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Absturz für Tokio Hotel ... und ein paar Aufsteiger

In der Regel handel ich hier ja vor allem Erfolgsstories und Aufsteiger ab. In dieser Woche komm ich allerdings nicht umhin, einen Loser zu benennen. Mit einem wahrhaften Absturz warten nämlich die Jungs von Tokio Hotel. In der vergangenen Woche stieg ihr Comeback-Titel Automatisch auf Platz 5 ein – für die erfolgverwöhnten Jungs aus Magdeburg schonmal ein ziemlicher Schlag ins Gesicht. In der zweiten Woche nun geht es im Steilkurs nach unten auf Platz 29. Solche Abstürze können wir für gewöhnlich nur am Anfang eines jeden Jahres beobachten, wenn die Weihnachtssongs schlagartig die Listen verlassen.

In Blogs wie bei oljo.de wird nun fleißig analysiert, warum Tokio Hotel so dramatisch an Popularität eingebüßt hat. Überzogene Medienhysterie mit Nerv-Charakter, seltsame Auswertungssysteme … es gibt eine Reihe von Theorien für die ernüchternden Verkaufszahlen. Auch das neue Album fällt ziemlich durch, unter anderem wegen absolut überzogener Preise. Lediglich in den USA scheint es Aufwind für die Jungs zu geben. Der Verdacht liegt nahe, dass sich die Industrie eher auf den größeren Markt in Übersee konzentriert und der Verkauf in Deutschland eh unwichtig ist. Das letzte Hoffen der Fans klammerte sich an den TV-Auftritt bei „Wetten dass …?“ am 3. Oktober, aber auch da war offensichtlich nicht viel zu holen. – Spannendster Nebeneffekt des Schlechten Abschneidens: Musiklabel Universal lockert plötzlich die rigide Veröffentlichungspolitik im Netz. Zunächst war Automatisch weder auf youTube noch auf mySpace im Angebot. Nach dem desaströsen Abschneiden werden plötzlich sämtliche Kanäle frei geschaltet um noch zu retten was zu retten ist … wie war das noch mal: Präsenz im Internet schmäler die Verkäufe … ? – Da könnte sich eine Diskussion endgültig erledigt haben.

Wesentlichste Aufsteigerin der Woche (neben Neuzugang Mark Medlock ist Agnes. Die Schwedin ist mit ihrem internationalen Debüt-Titel Release Me gerade in allen Einkaufspassagen und Dudelfunkstationen superpräsent. Das hat zur Folge, dass auch der Verkauf angeheizt wird. In der sechsten Chartwoche steigt Release Me von der 18 auf die 12 und beschert Agnes eine neue Bestmarke.

Etwas weiter oben klettern The Black Eyed Peas mit I Gotta Feeling noch einmal einen Platz auf die 8 und stehen mit diesem Titel nunmehr eine 14. Woche unter den umsatzstärksten Zehn. Insgesamt gehen jetzt 65 Top10-Wochen auf das Konto der Black Eyed Peas. Just in dieser Woche überrundet das Quartett somit Justin Timberlake. Da hat der Sänger jetzt mal nachzulegen.

Zum zähen Dauerbrenner hat sich auch Das geht ab! [Wir feiern die ganze Nacht] von Frauenarzt & Manny Marc entwickelt. Es steht bereits in der insgesamt 20. Woche in der media control-Liste und kann in dieser Woche sogar noch einmal um einen Platz auf die Position 10 steigen. Damit haben sie acht Wochen im Club der besten 10 gesammelt. Das hätte beim allerersten Einstieg des Titels am 17. April wohl keiner gedacht und es ist auch ein schöner Beweis (ob man den Titel nun mag oder nicht), dass es auch noch Hits gibt, die sich nicht von der Industrie gesteuert etablieren. Und vielleicht haben wir ja mit „Atzenmusik“ jetzt sowas wie eine neue Schublade im Pop-Business …

Eine abrupte Kehrtwendung in ihrer Chartbewegung machen Cascada, die mit Evacuate The Dancefloor noch einmal von der 24 auf die 19 steigen können. Der Track ist alles andere als neu, aber der bei weitem erfolgreichste Titel des Projektes. Drei Wochen stand er auf Position 5 in der media control Liste. Das gleichnamige Album brachte es bis Platz 21 in den Album-Charts (für einen reinen Dance-Act nicht mal schlecht). Und gerade flatterte die Meldung herein, dass Cascada auch für die „1LIVE Krone“ nominiert wurden. – In zwei Wochen können wir dann den Start der neuen Single Fever begutachten. Ich kann schon mal vorweg nehmen: so infektiös wie Evacuate The Dancefloor ist das neue Werk bei weitem nicht. Zu viel von allem wurde da verramscht … aber dazu in zwei Wochen sicher mehr. In der Zwischenzeit also holt der ultimative Glücksgriff in Sachen Produktion Evacuate The Dancefloor nochmal ein paar Punkte.

So weit die mehr oder weniger auffälligen Chartbewegungen. Und was gab es erfolgreiches Neues in den CD-Regalen? Mark Medlock und Livingston hab ich schon erwähnt. Etwas weniger umsatzträchtig startet auch DJ Ötzi in die nächste Aprés Ski- und Karneval-Saison. Für dieses mal hat er sich den Mitgröler Sweet Caroline auserkoren und neu eingespielt. Der Titel ist schon seit einer Weile mit dem Nr.1-Album Hotel Engel in Umlauf. Im Original stammt er von niemandem Geringeren als Neil Diamond, der ihn ursprünglich 1969 geschrieben hatte. In den USA und in Großbritannien landete er damit dann auch einen Hit in den jeweiligen Top 10. In Deutschland war der Erfolg dagegen eher bescheiden: Platz 37 im Mai 1971. Trotz dieser mageren kommerziellen Ausbeute, gehört der Titel zu den Klassikern. Im englischsprachigen Raum wurde er von zahlreichen Teams als Hymne bzw. Einlauftitel benutzt. Zahlreiche Künstlern lieferten Neuinterpretationen, DJ Ötzi ist allerdings der erste, welcher dem Titel in Deutschland wieder zu Chartehren verhilft und gleich mal den Erfolg von vor 38 Jahren wiederholt: Sweet Caroline steigt ein auf Platz 37.

Einen Charteintritt ohne CD-Veröffentlichung legen die Pussycat Dolls mit Hush Hush, Hush Hush hin. Es gibt nicht einmal einen Release-Termin als eSingle, lediglich als Albumtrack ist Hush Hush, Hush Hush erhältlich. In Großbritannien, wo die Pussycat Dolls als Superstars durchgehen, gibt es den Titel als CD-version bereits seit 12. August. Allerdings war der Erfolg mit Platz 17 nicht so überzeugend. In Deutschland war bereits die vorhergehende Single Jai Ho! (You Are My destiny) mit Platz 29 nur ein mäßiger Erfolg. Vielleicht auch dieses Ergebnis ein Grund, auf weitere Auskopplungen aus dem Album Doll Domination zu verzichten? Was aber hat nun eigentlich die plötzliche Nachfrage ausgelöst? Die Ankündigung, dass die Pussycat Dolls für die nächste Zeit in eine Pause gehen?

Wirklich aufregende Neuveröffentlichungen sind im Moment eher rar, und vieles von dem, was da schnell ganz nach oben schießt ist dann auch schnell wieder draußen. Das heißt unter anderem aber auch, dass es da ein paar Titel gibt, die sich lange lange Zeit in der Gunst der KäuferInnen halten können. Das Titel ein komplettes Jahr lang ununterbrochen notiert sind wird fast schon zur Normalität. Neuester Anwärter auf diese Leistung ist Peter Fox. Sein Haus am See wird in dieser Woche zum 50. mal hintereinander notiert. Es klettert noch einmal von der 52 auf die 50 und etabliert sich nun wirklich fest in der All-Time-Auswertung der am längsten ununterbrochen notierten Titel. Der letzte Track, der es bis in diese Höhen geschafft hat, war Infinity 2008 vom Guru Josh Project mit 51 Wochen (in dieser Woche von der 69 auf die 74 fallend). Peter Fox wird dieses Ergebnis mit Sicherheit überbieten. Um wieviel, das werden wir in Kürze wissen.

Und damit wären wir in der unteren Hälfte der Charts abgekommen, wo sich noch einige CD-Neuveröffentlichungen vom 25. September platzieren können. Aus seinem Best of-Album Volume (immerhin im Sommer Platz 18 in den Albumcharts) schickt der Berliner DJ Paul van Dyk eine weitere Single ins Rennen. Home ist eine Zusammenarbeit mit Johnny McDaid. Bereits 2003 hatten die beiden einen gemeinsamen Hit namens Time Of Our Lives. Damals war der Sänger allerdings noch mit seiner Band Vega4 unterwegs, weshalb sein Name nun erstmals als offizieller Solo-Act in die Chartbücher eingeht. Time Of Our Lives brachte es 2003 bis zu einem ansehnlichen Platz 14. Mit Home reicht es jetzt allerdings nur noch für Platz 54, das schlechteste Ergebnis für einen Titel von Paul van Dyk in den deutschen Charts. Eventuell ist der van Dyk-Sound nun doch nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit und zu seicht und beiläufig.

Höhe der Zeit, das ist auch das Stichwort für die Single von Bully & Sasha. Zum einen kommt die CD Father And Son mit einiger Verspätung. Der Film Wickie und die starken Männer bereits seit 9. September sehr erfolgreich in den deutschen Kinos, wieso hat man mit der Veröffentlichung des Titels mehr als zwei Wochen gewartet? Und dann ist Father And Son ein waschechter Rockabilly / Rock’n’Roll-Titel. Irgendwie scheint das ja grad eine Mode zu sein, ich denke da nur an The Baseballs (mit Hot N Cold in dieser Woche von der 68 auf die 76 rutschend). Für Sasha ist dieses Genre natürlich nicht ganz so neu. Als Dick Brave and The Backbeats tourte er zwischen 2002 und 2006 durch das Land und konnte mit Take Good Care Of My Baby 2004 sogar einen mittleren Hit landen. – Diese Zeiten sind allerdings gründlich vorbei. Und ich frage mich ohnehin, was mit Sasha und seinen Fans eigentlich passiert ist. Vor zwei Wochen viel On The Run mit Platz 82 grandios durch, obwohl es als Titelmelodie zu „ran“ auf sat.1 Supermedienpräsenz besitzt. Und nun geht Father And Son lediglich auf Platz 64 in die Liste. Zweimal in Folge verpasst Sasha also die obere Hälfte der Charts. Das hat es bisher noch nie gegeben. Kann Sasha nur hoffen, dass die nächste Single – ein Duett mit Maria Mena besser abschneidet.

Das gleiche wird sich vielleicht die Duettpartnerin aus Norwegen auch denken. Nachdem vor ziemlich genau einem Jahr mit All This Time (Pick-Me-Up Song das letzte mal ein Titel neu von Maria Mena in die Charts eintrat, schafft es nun ihre dritte Auskopplung aus dem Cause And Effect-Album doch noch, so etwas wie ein Hit zu werden. Allerdings nur ein ganz ganz kleiner. Es handelt sich dabei um I Was Made For Lovin’ You, ein sehr gefühlvolles und zärtliches Cover des KISS-Klassikers. Diese Version ist allein deshalb schon großartig und bemerkenswert, weil es vom Original so fast gar nichts mehr hat und trotzdem sehr sehr gut funktioniert. Leider reicht das aber nicht, um den Titel richtig groß zu machen (zumindest was den kommerziellen Erfolg angeht). Platz 91 nach Veröffentlichung ist einigermaßen verschenkt. Schade. – Das Original war übrigens gerade in diesem Jahr letztmalig platziert. Genau am 5. Juni stand es auf Platz 98.

Zufrieden kann dagegen Linkin Park-Sänger Chester Bennington im Moment sein. Seine Band punktet mit New Divide in dieser Woche (die 15.) nochmal ganz gut und steigt von 42 auf die 39. Zudem startet auch sein Nebenprojekt Dead By Sunrise mit der Debüt-Single Crawl back In in den Verkauf und kann sich auf der Position 70 breit machen. Gerade erscheint das dazugehörige Album Out Of Ashes. Was soll da noch schief gehen? Stilistisch sind die Unterschiede zwischen den beiden Projekten nicht so arg groß. Dead By Sunrise sind vielleicht ein klein wenig rauer und dreckiger. Die Stimme von Chester Bennington ist aber auch hier deutlich prägend.

Back to the dancefloor. Die dänische Sängerin Ida Corr steht mit I Want You bereit. Nachdem Ride My Tempo im Mai mit Platz 54 knapp die obere Hälfte der Charts verpasst hat, sieht es bei I Want You wesentlich klarer aus. Platz 72 bedeutet, hier kaufen wirklich nur noch Fans. Ist ein schöner Track, aber wohl doch den Vorgängern zu ähnlich. Ich nehme an, wenn sich Ida Corr nicht grundsätzlich neu erfindet, dann war es das schon so ziemlich von ihr.

Mit ordentlich Wiedererkennungseffekt kommt auch die neue Single von Basshunter daher. Every Morning klingt so wie davor I Miss You und davor All I Ever Wanted und davor Now That You’re Gone und davor Boten Anna. Mit den Platzierungen ging es dementsprechend auch immer weiter nach unten. Every Morning startet nur noch auf der 77. Und das Cover zur CD … das ist gleich mal ganz dämlich. An dieser Stelle kann ich nur sagen: siehe die Empfehlung zu Ida Corr.

Fast schon ein Superstar in seiner Heimat Großbritannien ist Dizzee Rascal. Drei Nr.1-Hits in Folge hat er dort innerhalb der letzten 14 Monate gelandet. Und grade startet dort sein neuester Streich Dirtee Cash. So richtig will das Ganze aber noch nicht auf den Kontinent rüberschwappen. Dizzee Rascal ist hier fast noch ein Geheimtipp. Seine Kolaboration mit Calvin Harris und Chrome namens Dance Wiv Me landete im März mit einem Jahr Verspätung auf der 48. Im Juli ging dann Bonkers zusammen mit Armand van Helden auf die 58 und nun steht Holiday an. Wieder ist es eine Colaboration mit Chrome, und wieder hat Calvin Harris produziert. Alles in allem Popmusik auf sehr zeitgemäßem Niveau, nur leider: weder Durchschnittskäufer noch Plattenlabel sind in Deutschland sehr an Innovation interessiert. Das meiste was sich hier verkauft ist eher konventionell bis konservativ. Also bringt es auch das Nonplusultra aus dem Königreich lediglich bis zu Platz 78 hierzulande. Da fehlt wieder mal eine mutige Casting- oder Modellshow, die den Titel einfach so einsetzt als Background, damit das Volk die Coolness des Sounds erkennt.

Der einzige (aber sehr winzige) Trost ist, dass Dizzee Rascal immerhin minimal besser abschneidet als der Super RTL-Kindergarten-Zirkus Cherona. Die Casting-Plastik-Band stellt mittlerweile auch schon ihren dritten Titel vor. Diesmal heißt er Dragonfly. Natürlich ist auch das wieder Gebrauchspopmusik zum wegwerfen. Schon in zwei Wochen wissen wir nichts mehr von dem Titel. Sony Music wird es aber wieder ein paar Euro mehr eingebracht haben. Schön ist es zu sehen, dass für das Projekt bei Single Nr.3 aber nur noch Platz 78 drin ist. Sind sie sicher auch bald weg vom Fenster. Hoffentlich machen die Band-Members danach irgendwas Sinnvolles.

Teenie-Musik, allerdings der wesentlich seriöseren Art, machen die Jonas Brothers. Erfunden und vermarktet vom Disney-Konzern, bringen die drei Jungs sämtliche Mädchen zwischen 11 und 14 völlig durcheinander. Und nachdem sie dann bei der ersten Las vegas-Workshop-Folge der Popstars auch ganz gut medial präsentiert wurden, konnte ja mit der Single Fly With Me gar nichts mehr schief gehen. Dachten sich die Marketing-Verantwortlichen. Aber, ach … Fly With Me bringt es nur auf die 89. Das ist mager. Gut, dass es in ihrer Heimat, den USA, wesentlich besser läuft. Sonst würden sie mit Sicherheit demnächst aufgelöst werden.

Apropos Popstars: auch in dieser Woche gibt es wieder einige Titel, die von der Präsenz in der Pro7-Castingshow profitieren. Da wären zum Beispiel: P!nk mit Funhouse, das noch einmal 4 Plätze gut machen kann und auf der 27 landet, nachdem Agi, Dagmara, Sandra und Julia den Titel sangen. Halo von Beyoncé, dass nach der Performance durch Valentina, Pauline und Vanessa von der 45 auf die 32 steigt. Und sogar The Killers schaffen in ihrer 36. Woche noch einmal sich auf Platz 92 durchzusetzen (letzte Woche 94), nachdem Aytug, Maik, Danny, Harry, Leo und Daniel mit ihrer Performance von Human in der Show aufwarteten. Richtig großartig ist allerdings, dass sogar T.I. (feat. Justin Timberlake) mit ihrem Top 10-Hit Dead And Gone nochmal eine Rückkehr auf Platz 99 schaffen, nachdem sie vor drei Wochen ja bereits hätten notiert werden können. Aber da war der Titel nicht mehr genug im kollektiven Bewusstsein gespeichert. Nun ist er zurück, wenigstens für eine Woche … dank Burim, Andy, Nik, Damien und Marc.

Und damit sind wir nun auch bei den sonstigen Rückkehrern angekommen. In dieser Woche sind’s dann gar nicht so viele. Mit der Veröffentlichung seines neuen Albums Stark steigt auch die Nachfrage nach Howard Carpendales Single Noch immer mittendrin. Ein durchaus seltsamer Effekt … vermutlich wird für den Longplayer eine Menge Werbung gemacht, aber es gibt doch genug Unentschlossene, die erstmal nur ein kleines Häppchen wollen. Und damit geht Noch immer mitten drin nach Platz 71 vor zwei Wochen nun noch einmal auf Platz 97 in die Auswertung.

Und ganz am Ende der deutschen Charts kehrt ein Ex-Nr.1-Hit zurück: James Morrison featuring Nelly Furtado standen mit Broken Strings den kompletten Februar und noch ein klein wenig drüber an der Spitze. Vor drei Monaten war es dann nach 24 notierten Wochen erstmal vorbei, denn da reichten die Verkäufe nur noch für eine Platzierung unterhalb der Position 50. Jetzt ist die Zwangspause vorbei, Broken Strings kehrt noch einmal zurück, wie gesagt auf der Position 100. Und wir können ein leises Ciao flüstern.

2. Januar 2009

Das Jahr 2009 startet gleich mit gehörigen Rekorden. Es gibt zwar keine großen Veränderungen an der Spitze der deutschen Single-Charts, aber Katy Perry hält es eine lockere fünfte Woche mit “Hot N Cold“ ganz oben aus. Und damit haben sich ihre ersten beiden Singles jeweils über einen Monat als umsatzstärkste Titel behaupten können. Um etwas Vergleichbares in den deutschen Charts zu finden, müssen wir ein ganzes Stück in die Vergangenheit gehen. 1977 schaffte das spanische Duo Baccara einen noch erfolgreicheren Karrierestart. Im Juli und August platzierte sich „Yes Sir, I Can Boogie“ 8 Wochen lang auf der 1, und im September folgte für 7 Wochen „Sorry I’m A Lady“. Danach gab es von den Damen zwar noch ein paar mehr oder weniger erfolgreiche Singles, aber wirklich erinnern kann sich daran heute kaum noch jemand.
Seit dem Jahr 2000 gab es bisher nur zwei Acts, denen eine annähernd erfolgreiche Platzierung an der Spitze gelang. The Black Eyed Peas hielten sich mit ihrer zweiten in Deutschland notierten Single und ihrem internationalen Durchbruch “Where Is The Love“ im Jahr 2003 vier Wochen auf der 1 und legten mit “Shut Up“ einen Nachfolger hin, der sogar für 5 Wochen die Spitze blieb. Drei Jahre zuvor war es Big-Brother-Semistar Zlatko, der mit “Ich vermiss dich“ und “Großer Bruder“ jeweils vier Wochen lang der meistverkaufte Titel in Deutschland war. Beim zweiten Hit hatte er allerdings mit „Kollege“ Jürgen Unterstützung zur Seite.

Die weiteren Plätze bringen Bekanntes: Polarkreis 18 stehen mit “Allein Allein“ nach wie vor auf der 2 und P!nk verbringt mit “Sober“ nun auch schon ihre dritte Woche auf Position 3. Beyoncé klettert mit “If I Were A Boy“ noch mal 4 Plätze auf die 6 und auch Bushido feat. Karel Gott schafft es mit “Für immer jung“ wieder zurück unter die großen 10 und steht diese Woche auf Platz 8.

Die Gewinner der Woche sind mit einem TV-Ereignis assoziiert, welches kurz vor Weihnachten die Mediengemeinde faszinierte. Die Popstars lieferten am 18.12. ihr Finale auf Pro7, nicht ohne Kritik an der nervtötenden Verkommerzialisierung. Im Grunde war es eine Dauerwerbesendung, aber was solls: kaum weg vom Bildschirm, gingen die Fans in die CD-Läden und Online-Shops, um sich ihre Lieblinge per Musik zuzulegen. Der Weihnachtssong der Popstars “I Believe In Xmas“ (und gleichzeitig auch Charity-Single) klettert nochmal von der 21 auf die 14 und erreicht eine neue Bestplatzierung. Allerdings darf man bei all den Erfolgsmeldungen nicht übersehen, dass Popstars-Produkt Queensberry mit ihrem vor Weihnachten lancierten Album die Nr.1 der Albumcharts klar verpassen. Nach dem Room 2012-Desaster im vergangenen Jahr geht es also auch mit der reinen Girlgroup nicht wirklich nach vorn, obwohl sich weibliche Bands angeblich besser vermarkten lassen. Es scheint, dass sich hier ein Konzept allmählich totläuft und eventuell sieht das Format Popstars 2009 ganz anders aus.

Vom Popstars-Finale profitiert auch Maria Mena. In der diesjährigen Saison war ihr Titel “Just Hold Me“ sie von einigen Kandidatinnen zum Castung vorgetragen worden, woraufhin auch Platzierungen in der Verkaufsliste folgten. Zum Finale war sie dann persönlich eingeladen und sang ein Medley aus ihren beiden größten Hits, eben “Just Hold Me“ und “All This Time (Pick-Me-Up Song)“. Und prompt gehen beide Titel im Verkauf nach oben. “All This Time (Pick-Me-Up Song)“ schafft es in der 14. Woche von der 42 auf die 15 und verbessert seine Bestplatzierung um einen Rang. “Just Hold Me“ legt auf der 42 einen Wiedereinstieg in der insgesamt 43. Woche hin und ist damit sogar der beste Einstieg der Woche.

Auch Popstar-Juror Sido hatte seinen Auftritt beim Finale. An der Seite seiner Freundin Doreen – 2004 Finalistin bei der Show und Bandmember von Nu Pagadi – performte er aus seinem Album „Ich & meine Maske“ den Titel “Nein!“. Tja, und prompt steigt auch dieser Titel dank verstärkter Einzeldownloads ein. Platz 61 ist das Ergebnis – wie immer etwas verzerrt, da media control mit den Charts die Umsätze misst, nicht die gekaufte Anzahl der Tracks.

Ein kurzer Absatz soll in dieser Woche auch den Weihnachtssongs gehören. Schließlich sind sie in der vorliegenden Liste unter Garantie letztmalig für diese Saison notiert. Der Auswertungszeitraum für diese Charts war der 19.-25. Dezember, also die Hochzeit für Christmas- und Snow-Titel. Auffällig ist, dass in diesem Jahr die Platzierungen weit unter denen des Vorjahres zurück bleiben. Zum Jahresbeginn 2008 hatte Wham! mit “Last Christmas“ zum Beispiel die Sensation geschafft, die Originalplatzierung bei seinem Erscheinen durch einen Sprung auf Platz 4 zu übertrumpfen. In diesem Jahr reicht es gerade noch für Rang 16. Auch Melanie Thornton schafft mit “Wonderful Dream (Holidays Are Coming)“ noch den Sprung in die Top 20 (von 24 auf 17), vor einem Jahr war es noch die 14.
Es scheint so, als würde James Masterton recht behalten mit seiner Prophezeiung, die alljährlichen Höhenflüge der Saisonhits seien vorüber. Eine Begründung dafür gibt er in seinem Kommentar gleich dazu: die Verkäufe von Singles/Tracks sind in Großbritannien so hoch wie seit Ende des Jahrtausends nicht mehr. Warum soll das in Deutschland anders sein?

Was in der oberen Charthälfte allmählich vorbei zu sein scheint, gilt nicht unbedingt für die untere. Bing Crosby schafft etwa mit “White Christmas“ den Sprung von der 68 auf die 53 und bringt damit den Weihnachtsklassiker von 1942 auf die höchste jemals erreichte Position.
Und auch Sarah Connor kann ihr “Christmas In My Heart“ noch mal neu auf der 88 platzieren. Auf der 86 steht sie derweil schon mit “The Best Side Of Life“. Sie ist damit die einzige Künstlerin, die es mit zwei Weihnachtstiteln in die Liste schafft.
Ganz unten auf der 100 schafft Dean Martin mit “Rudolph The Red Nosed Reindeer“ den Charteinstand. Für Rudolph ist es der erste Aufenthalt in den deutschen Charts überhaupt. Dean Martin hat nach “Let It Snow! Let It Snow!“ im letzten Jahr mittlerweile seinen 4. Charthit in Deutschland. Wenn er so weiter macht und in jedem Jahr einen anderen Klassiker platzieren kann, dann gehört er wohl bald zu den Künstlern mit den meisten Kurzzeit-Hits.

Weihnachten übt neben den gerade abgehandelten Songs aber auch noch einen anderen spürbaren Einfluss auf die Charts aus. Den iPod-Loading-Effekt. Zu erkennen an dem Aufwind, den einige ältere Titel in dieser Woche noch einmal erhalten. Katy Perry kann beispielsweise mit “I Kissed A Girl“ nochmal fünf Plätze auf die 22 klettern. Oder auch “Viva La Vida“ von Coldplay geht von der 44 auf die 39. Einen Wiedereinstieg auf der 89 verbucht dagegen Stefanie Heinzmann mit “My Man Is A Mean Man“, Silbermond sind auf der 91 mit “Das Beste“ zum 59. mal platziert, Amy Winehouse steht mit “Back To Black“ wieder auf der 94, The White Stripes stehen mit “7 Nation Army“ auf der 97 und The Ting Tings kehren mit “That’s Not My Name“ auch nochmal zurück auf die 99.
Zu erklären ist das damit, dass unter dem Weihnachtsbaum offensichtlich auch zahlreiche iPods und mp3-Player lagen, die sofort gefüllt werden müssen. Und natürlich ist da der erste Griff zu den Hits des Jahres und ähnlichen Klassikern.

Neue Titel gibt es nicht allzu viele in dieser Woche. Der Freitag vor Weihnachten scheint den meisten Firmen zu heikel, um neues Material zu etablieren. Und wahrscheinlich wird sich dieser Trand auch in der kommenden Woche fortsetzen, denn eine Erstveröffentlichung am 29.12. – das kann ich mir nur schlecht vorstellen.
Die erfolgreichste neue Nummer der Woche war vor sieben Tagen schon als Download-Titel platziert. Nun schaffen die New Kids On The Block mit der regulären CD-Veröffentlichung den Sprung in die obere Hälfte. “Dirty Dancing“ geht von der 92 auf die 44 und übertrumpft damit den Vorgänger “Summertime“ um ganze 11 Plätze. Die New Kids On The Block gelten zwar international als DAS Boygroup-Vorbild, in Deutschland hielt sich ihr Erfolg jedoch in Grenzen. So gesehen ist die Platzierung der neuen Single gar kein schlechtes Comeback.

Der höchste echte Neueinsteiger kommt auf der 59 mit Miley Cyrus und ihrer Single „See You Again“. Der Titel war bereits Ende 2007 in Amerika erschienen. Nach dem Erfolg des Albums „Breakout“ wurde nun also “See You Again“ auch in Deutschland als 2-Track-Single veröffentlicht. Und immerhin geht es damit für den derzeit bestverdienenden Teen-Star ein zweites mal in die deutschen Single-Charts.

Ebenfalls neu dabei ist Basshunter. Mit Platz 70 für “I Miss You“ gibt er sein bislang schlechtestes Chartdebüt.
Die 74 geht neu an Howard Carpendale. “Yes We Can“ ist die dritte Single nach dem Comeback des Schlagerstars aus Südafrika und mit der Platzierung in 2009 auch das dritte Jahre in Folge, in dem sich der Chart-Veteran mindestens einmal platzieren kann. Platz 74 überholt den Vorgänger vom vergangenen März um 3 Plätze.

Ganz am Ende steigt nach 5 Jahren der Abstinenz ABBA wieder mal ein. Nach dem Erfolg des Films “Mamma Mia“ war es verwunderlich, dass nicht schon etliche Ohrwürmer die unteren Chartplätze besetzt haben. Aber es brauchte doch erst den Jahreswechsel, um einen Klassiker der Popgruppe aus Schweden wieder zurück ins Gedächtnis zu bringen. “Happy New Year“ war ursprünglich nicht als Singletrack geplant. Irgendjemand hatte 1999 dann aber doch beschlossen, den Titel solo zu veröffentlichen. und so konnte er sich dann auch ganze drei Wochen lang platzieren mit Höchstnotierung 78. In dieser Woche kehrt der Track zurück auf der 96. Und ich kann mich dem nur anschließen: ein schönes 2009!