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Robbie Williams x 2 ... und viel Bekanntes

Was für eine Woche! Robbie Williams überschattet alles. Fliegt mit Bodies an die Spitze der Charts, ist der meistgekaufte Titel in Deutschland und schaltet sozusagen den kompletten Musikkonsum aus. Zumindest sieht es so aus, wenn man die aktuelle Liste betrachtet. Da tut sich ja fast nichts. Die nahezu einzige nennenswerte Bewegung im oberen Teil vollführt NENA. Wir sind wahr klettert in der vierten notierten Woche 7 Plätze und beschert der Sängerin nun doch noch mit Platz 17 einen passablen Top 20-Hit. Und wer hat dafür gesorgt? Der Herr Oliver Geißen mit dem Staffelbeginn seiner „Ultimativen chartshow“. Am Freitag, den 9. Oktober flimmerten die Auswertung zu den „Erfolgreichsten Love-Songs der 80er“ bei RTL durchs Programm. Und in dieser Show hatte auch NENA ihren Auftritt und damit Gelegenheit ihr Album samt Single zu promoten. Die Zielgruppe hat es erreicht, denn Wir sind wahr bringt NENA so hoch in die Gunst der Käufer_Innen wie sie zuletzt 2007 stand, mit dem „Gassenhauer“ Ich kann nix dafür zusammen mit Oliver Pocher und Stefan Remmler . Einen Tag später gab’s gleich noch eine Chartshow „Die 25 spektakulärsten Comebacks“ – das war zwar eine ältere Folge vom November letzten Jahres, aber NENA-Fans haben’s sicher genossen, auch dort ihren Star noch einmal zumindest in der Liste wiederzufinden. Damit dürfte die Welt für NENA wirklich wieder komplett in Ordnung sein.

Komplett in Ordnung geht auch der aktuelle Karriereverlauf für Cascada. Nachdem Evacuate The Dancefloor im Sommer ordentlich die Mainstream-Discotheken einheizte und in Großbritannien sogar die Nr.1 holte, nachdem dann auch das Album mit gleichem Namen sehr sehr ordentlich in den Verkauf ging (Platz 21 in Deutschland, Platz 8 in Großbritannien), dürfen sich Cascada mit Fug und Recht „aktuell international erfolgreichster Dance-Act aus Deutschland“ nennen. Am 9. Oktober wurde die nächste Single aus dem Album veröffentlicht. Fever der Titel und es geht weiter in bekannter Manier. Ich gestehe, dass ich bisher nicht so von den Produktionen von DJ Manian überzeugt war, das klang mir alles zu sehr auf schnellen Markterfolg produziert, sehr oberflächlich. Und wahrscheinlich lässt sich das bei genauem Hinsehen auch für die aktuellen Veröffentlichungen behaupten. Ich hab allerdings grad das Gefühl, dass der Nerv-Faktor früherer Produktionen deutlich abgenommen hat. Oder sogar umgekehrt, mittlerweile haben die Produktionen sogar so etwas wie einen subtileren Sound, der sichlangsam im Kopf festsetzt. Fever zum Beispiel fand ich beim ersten Hören ziemlich fad und beliebig. Mittlerweile muss ich gestehen, da gibt es schon was Ansteckendes. Seien es die fiependen Sounds oder die gängigen Staubsauger-Flächen … wahrscheinlich ist es auch das wesentlich ausgewogenere Verhältnis zwischen Natalie Horlers Stimme und der Elektronik …

Fever ist der neunte Cascada-Titel in den deutschen Charts. In Großbritannien und Irland wurde interessanterweise Dangerous als Nachfolgehit ausgekoppelt. – Für Evacuate The Dancefloor geht es derweil fleißig hoch und runter und wieder hoch.
Offensichtlich hat es seine Mission immer noch nicht bis zu Ende ausgeführt. Von der 23 auf die 18 in der insgesamt 15. Woche steigt der Titel eben jetzt. Er ist damit auf dem Wege nicht nur von den Platzierungen her die erfolgreichste Single von Cascada jemals zu werden, sondern auch nach Dauer der Platzierung. Bisher führt noch ihr Chartdebüt Everytime We Touch aus dem jahr 2007 (produziert und außerhalb Deutschlands erfolgreich bereits 2004/05) mit 19 notierten Wochen.

Kinofilme sind ja durchaus ein beliebtes Marketingmittel für Musik. Aktuelles Beispiel der deutsche Film Männerherzen, der seit 8. Oktober in den Kinos ist und unter anderem den Titel Wonderful des britischen Sängers Gary Go vorstellt. Gary Go ist so etwas wie ein Selfmade-Musiker: eigene Aufnahmen, eigenes Label und erst später das Signing durch ein großes Label. Sein Sound ist irgendwas zwischen Robbie Williams und Bob Sinclar – ich kann’s grad irgendwie nicht besser beschreiben. In Großbritannien, seiner Heimat, startete er sein kommerzielles Debüt im März und erreichte Platz 25. Nun, ein halbes Jahr später, soll auch der deutsche Markt erobert werden. Wie schon erwähnt, mit Hilfe kinomedialer Unterstützung. In der Woche der Veröffentlichung debütiert Gary Go so in den deutschen Charts auf Platz 40. Das Album folgt Anfang November.

Noch ein Brite gab ab 9. Oktober sein CD-Debüt in Deutschland: Mr Hudson gehörenauf den Inseln zu den Upcoming Stars. Größere Bekanntheit erlangten sie letzten Sommer, als ihre Single Supernova Platz 2 der britischen Charts belegte. Als Vocalgast konnten sie Kanye West gewinnen, auf dessen Label sie mittlerweile veröffentlichen und der so ein wenig als ihr Entdecker gilt. Wie gesagt: in Großbritannien sind sie mehr oder weniger auf dem Weg zu einer ordentlichen Karriere, in Deutschland soll es nun auch zur Sache gehen. Aber, so richtig durchschlagend ist der Erfolg noch nicht … bzw. halten sich auch die Marketingaktivitäten derzeit noch in Grenzen. Supernova gelangt in der Woche der Veröffentlichung auf Platz 47. Das ist gerade mal ein Achtungserfolg, entspricht auch sehr genau dem, wie der Track hierankommen muss. Erstmal klingt die Produktion für kontinentaleuropäische Ohren nämlich eher durchschnittlich. Ok, da ist vielleicht der eine oder andere Soundschnipsel, der sogar aufhorchen lassen könnte, aber um das Ganze an die Massen zu bringen bräuchte es wohl Dauerpräsenz, die der Titel absolut nicht hat. So wird es für Mr Hudson hier wohl noch ein Weilchen dauern, bis man ihnen zu Füßen liegt.

Kanye West dagegen fügt mit Supernova einen weiteren Titel seiner aktuellen Hitliste hinzu und gehört im Moment zu den omnipräsenten Künstlern der Stunde. Allein 2009 hat er nun sieben verschiedene Charttitel auf dem Konto. Das gelang in den vergangenen zehn Monaten lediglich Rihanna und natürlich Michael Jackson, der mit 24 Titeln (bzw. 25 wenn man die Jackson Five dazu zählt) unangefochten den Rekord hält.

Wenn wir hier die aktuellen Veröffentlichungen abhandeln und dabei kommerziell erfolgreiche Trends begleiten, dann sind es nicht immer nur die neuesten Sounds, die uns da unter die Finger kommen. Eine ganze Weile schon gibt es ein mehr oder weniger erfolgreiches Swing-Revival. Wir erinnern uns nur an Roger Cicero oder auch den letzten deutschen Eurovisions-Beitrag von Alex Swings Oscar Sings. Einer der Auslöser für diese Welle ist und war (neben anderen) Michael Bublé. Der smarte Kanadier ist seit spätestens 2005 hierzulande richtig erfolgreich und gern gesehener Gast in allerlei Familiensendungen. Seine gefällige Mischung aus Jazz und eben Swing ist genau jene Musik, die viele durch ihren Alltag begleiten. Tja, und das ganze strotzt immer derart vor guter Laune, dass man sich fast schon nicht entziehen kann – es sei denn, man besteht darauf der Spielverderber zu sein. In diesen Tagen (genau am 16. Oktober) erschien sein neues Album, die Vorabsingle Haven’t Met You Yet ist bereits seit 9. Oktober zu haben. Und klar, sie platziert sich auch in der Verkaufsliste. Zwar nur auf Platz 55, was nicht derartig überschwenglich ist, aber in diesem Genre und bei diesem Künstler heißt das noch nicht viel. In den kommenden Wochen wird uns Haven’t Met You Yet mit Sicherheit begleiten und wahrscheinlich auch noch das eine oder andere Plätzchen dazu addieren können.

Mit der Ankunft in der unteren Hälfte der Charts, sind wir auch schon bei dem angelangt, was da so an Dauerbrennern und Modernen Klassikern herumgeistert. Der Long Tail der Charts hält ja immer einige Überraschungen bereit. Zum Beispiel diese: 2008 war eine der schrägsten und erstaunlichsten Kolaborationen die zwischen Bushido feat. Karel Gott. Gemeinsam verhalfen sie dem Alphaville-Klassiker Forever Young in einer deutschen Version zu neuem Leben. Für die einen (wie VIVA und MTV) war das grässlich, weil zu viel Schlager, für die anderen (Blogschreiber wie Lakritz und Schokolade) konnte Bushido plötzlich punkten und sogar ein positives Image aufbauen. Ein Jahr später gibt es dann aber noch einmal negative Schlagzeilen für Bushido. Sein Schlagerpartner aus Tschechien hatte nämlich angefragt, ob er die Zusammenarbeit Für immer jung auch auf sein nächstes Album nehmen darf. Die Antwort: erstmal Schweigen, dann irgendwie ein anwaltliches Nein und eine etwas halbherzige Entschuldigung des Rappers … Hmm, die Bunte ist entsetzt, andere Medien tun es ihr gleich, im Grunde ist das Ganze aber eher lustig. Bushido entscheidet sich also mehr oder weniger dagegen, in der Generation der Schwiegermütter und Omas zum Vorzeigestar zu werden. Das ist doch mal konsequent und vielleicht auch nötig, denn wer sein Leben von Uli Edel verfilmen lässt, muss wohl wirklich aufpassen, nicht an Street Credibility zu verlieren. – Ob dieser „Skandal“ nun tatsächlich dafür gesorgt hat, dass Für immer jung plötzlich wieder nachgefragt ist … ich weiss es nicht. Allerdings hab ich auch nicht wirklich ein Ereignis gefunden, welches nun dafür gesorgt haben könnte. Ihr werdet es sicher wissen. Bushido und Karel Gott sind also wieder mal drin in den Charts, nach siebenmonatiger Pause steht Für immer jung wieder auf der 59. Immerhin die 16. notierte Woche. Wirklich toll find ich den Song deshalb trotzdem nicht.

Schlager und Dauerbrenner … wir machen direkt weiter, denn diese beiden Keywords stehen ganz fett auch an der folgenden Neuauflage dran: Michael Wendler, der Schlager-Pop-König (oder war es Discofox?), bringt ein Reload seines Hits Nina heraus. 2008 war dieser Titel immerhin Platz 24 der media control-Verkaufsliste gewesen. Und weil sich die deutschsprachige Partyszene nicht so wahnsinnig ändert, gehört Nina auch eineinhalb Jahre nach Veröffentlichung noch zu den Standards. Also muss ein Remix her. In diesem Fall sogar einer, der mit einem zusätzlichen Rap(!)-Part versehen wurde. Natürlich ist Michael Wendler (noch) nicht so kultig wie Karel Gott, deshalb reicht es als Rap-Partner nur für Mr. James, The Party Doctor. Der mittlerweile in Köln lebende Amerikaner war bereits mit den Ghetto People in den 90ern erfolgreich. Danach hat er mit allerlei Karnevals-Bands neue Versionen ihrer Hits eingespielt. In seinen Solo-Programmen interpretiert er mit schönem Dialekt so ziemlich das komplette Kölsch-Repertoire. Tja, und nun hat er also auch seinen ersten veritablen Chart-Hit als Solo-Künstler, denn Nina Reloaded kann sich nach Veröffentlichung als CD auf Platz 63 der Charts etablieren.

Wir befinden uns weiter in der Gattung Schlager/Karneval. Die kommende Saison wirft ihre Schatten voraus und die ersten Karnevals-Hits stehen in den CD-Regalen. Unter anderem auch die aktuelle Single der HÖHNER.. Alljährlich ziehen sie spätestens im Februar mit ihrem Gassenhauer Viva Colonia in die Liste ein. Ein bunter Reigen weiterer Hits von ihnen folgt meist direkt im Schlepptau. Neu zur Runde gehört seit jetzt Schenk Mir Dein Herz. Mit Veröffentlichung als Single eingestiegen auf platz 71. Sicher auch bald einer der Titel, die immer wieder in den Charts stehen.

Karnevalssongs sind das eine, die Popstars das andere. In der vierten Workshopwoche in Las Vegas (ausgestrahlt am 15. Oktober) gab es wieder einmal einen Song, der ganz besonders gut ankam. The Scientistim Original von Coldplay, bei Popstars performt von Elif, Esra, Andy, Sandra und Daniel schafft direkt am Abend nach der TV-Ausstrahlung per Download Platz 5 in den iTunes-Charts. Das reicht in der Wochenauswertung von media control noch für Platz 77. Damit steht der Song nach fast sieben Jahren sogar höher notiert als zu seinem Erscheinen als Single im Jahr 2002. Damals schafften Coldplay in zwei Chartwochen lediglich Platz 87. Offensichtlich erzählen Chartplatzierungen doch nicht immer etwas über die wahre Popularität von Songs. Es steht zu erwarten, dass in der nächsten Woche The Scientist sogar nochmal höher geht, denn wie im Fall von Leona Lewis’ Hit Run ist ein Großteil der Fernsehzuschauer nicht ganz so schnell und nutzt erst den Freitag bzw. das kommende Wochenende zum Download ihres wiederentdeckten lieblingssongs. Und diese Tage gehen dann ja schon in die neue Auswertung ein. Im Fall von Leona Lewis brachte der TV-Einsatz ja sogar einen längerfristigen Effekt: wiedereingestiegen vor genau einem Monat auf der 68 ging es in der kommenden Woche bis zu Platz 36 und sogar jetzt noch wird Run notiert auf Platz 73 (von 63 fallend). Das sind also auch für Coldplay ganz gute Aussichten.

The Scientist stammt übrigens vom Album A Rush Of Blood To The Head. Es war die zweite Auskopplung aus dem Album und für Coldplay überhaupt die zweite Single, die sich in den deutschen Singlecharts platzieren konnte. – Laut oljo.de ist auch die Version der Popstars-Kandidatinnen als e-Track erhältlich. Es könnte also sein, dass wir The Scientist in der kommenden Woche gleich nochmal begrüßen dürfen.

Zurück als ganz junger Klassiker ist auch Kelly Clarkson. Ihr Hit in diesem Jahr hieß My Life Would Suck Without You. Ein schönes Stück Pop-Rock, deutlich inspiriert von Katy Perry und im März des Jahres immerhin Platz 6 in Deutschland. 19 Wochen nacheinander war der Titel platziert, dann schlug die Sperrklausel zu. In der letzten Woche war dann wieder alles möglich, nur die Verkäufe zu schwach. In dieser Woche reicht es nochmal für ein kurzes Intermezzo und Kelly Clarkson rutscht noch einmal in die Liste auf Platz 99. Damit ist My Life Would Suck Without You der zweiterfolgreichste Titel der Sängerin. Besser verkaufte sich lediglich Because Of You, welches im Jahr 2006 Platz 4 in Deutschland erobern konnte und bis heute immer wieder mal in den Charts auftaucht, zuletzt Ende Mai diesen Jahres. – Already Gone, die aktuelle Single, geht in dieser Woche übrigens von der 29 auf die 33.

Was ein Klassiker ist, zeigt sich auch daran, dass Titel wieder zurück kehren, wenn es neues Material von Künstlern gibt. Zum Beispiel Robbie Williams. In dieser Woche fulminant auf Platz 1 gestartet, kehrt ein Titel ganz am Ende der Charts zurück ins kollektive Bewusstsein, der offensichtlich enorm signifikant für den Künstler steht. Bezeichnend ist dabei, dass es sich hier nicht um einen seiner ganz ganz großen Hits handelt, sondern ein Titel, der ihn am Anfang seiner Solo-Karriere mit berühmt machte. Die Rede ist von Angels. Es war die vierte Auskopplung aus dem Debüt-Album Life Through A Lens und es erreichte im Januar 1998 Platz 9 der deutschen Charts. 18 Wochen war der Titel damals platziert, seitdem nicht mehr in der Liste aufgetaucht und nun wieder zurück. Platz 100 – Robbie Williams ganz oben und ganz unten in der Liste.

So, und dann gehört zu den neun Neueinsteigern der Woche auch ein reiner Digitaltrack von Nickelback. Diese durften in Stefan Raabs „TV Total Stock Car Crash Challenge“ihren aktuellen Song performen: Burn It To The Ground aus dem Album Dark Horse, immerhin die fünfte Auskopplung (wenn auch nicht auf CD erschienen). Die e-Single ist bereits seit 4. September zu erwerben, nach dem derzeitigen Auswertungsmodell von media control haben aber reine Digitalveröffentlichungen nicht wahnsinnig große Chancen auf Platzierungen. So blieb also auch Burn It To The Ground außerhalb der Liste. Mit dem Auftritt bei Stefan Raab zur besten Sendezeit ändert sich das schlagartig. Der Titel steigt ein auf Platz 65. – Gewohnt kräftige Kost, schöner treibender Rhythmus … hätte eigentlich sogar mehr verdient als diesen Platz 65.

Ganz am Ende der deutschen Charts tritt ein junger Mann mit seinem Solo-Debüt in Erscheinung, der in Fankreisen bereits als die neue Entdeckung des deutschen Schlagers gefeiert wird. Gerrit Winter ist sein Name, und wenn man diesen Namen durch die Sucmaschinen jagt, dann landet man unter anderem bei Fame Academy, einer Casting-Show auf RTL II, die 2003 mit einer Staffel ziemlich floppte. Neben ein paar Videos auf youtube blieben vor allem die Singles zum Schlusscasting als Beweise. Und dort tauchte auch Gerrit Winters Name erstmals auf. Life Is A Rollercoaster war sein Titel, mit dem er es immerhin zwei Wochen in die deutschen Charts brachte, Platz 91 war damals das Höchste. – Nun ikst Gerrit Winter wieder da, wieder hat er sich RTL II als Medienpartner ausgesucht, und gerade promotet er sein Album Wovon träumst du. Der Titelsong wurde wie üblich bereits vorher ausgekoppelt und kann sich tatsächlich in den deutschen Charts platzieren. Platz 96 – ob das der Beginn einer Traumkarriere ist?

Und nach einer Woche Pause nun doch noch einmal dabei, denn neun Wochen sind noch nicht voll: The All-American Rejects mit I Wanna. Platz 97 derzeit.

Charts vom 12. Dezember 2008

Die Schlagzeile der Woche war, dass Schäfer Heinrich nun tatsächlich die Top 10 der deutschen Single-Charts erklimmen konnte. Und das hinterlässt mich schon auch ein wenig fassungslos. „Das Schäferlied“ steigt in seiner zweiten Woche von der 14 auf die 6. Klar, die RTL-Doku-Soap „Bauer sucht Frau“ glänzte mit unglaublichen Quoten. Spannend ist es sicher auch, dem Hype drumherum zuzuschauen: Schäfer Heinrich auf allen Kanälen. Kein abendliches Zapping mehr ohne den neuen Medienstar. Aber mal ehrlich: ist es nötig, sich zur Dokumentation dieser hysterischen Inszenierung sich auch noch die CD zuzulegen? (Und es ist bezeichnend, dass „Das Schäferlied“ in den Download-Listen eher unter ferner liefen rangiert.) EMI Music spricht in der Ankündigung so schön von einer Hommage an das einfache Leben als Schäfer. Hmm – Sehnsucht nach Einfachheit? Sozusagen die Hardcore-Variante von Kid Rock? Lobpreis der Zeiten als es weder Internet noch Strom gab? ... Ich habe „Das Schäferlied“ jedenfalls noch nicht ein einziges mal wirklich bis zu Ende gehört. Und es ist auffällig, dass über die Musik an sich bei all dem Medienrummel kaum gesprochen wird. Und sollte die CD nach dem Finale der Staffel am Montag mit 7,55 Mio Zuschauern und dem Auftritt bei The Dome 48 am Freitag den 5.12. (TV 6.12.) noch weiter klettern, ich werde auch dann nicht Schäfer Heinrich als ernstzunehmenden Popstar ansehen.

Diese Meldung überschattete alles. Bei der sehr statischen Spitzengruppe auch nicht allzu verwunderlich. Katy Perry steht mit "Hot N Cold" eine zweite Woche auf der 1. Auf dieser Position steht sie derzeit auch in Österreich, Dänemark und Bulgarien. Für ihr Debüt in Deutschland "I Kissed A Girl" (derzeit von 23 auf 24) erhielt sie gerade eine Grammy-Nominierung in der Kategorie "Best Female Pop Vocal Performance". Na hola!
Für Autor Max Martin (der übrigens auch bei "Hot N Cold" an der Gitarre stand) ist diese Woche bereits die zehnte im Jahr 2008, welche er in irgendeiner Form an der Spitze verbringt. Das ist unangefochten der Spitzenreiter. Da können auch Ryan Tedder (OneRepublic) und Timbaland nicht mithalten, obwohl diese beiden ebenfalls an mindestens zwei Nr.1-Hits beteiligt waren.

Der Aufsteiger schlechthin ist ein Duo, welches vor zwei Wochen schon für Aufmerksamkeit sorgte. Bushido feat. Karel Gott steigen mit "Für immer jung" von der 34 auf die 5, nachdem nun auch die CD im Handel erhältlich ist. Leider ist auch nach dem 100. Anhören nicht wirklich viel Neues über dieses Stück Popkultur zu sagen. Bushido widmet sich in seinem Part der Sehnsucht nach der ewigen Jugend, allerdings in eher bekannter Art: älter werden ist Scheisse, Kinder nerven ihre Eltern nur und überhaupt was soll das ganze Dasein hier überhaupt? Eigentlich all das, was auch in Millionen von Magazinen, Zeitung, billigen Internet-Seiten etc. steht. Immerhin kommt Bushido ja zu dem Schluss, dass es sich aufgrund der tristen Sachlage absolut lohnt, den Moment zu genießen. Das ist ja schon mal ein Anfang. Vielleicht kommen ja irgendwann auch noch weitere Vorschläge, wie wir unser Leben hier angehen können ohne in Selbstmitleid zu vergehen.
Statistisch gesehen ist "Für immer jung" mit dem Sprung in die Top 5 die erfolgreichste Variante des Titels von Alphaville aus dem Jahr 1984. Für Bushido ist es nach "Alles verloren" der zweite Top 5-Hit und derzeit die zweithöchste Platzierung überhaupt in den deutschen Charts. Und Karel Gott, der tschechische Schlagerstar schafft es nach 45 Jahren im Musikbusiness erstmals, hier in Deutschland in die Spitzengruppe vorzudringen. Und wenn ich mir anschaue, wie alt der Rest der Titel in der Spitzengruppe schon ist, dann ist da zum Fest wahrscheinlich noch eine Platzierung unter den ersten 3 drin.

Weitere Bewegung gibt es in den Top 10 durch Britney Spears, die mit "Womanizer" ihren Abwärtsdrang von letzter Woche umkehrt und wieder zwei Plätze auf die 7 steigt. Und auf der 10 klettern wieder rein Curse mit Silbermond und "Bis zum Schluss".
In den oberen 20 ist es Peter Fox, der noch einmal den langsamen aber steten Fall von "Haus am See" aufhalten kann und mit einem kleinen Sprung von der 25 wieder auf die 18 geht. Eventuell hat sein Auftritt bei der 1LIVE Krone und natürlich die Auszeichnung für das beste Album da ein wenig geholfen. Die Vorgängersingle "Alles neu" ist jedenfalls auch noch drin und hält sich wacker auf der 46.

Die zweite Geschichte der Charts ist eigentlich eine alte, denn es geht - wen wunderts - wieder und immer noch um die Invasion der Weihnachtstitel. Die Spitze bildet nach wie vor Wham! mit "Last Christmas" welches von der 42 auf die 20 geht und sich damit das fünfte Jahr in Folge im oberen Fünftel der Charts einrichten kann. Auch ein Rekord für sich. Etwas widersprüchliche Angaben existieren über die komplette Wochenanzahl. die sich der Titel seit 1984 in der Liste befand. media control (die offizielle Auswertungsstelle) spricht von 71 Wochen, bei chartsurfer.de stehen 76 Wochen, was genauso viele wären wie DJ Ötzi & Nik P. mit "Ein Stern (der deinen Namen trägt)" mittlerweile gesammelt haben. Es ist anzunehmen, dass hier die Jahreswechselwochen zwischen 1997 und 2000 mitgezählt wurden, in denen keine regulären Charts herausgegeben wurden.
Melanie Thornton steigt mit "Wonderful dream (Holidays Are Coming)" von der 71 auf die 33 und ist damit auch schon das 8. Jahr in Folge mindestens für jeweils eine Woche in der oberen Charthälfte vertreten. Vor knapp einem Jahr hat es bis Position 14 gereicht.
Mit einem ganz neuen Titel reiht sich Michael Wendler in die Auflistung der Saison-Hits ein. "Ich denk an Weihnachten" bringt den König des Discofox auf die 50 und damit seit langem mal wieder ein deutschsprachiges Weihnachtslied etwas höher in die Liste.
Band Aid 20 steigt mit "Do They Know It's Christmas?" von der 89 auf die 52 und ist erreicht damit die höchste Position seit Anfang 2005, als es das erste mal erschien. "Driving Home For Christmas" von Chris Rea geht hoch von 74 auf die 56, Mariah Carey steigt mit "All I Want For Christmas Is You" von 84 auf 57. Auch Rapper Sido ist wieder mit seinem "Weihnachtssong" dabei. Bei media control wird er mit der Version 2007 auf der 74 gelistet, (wieder) erschienen ist am 28.11. eine 2-Track-Single ohne Jahresangabe und bei YouTube wird heftig Version 2008 gefeiert. Welche nun genau einsteigt ... fragt mich nicht. Wahrscheinlich alle Varianten zusammen (die ja so unterschiedlich auch nicht sind).
Ab Platz 82 wird es dann richtig interessant, denn da steht vielleicht DER Weihnachtsklassiker wieder in der Liste: Bing Crosby mit "White Christmas" aus dem Jahr 1942. Spannend daran ist, dass dieser Titel trotz seiner Bekanntheit erst in der dritten Woche notiert ist. Und das alles, weil die Plattenfirmen in Deutschland irgendwie völlig verpasst haben, die Aufnahme mal als Single wiederzuveröffentlichen. Es gibt unzählige Weihnachts-Editionen von Bing Crosby und Kollegen (mit denen lässt sich offenbar mehr Geld verdienen), aber dieser eine Titel, den kann ich mir höchstens als Download holen. Und das haben wie im letzten Jahr wohl einige getan, so dass es für einen Wiedereinstieg reicht. Nebenbei bemerkt: "White Christmas" wird als der zweitbestverkaufte Titel aller Zeiten nach Elton Johns "Candle In The Wind" gehandelt. Fast das Gleiche lässt sich auch über José Felícíano und "Feliz Navidad" erzählen. Wieder drin auf der 82 nachdem es im letzten Jahr überhaupt zum allerersten Mal gechartet war und bis auf die 42 klettern konnte. In diesem jahr geht es bereits früher los und wird wohl deshalb auch eine neue Spitzenposition erreichen.
Schließlich sind auch Frankie Goes To Hollywood mit dem 80er-jahre-Klassiker "The Power Of Love" auf der 91 wieder mit dabei und auf der 98 in der auch erst 3.! Woche dabei John & Yoko + The Plastic Ono Band with The Harlem Community Choir und "Happy Xmas (War Is Over)".

Der höchste Neuzugang ist in dieser Woche auf der 27 zu finden. Das ist ungewöhnlich in zweierlei Hinsicht. Zum einen liefern die Monrose mit ihrer dritten Single aus dem "I Am"-Album "Why Not Us" ihre bislang schlechteste Chartperformance ab. Zum anderen ist Rang 27 als höchster Neuzugang für 2008 die immerhin zweitschlechteste Position. Klar gab es Zeiten, z.B. in den 70er und 80er Jahren, da war eine Position 27 schon recht gut als höchster Neuzugang. Seit den 90ern hat sich aber das Marketing der Plattenfirmen grundlegend geändert und enorm auf den Erscheinungstermin einer CD konzentriert. Und so funktioniert der Markt immer noch, trotz leichter Auflockerung durch Downloadzählung. Und so kommt es, dass 2008 lediglich die Woche bis zum 11. Januar (Verkäufe in der Silvesterwoche 07/08 bis 4.1.) mit einer noch schwächeren Performance aufwarten konnte. Damals startete Pur mit dem "Partyhitmix Vol. 2" auf der 41.
Warum "Why Not Us" im Vergleich zu den anderen Titeln so durchfällt, ist gar nicht richtig erklärbar. Im Grunde hat auch diese Produktion alles, was zu einem guten Popsong gehört, inklusive graphisch spannendem Video. Zu viel Pathos kann es auch nicht sein, da treiben sich wesentlich bombastischere Titel viel weiter oben herum. Aber vielleicht ist es auch genau das: zu zaghaft benutzte Stilmittel. Eben nicht der ganz große Kitsch. Oder die KäuferInnen haben von den Monrose erstmal genug und warten lieber auf die erste Veröffentlichung von Queensberry. Als Trost genügt vielleicht das: "Hit N' Run" befindet sich in dieser Woche noch auf der 85.

Einen Platz hinter den Monrose kehrt Alex Christensen mit seinem aktuellen Projekt Alex C. feat. Yass in die Charts zurück. Waren es bislang schönste Ärsche, Pornos oder "Doktorspiele", so geht es ihm mit seiner neuesten Produktion um "Liebe zu dritt". Wirklich überzeugend ist auch dieser Einstand nicht, befindet sich doch "Liebe zu dritt" nicht auf dem "Euphorie"-Album der beiden und ist somit neues Material. Aber da beginnt auch schon das Problem: wirklich neu klingt nämlich "Liebe zu dritt" nicht. Das könnte jetzt gut und gerne auch der vierte Aufguss von "Du hast den schönsten Arsch der Welt" sein. Da hilft auch kein auf YouTube zensiertes Video, das dann überhaupt nicht besonders explizit ist.

Neu in der oberen Hälfte der Charts auf der 35 ist die nächste Auskopplung aus dem "Wettsingen in Schwetzingen"-Album. Xavier Naidoo feat. Cassandra Steen fragen sich "Wann". Ich bin wahrhaftig kein Xavier Naidoo-Experte. Das ist mir dann meist alles zu religiös verkitscht und schwiemelig. Auch hier gibt es so schöne Textzeilen wie ".... die Seele schreit .... man wird von großen Taten hören ....". Weissagungspoesie, mit der ich nicht so viel anfangen kann. Auch nicht zu Weihnachten.
Cassandra Steen ist keine ganz Unbekannte mehr. Mit Glashaus kann sie bereits auf 9 Chart-Hits verweisen. Als Solo-Künstlerin stand sie schon an der Seite von Bushido, Illmatic und Sabrina Setlur. Die Kolaboration mit Xavier Naidoo stellt für sie die 15. Chartperformance dar. Platz 35 gehört dabei sogar zu den erfolgreicheren Auftritten.
Xavier Naidoo chartet auch solo. Und zwar mit "Dieser Weg" auf der 100. Die Söhne Mannheims sind mit ihrem Nr.1-Hit aus dem Unplugged-Album noch auf der 58 vertreten. Das dürfte allerdings ihre letzte notierte Woche sein.

Weiter unten punkten in den Charts The Offspring. Ihre Single "You're Gonna Go Far, Kid" steigt auf der 67 ein und ist seit fast vier Jahren ihr erstes Auftauchen in der Liste. Allerdings ist auch diese Performance für die Band ein eher schwaches Ergebnis, vor allem nach ihrem prominenten Auftritt bei Stefan Raabs Stock Car Crash Challenge 2008 am 29. November. Die im Mai veröffentlichte Vorgängersingle "Hammerhead" war gleich gar nicht gechartet – das allerdings aus anderen Gründen. Sie stand nämlich zum kostenfreien Download zur Verfügung und wurde deshalb in den Verkaufscharts nicht berücksichtigt.

Ganz neu dabei ist die New Yorkerin Ingrid Michaelson. Ihre Songs wurden vor allem durch das Internet und den Einsatz bei Fernsehserien wie "Grey's Anatomy – Die jungen Ärzte" populär. Da die Bildermedien immer ein wenig länger brauchen bis sie zu uns über den Teich brauchen, hat aber der Einsatz als TV-Soundtrack hier nichts mit dem Einstieg zu tun. Platz 78 schafft "The Way I Am" durch das Erscheinen auf CD. Und für die zukunft ist ein Duett mit Netz-Kollegin Sara Bareilles angekündigt.

Ebenfalls eine chartdebütantin ist Nina Kristin. Sie kommt aus Deutschland und liefert eher durchschnittlichen dance-orientierten Pop. "Must Be Love / Success" beginnen auf der 93.

Ganz am Ende gibt es auch wieder ein paar Wiedereinsteiger, Klassiker die sich also auch im Weihnachtstrubel gut machen:
die 97 geht an The Verve und "Bitter Sweet Symphony" in der 20. Woche.
Und auf der 99 landen Westlife mit "You Raise Me Up" in der 27. Woche.

Charts vom 28. November 2008

Holla - jetzt geht es aber tüchtig los in den deutschen Charts. Und sogar ganz oben tut sich eine Menge. Die Nr. 1 ist zwar immer noch die gleiche wie letzte Woche, aber schon auf Rang 2 wird munter nachgelegt. Aber erstmal: Polarkreis 18 sind mit "Allein Allein" nun in der fünften Woche an der Spitze und langsam wird es spannend, denn noch haben sie alle Chancen 8 Wochen voll zu machen und damit zu den Nr.1-Hits 2008 zu gehören, die am längsten ihre Position verteidigen konnten. Aber da gibt es auf Platz 2 sehr sehr starke Konkurrenz, denn hier steigt Katy Perry mit ihrer neuen Single "Hot N Cold" ein. Und das als reiner Download-Titel, denn in echt ist die Single erst seit dem 21. zu haben. Noch nie war ein nur digital-verkaufter Titel besser platziert und noch nie hat ein solcher Titel mit so einem Satz die Charts geentert. Natürlich ist die Only-Download-Zählung auch noch nicht soo alt: Seit 13. juli 2007 haben Titel die Möglichkeit auch als rein digitale Veröffentlichung in der Liste zu erscheinen. Erschwerend kommt hinzu, dass in Deutschland nicht die Anzahl ausschalggebend für die Platzierung ist, sondern der erzielte Umsatz. Das bedeutet, dass eine verkaufte Single-CD von Polarkreis 18 gleich viel Wert ist wie 5 bis 7 verkaufte Downloads von Katy Perry. Damit dürfte klar sein, dass "Hot N Cold" derzeitig der meistgekaufte Titel in Deutschland ist. Die beste Platzierung als rein digitale Single kam bislang von Paul Potts und seiner Puccini-Interpretation "Nessun Dorma" (ist noch gar nicht soo alt und treibt sich derzeit noch auf der 54, von 51 kommend rum ... dürfte aber schon nächste Woche nicht mehr dabei sein, es sei denn die Weihnachtsstimmung greift derart um sich ...)
Zurück zum Star der Woche: Eigentlich ist der Nachfolger zum Nr. 1-Hit "I Kissed A Girl" (fällt von 13 auf 19) viel weniger hypnotisch, aber er hat derzeit ein derartig starkes Airplay (aktuell die 4 in den eher langsamen und betulichen Airplay-Charts), dass offensichtlich alle gerade extrem gierig nach dem Titel sind. Und wir dürfen gespannt sein, ob sie nicht schon nächste Woche ihren zweiten Spitzentitel in Deutschland verbuchen kann. Sollte sie dies schaffen, ist sie eine der wenigen Acts, die es mit ihren jeweils ersten beiden Singles an die Spitze schafften. Letztes Beispiel für solch einen Einstand lieferte Mark Medlock im Jahr 2007. Mit dieser Woche gesellt sich Katy Perry an die Seite von Leona Lewis, die in diesem Jahr mit ihrem Debüt "Bleeding Love" ebenfalls die 1 enterte und mit "Better In Time" auf Rang 2 im Juli nachlegte.

Die Katy Perry-Sensation überschattet das, was ich in der letzten Woche schon angekündigt hatte. Britney Spears schickt mit "Womanizer" die Vorab-Single zu ihrem 6. Studio-Album "Circus" ins Rennen. In den USA brach sie mit der Single bereits alle möglichen Rekorde und fuhr ihre zweite Nr.1 ein. Hier in Deutschland reicht es in der ersten Woche für Platz 4, was immerhin das beste Ergebnis seit 2004 und ihrem Titel "My Prerogative" ist. Es ist ihr 16. Top 10-Hit und der 12. Titel, der es unter die ersten 5 schafft. Obwohl "Womanizer" von vielen als die beste Britney überhaupt betitelt wird, würde ich an dieser Stelle aber bezweifeln, dass sie damit ihre dritte Nr.1 in Deutschland holt. Aber warten wir es ab, wie wir sehen gibt es ja doch noch genügend Überraschungen im Chartgeschehen.

Die beste deutsche Produktion schafft es in dieser Woche auf die 7. Für mich eine sehr eigenwillige Kombination, die Rapper Curse da mit Silbermond eingegangen ist. Nachdem der Titelsong seines Albums "Freiheit" featuring Westernhagen Ende September nicht so sehr die Masse begeistern konnte, gelingt ihm durch Stefanie Kloß als Duettpartnerin das erste Mal der Sprung unter die ersten 10. Ich würde an dieser Stelle mal behaupten, dass dieses Ergebnis vor allem auf das Konto der charismatischen Stimme der Sängerin geht, denn Silbermond sind mit ihrer ehemaligen Nr.1 "Das Beste" auch nach zwei Jahren noch immer wieder am unteren Ende der Verkaufsliste zu finden. Letzte Woche zum Beispiel grad wieder notiert auf der Position 100. "Bis zum Schluss" erinnert mich irgenwie an bekannte Titel, obwohl es gut rhythmuslastig daherkommt und dadurch den gewohnten Silbermond-Sound schön bricht.

Der nächste Einsteiger hinterlässt die Frage: saugeil und mutig oder wahnwitzig übermütig. Wahrscheinlich ist das jedoch eine eher sehr deutsche oder europäische Frage, denn wenn der US-Rapper T.I. um die Hookline des Eurotrash-Hits "Dragostea din tei" von O-Zone einen abgebrühten Südstaaten-Rap mit Guestvocals von Rihanna bastelt, dann muss das in Übersee einfach cool aussehen und zur Nr.1 führen. Hier in Deutschland wurden wir ja erst diesen Sommer wieder mit den Überbleibseln des größten moldawischen Hits aller Zeiten beglückt. Crazy Frog und Arsenium hießen die Projekte, welche mehr oder minder geschickt das alte Rezept nochmal aufkochten. Nun also gibt es den Original-Gesang noch einmal in einem kleinen Ausschnitt zu hören bevor Rihanna übernimmt und eine wesentlich coolere Variante darbietet. Für T.I. ist "Live Your Life" der erste Aufenthalt in den deutschen Top 20 als Mainact. Mit seinem Rap-Part für Justin Timberlake's "My Love" stand er 2006 bereits auf Position 4. Rihanna ist mit ihrem Part momentan die zweite Künstlerin, die aktuell zwei Titel unter den oberen 20 platzieren kann. "Disturbia" rutscht in dieser Woche aus der Top 10 auf die 13.

Die momentan erfolgreichste Schülerband Deutschlands Aloha From Hell aus Aschaffenburg legen mit ihrer Rockballade "Walk Away" nach und können auf Anhieb den Erfolg ihres Debüts "Don't Gimme That" aus dem Sommer übertreffen. Platz 26 für Single Nr.2 und ein paar Konzerttermine gibt es im Dezember auch noch.

Zu Platz 34 gibt es wieder eine ganze Menge zu erzählen. Zunächst mal steht dort neu in der Liste Bushido feat. Karel Gott. Ja, richtig gelesen, der Rapper hinter dem Label ersguterjunge lässt derzeit nichts unversucht, ordentlich in die Schlagzeilen zu kommen und 'n Haufen Kohle abzuschöpfen so lange das drin ist. Biographie als Bestseller, Verfilmung derselben, Veröffentlichungen in Massen – dieses ist bereits die siebte Single, die sich in 2008 platzieren konnte – und dann eben auch mal gern ein Duett mit dem tschechischen Schlagerstar Karel Gott, den so richtig harte Jungs und Mädels ausm Ghetto vielleicht gar nicht mehr kennen. Zur Erinnerung: Karel Gott, die goldene Stimme aus Prag, begann seine Karriere in den 60ern, seine größten Erfolge feierte er zwischen 1970 und 86. Da gab es noch vor Zeiten der wöchentlichen Charts den Titel "Was damals war", der sich in der damaligen Hitparade bis zum Platz 8 vorarbeiten konnte. Unvergessen in den Gedächtnissen von Fans des deutschsprachigen Liedguts sind "Die Biene Maja" (Titelsong der Zeichentrickserie 1975) "Babicka" (1979 Platz 20) und "Fang das Licht" mit seiner Tochter Darinka (1986 Platz 15). Sein letzter Chartaufenthalt stammt aus dem Jahr 1997, als er mit einer deutschen Version von "Time To Say Good-Bye (Con Te Partiro)" bis auf Rang 86 kam. Nach mehr als 11-jähriger Pause feiert Karel Gott nun dank Bushido sein Chart-Comeback und hievt sich gleich richtig in die Jetzt-Zeit, denn "Für immer jung" landet auf Platz 34 durch reine Online-Verkäufe. Die reguläre Single steht erst seit heute in den Läden, wird also in zwei Wochen ganz sicher einen Sprung nach oben hinlegen. Und so wie sich das anlässt könnte es für Karel Gott die höchste Chartplatzierung überhaupt werden. Bushido hätte da ein wenig mehr zu tun, denn sein bislang bestplatzierter Titel stammt aus dem Jahr 2007 und hieß "Alles verloren". Platz 4 gilt es zu knacken und das könnte durchaus gelingen, denn die zweite "Sensation" der neuen Bushido-Single ist der Titel selber. "Für immer jung" zitiert nämlich ordentlich und wiedererkennbar den 80er jahre-Hit von Alphaville "Forever Young". Im Original 1984 bis Platz 4 geklettert, wurde der Titel bereits unzählige Male gecovert, am erfolgreichsten vom deutschen Technodance-Projekt Interactive, welches Anfang 1995 in Deutschland bis auf die 7 kam und sogar in Großbritannien den Sprung unter die Top 40 schaffte. 2002 gabs dann nochmal ein Remake, auch das mit ordentlichen Verkaufszahlen und nun sind also wieder ein paar Jahre ins Land gegangen, Weihnachten steht vor der Tür, Balladen-Schmonzetten stehen gut im Kurs und Bushido macht sich Gedanken übers Älterwerden. Natürlich sind da keine neuen Erkenntnisse zu erwarten, halt die bekannten Allgemeinplätze. Aber wer will schon immer nur zum Nachdenken animiert werden? 6 Mio Abrufe bei MySpace, 2 Mio bei Youtube, Einstieg in die Charts vor Verkaufsbeginn, Clinch mit VIVA und MTV ... da erübrigt sich jeder Kommentar.

So wie wir in nächster Zeit wahrscheinlich wieder ein Auge und Ohr auf Bushido + Gott haben werden, so können wir bereits in dieser Woche vermelden, dass die Jungs von Guns n' Roses wie erwartet ordentlich an Tempo zulegen. Von der 90 in der letzten Woche (als ihre Single lediglich eine halbe Woche im Geschäft war) auf die 38 springt "Chinese Democracy". Auf der Homepage der Band wird auch ein MySpace-Streaming-Rekord vermeldet. Im Schnitt sollen 25 HörerInnen pro Sekunde den Titel abgerufen haben. Da steht zu vermuten, dass auch eine ganze Menge an Leuten bei den bekannten Download-Shops eingekauft haben, denn in echt gibt es nach wie vor lediglich die Trendsingle mit nur einem Titel. Insgesamt ist diese Woche überhaupt deutlich zu merken, dass der Online-Markt an Bedeutung gewinnt.
Statistisch gesehen müssen Axl Rose und Freunde allerdings noch ein wenig mehr drauf legen. "Chinese Democracy" ist mit Platz 38 bislang noch der schlechtplatzierteste Titel der Band in den deutschen Charts. Lediglich "Patience" machte im September 1989 auf eben dieser Position halt, war aber insgesamt 13 Wochen lang notiert.

Mash-Ups sind nach wie vor sehr beliebt wie uns der Neuzugang auf der 51 zeigt. Da kommt das Debut des Dance-Projekts SASH! aus dem Jahr 1997 "Encore Une Fois" (damals Platz 16) neu in die Verkaufsliste, diesmal allerdings angefüllt mit der Gesangsspur von "Raindrops", einem Track des englischen Projektes Stunt und erschienen 2005 auf Data Records. Folgerichtig heißt die Neuveröffentlichung "Raindrops (Encore Une Fois)". In Großbritannien hats für das Stück bis in die Top 10 gelangt, ich finde, dass der Originaltrack von SASH! durch den Gesang eher an Kraft verliert und austauschbarer wirkt. Immerhin noch eine schöne Erinnerung an ein Projekt, dass seit mehr als 5 Jahren in der Versenkung verschwunden war und eigentlich schon begraben.

Estelle steigt mit ihrem dritten Titel "Come Over" auf der 62 ein. An ihrer Seite hat sie für diesmal Sean Paul, in 2008 das zweite mal in der Liste vertreten. Entspannter Raggae.
Eine absolut beeindruckende Stimme gibt es auf der 64 zu hören. Sie gehört dem Grafen, wie sich der letzte Verbliebene der Band Unheilig nennt. "An Deiner Seite" ist das Chartdebut des 1999 zusammen mit Jose Alvarez-Brill (aktuell Peter Heppner produzierend) gegründeten Projektes. Düster und stark.
Im Jahr 2008 war Jimi Blue ziemlich präsent. Mit einer fünften Single namens "Best Damn Life" gehts ins Weihnachtsgeschäft. Start auf der 67, während "Key To The City" von der 70 auf die 84 fällt.
Nach ihren bisher größten kommerziellen Erfolgen, den zwei Top 10-Singles aus dem "Viva La Vida"-Album charten Coldplay auf der 77 mit Titel Nr.3. Allerdings auch dies in der Digitalvariante. "Lost!" ist zwar auf genanntem Album enthalten und am 21.11. erschien auch die EP "Prospekts March" auf der "Lost!" noch drauf ist. Aber den Titel solo gibt es derzeit nur als Download-Variante.
Die 79 sieht die hessische Mädchenband Fräulein Wunder mit ihrer zweiten Single "Mein Herz ist Gift für dich". Ohne VIVA-Serie geht's etwas langsamer voran.
Auf der 81 erscheint Blutengel mal wieder. "Dancing In The Light" gibt es in zwei Varianten: als Forsaken- und als Solitary-Edition.
Rania ist die dritte Teilnehmerin der letzten DSDS-Staffel, die ihr Chartdebüt 2008 gibt. "Crying Undercover" steigt ein auf der 86.
Jens O.(phälders) und Jens Kindervater aka Michael Mind sind seit einigen Jahren auch unter dem Pseudonym The Real Booty Babes in der Clubszene unterwegs. Erfolge feiern sie vor allem mit Schranz-Versionen bekannter Hits. In diesem Jahr waren sie bereits mit einer Variante von "Apologize" notiert. Auf der 98 stehen sie in dieser Woche neu mit "I Kissed A Girl" - auch das als reiner Download-Titel.

TV-Show-Effekte wie gewohnt: Popstars-Kandidatinnen Diyana, Jill und Katharina singen in der Folge am 13.11. "Listen" und das Original von Beyoncé steigt auf der 63 wieder ein. Wird aber auch schnell wieder draußen sein.
Ähnlich ergehts wohl auch Westlife mit "You raise Me Up", die auf der 71 wieder auftauchen, nachdem Asawari Jacob am 15.11. seinen Auftritt mit dem Titel bei RTL "Supertalent"-Show hatte.
Auf der 99 entern Evanescence mit einem ihrer größten Hits "My Immortal" nochmal die Charts. Da weiß ich aber jetzt keine Erklärung, wodurch das verursacht wurde.

Für einen Neueinsteiger hab ich hier am Ende noch extra fünf Zeilen frei gehalten.
Es ist die letzte Woche im November oder auch der 1. Advent und auf der 73 erscheint, wie immer an diesem Datum, der Weihnachts-Pop-Hit schlechthin: "Last Christmas" von Wham! Bei seinem letzten Auftritt zum Jahreswechsel 07/08 hat der Titel mit Platz 4 seine beste Position überhaupt erreicht. Ein kleiner Rekord: in der 72. Woche und 23 Jahre nach dem Ersteintritt. Ob's in diesem Jahr nochmal höher geht? Position 73 als Start in die Saison ist im Vergleich nicht wahnsinnig überzeugend. Eventuell hat jetzt auch schon jedeR seine/ihre Version auf PC, Silberling oder sonst einer Form in der Sammlung.