, geplante Veröffentlichung am 30. April. Und Real Love ist in der media control-Chartausgabe vom 23. April der beste CD-Neustart: Wird auf Platz 2 gemeldet und – yes – das ist der siebte Top 5-Hit in Folge. Das ist dann schonmal gar nicht schlecht. In der letzten Woche hab ich ja grad über Lady Gaga philosophiert: sechs Top 10 Hits in Folge, dazu gehören auch solche "schwachen" Platzierungen wie Rang 10 und 7 … Da ist der Herr Medlock also doch um einiges stabiler. Er pirscht sich momentan an die Jungs von Tokio Hotel, die immerhin in den letzten fünf Jahren acht Top 5-Hits in Folge vorgelegt haben. Das ist jetzt doch mal ein lustiges Duell.

Wahrscheinlich hatte Mark Medlock (und mit ihm Dieter Bohlen) von einem neuen Nr.1-Hit geträumt. Wäre dann immerhin der vierte gewesen. Aber, da hat die andere Casting-Show in Form von Lena Meyer-Landrut, neu jetzt nur noch Lena, den Markt fest im Griff. Satellite steht zum fünften Mal hintereinander auf der Spitzenposition. Ordentlich! Die letzte deutsche Produktion mit solch einem Erfolg war Allein allein von der Dresdner Band Polarkreis 18, die im November 2008 alles in ihren Bann zogen.

Auch Lena hat gerade soeben ihr Album angekündigt. My Cassette Player heißt es und erscheint am 7. Mai. Und dann beginnt ja sowieso die heiße Phase in Oslo. Vorher allerdings – und genau schon in der nächsten Woche - wird DSDS-Gewinner Mehrzad Marashi mit Don't Believe die Liste anführen. Da sind sich alle einig, nur wie lange, das ist mal sehr umstritten. Das heißt auch: in der nächsten Woche wird wohl das Spitzentrio der deutschen Charts komplett aus deutschen Casting-Show-Gewinner(inne)n bestehen. Ich schätze mal: das gabs vorher noch nie. – Dass sich Dance-Hit Alors On Danse von stromae da noch irgendwie dazwischenschieben kann, ist aussichtslos. Zumal ja auch die Anti-DSDS-Titel von Blümchen und Led Zeppelin ordentlich Umsatz verbuchen können. – Nun ja, das könnt ihr alles an anderer Stelle lesen. Und das Ergebnis werden wir spätestens Dienstag erfahren, wenn media control die erste Pressemitteilung zu den kommenden Charts herausgibt. Derweil können wir uns auch ein wenig in anderen musikalischen Gefilden umhören.

09. Oktober 2009: Am Ende doch noch Nr.1 – David Guetta

Wow – wir haben eine neue Nr.1. Schon wieder. Und was für eine! Nach insgesamt drei Wochen an zweiter Position und in der nunmehr neunten notierten Woche in den Charts drängeln sich David Guetta feat. Akon schließlich doch noch an die Spitze. Die beiden profitieren davon, dass den Freunden der Pornographie RAMMS+EIN schon nach einer Woche die Puste ausgeht und sie sich auf die Position 5 verabschieden. (Größter Absturz von der Pole-Position in diesem Jahr.) So heißt also die neue Nr.1 nach Pussy nun Sexy Bitch. Auf den ersten Blick hat sich nicht wirklich viel geändert, inhaltlich meine ich. Aber bei David Guetta & Akon geht es doch noch wesentlich mehr um das Vorvorvorspiel. Da wird fleißig sinniert, wie man diese unglaublich tolle Frau am besten überhaupt erstmal anspricht, wenn einem sozusagen die Worte fehlen. Vielleicht „Sexy Bitch“? – Nun, wie auch immer sich Mann entscheidet …ich hätte nicht gedacht, dass es dieser Dance-Track bis ganz an die Spitze schafft. Aber ich finde diese Platzierung sehr sehr verdient. Das, was David Guetta und Akon abgeliefert haben steht ohne Zweifel für den momentanen Status Quo in Sachen Clubsound.

Für den französischen DJ David Guetta ist Sexy Bitch die erste Nr.1 in Deutschland. Etwas, das ihm in seiner Heimat bislang verwehrt blieb. Knapp 3 Jahre hat er seit seinem ersten Auftauchen in den Charts gebraucht, um sich ganz oben etablieren zu können. Dafür tut er dies in diesem Jahr äußerst erfolgreich. Er ist derzeit der einzige Franzose der nennenswerte Erfolge in Deutschland feiern kann. Zwei Hits mit Überfliegercharakter: When Love Takes Over mit einer Platztierung auf der 2 und jetzt Sexy Bitch. In diesem Jahr gab es (bis jetzt) aus Frankreich lediglich den Space Cowboy, der an der Seite von Cinema Bizarre bis zur 32 kam. Und dann waren da noch Bob Sinclar mit dem Lala Song (Platz 55) und Discobitch, die es auch nur bis zur 61 brachten. Bob Sinclar war übrigens auch der letzte französische Künstler, der es in Deutschland bis an die Spitze schaffte. 2006 zur Fußball-WM war sein Love Generation der meistverkaufte Titel des Jahres in Deutschland und stand insgesamt fünf Wochen auf Position 1 der media control-Charts.

Für Akon ist die Position 1 dagegen nicht neu. Von Mai bis Juli2005 konnte sich sein Lonely für 8 Wochen als beliebtester Song durchsetzen. Champagner gibt es jetzt trotzdem.

Auch auf Platz Nr.2 ist ein Titel, der sich wacker nach oben schiebt. Lady Gaga kann mit Paprazzi noch einmal ordentlich Gas geben und von der 4 zwei Plätze nach oben steigen. Und so wie sich das anlässt, wird der Titel wohl auch noch ein Dauerbrenner, denn derzeit ist er ja wieder mal aus allen Würstchenbuden und Kaufhäusern zu hören.

Platz 3 geht wie in der letzten Woche an Marit Larsen mit If A Song Could Get Me You. Da gibt es nichts Neues zu sagen.

Der umsatzstärkste CD-Start in dieser Woche geht auf das Konto von Proleten-Protz Mark Medlock (und Dieter Bohlen. Und was soll ich sagen? Baby Blue klingt wie Summamacita Love … irgendwie. Es ist die Vorab-Veröffentlichung zur gerade erscheinenden Re-Edition seines letzten Albums Club Tropicana. Auch so etwas, das kein Mensch wirklich braucht. Das Video zu Baby Blue ist einfallslos dämlich: Mark Medlock auf einer Yacht in der Bucht von Rio de Janeiro. Blablabla … da will also der/die Durchschnittsdeutsche hin. Dementsprechend säuselt dann ja auch die Ansage des Flugkapitäns durch den Song. Hier geht’s also um Urlaubsmusik, mit der man sich Mallorca schon mal als Südamerika schön träumen kann. Hmm … mich wundert’s nur, dass das immer wieder funktioniert.

Baby Blue ist der sechste Top 5-Hit in Folge für den ehemaligen Superstar. Mit dieser Bilanz ist Mark Medlock auch der einzige wirklich dauerhaft erfolgreiche Gewinner der Casting-Show. Vielleicht auch, weil er der einzige ist, der sich nicht zu dämlich ist, die immer gleichen Titel aus der Feder des Herrn Bohlen zu singen. Funktioniert irgendwie doch, wenn man dem „Master“ vertraut. – Platz 4 für Baby Blue ist (kritisch angeschaut) nicht arg berauschend. Für den Sommer-Sunnyboy ist das zusammen mit Unbelievable die schlechteste Platzierung unter seinen Singles. Und ob da für Baby Bluenoch was kommt … ich wär’ mir da nicht allzu sicher, die Urlaubszeit ist ja auch schon vorüber.

Und noch einen mehr oder weniger erfolgreichen CD-Start gab es in der Woche ab dem 25. September. Die britische Band Livingston legt nach einiger Zeit Existenz nun endlich ihr Debüt-Album auf einem Major-Label vor: Sign Language . Zum Vorgeschmack gibt es Broken als Single. Der gefühlvolle Rocksong schafft es auf Anhieb zu Platz 25 in den deutschen Charts.