2. Januar 2009

Das Jahr 2009 startet gleich mit gehörigen Rekorden. Es gibt zwar keine großen Veränderungen an der Spitze der deutschen Single-Charts, aber Katy Perry hält es eine lockere fünfte Woche mit “Hot N Cold“ ganz oben aus. Und damit haben sich ihre ersten beiden Singles jeweils über einen Monat als umsatzstärkste Titel behaupten können. Um etwas Vergleichbares in den deutschen Charts zu finden, müssen wir ein ganzes Stück in die Vergangenheit gehen. 1977 schaffte das spanische Duo Baccara einen noch erfolgreicheren Karrierestart. Im Juli und August platzierte sich „Yes Sir, I Can Boogie“ 8 Wochen lang auf der 1, und im September folgte für 7 Wochen „Sorry I’m A Lady“. Danach gab es von den Damen zwar noch ein paar mehr oder weniger erfolgreiche Singles, aber wirklich erinnern kann sich daran heute kaum noch jemand.
Seit dem Jahr 2000 gab es bisher nur zwei Acts, denen eine annähernd erfolgreiche Platzierung an der Spitze gelang. The Black Eyed Peas hielten sich mit ihrer zweiten in Deutschland notierten Single und ihrem internationalen Durchbruch “Where Is The Love“ im Jahr 2003 vier Wochen auf der 1 und legten mit “Shut Up“ einen Nachfolger hin, der sogar für 5 Wochen die Spitze blieb. Drei Jahre zuvor war es Big-Brother-Semistar Zlatko, der mit “Ich vermiss dich“ und “Großer Bruder“ jeweils vier Wochen lang der meistverkaufte Titel in Deutschland war. Beim zweiten Hit hatte er allerdings mit „Kollege“ Jürgen Unterstützung zur Seite.

Die weiteren Plätze bringen Bekanntes: Polarkreis 18 stehen mit “Allein Allein“ nach wie vor auf der 2 und P!nk verbringt mit “Sober“ nun auch schon ihre dritte Woche auf Position 3. Beyoncé klettert mit “If I Were A Boy“ noch mal 4 Plätze auf die 6 und auch Bushido feat. Karel Gott schafft es mit “Für immer jung“ wieder zurück unter die großen 10 und steht diese Woche auf Platz 8.

Die Gewinner der Woche sind mit einem TV-Ereignis assoziiert, welches kurz vor Weihnachten die Mediengemeinde faszinierte. Die Popstars lieferten am 18.12. ihr Finale auf Pro7, nicht ohne Kritik an der nervtötenden Verkommerzialisierung. Im Grunde war es eine Dauerwerbesendung, aber was solls: kaum weg vom Bildschirm, gingen die Fans in die CD-Läden und Online-Shops, um sich ihre Lieblinge per Musik zuzulegen. Der Weihnachtssong der Popstars “I Believe In Xmas“ (und gleichzeitig auch Charity-Single) klettert nochmal von der 21 auf die 14 und erreicht eine neue Bestplatzierung. Allerdings darf man bei all den Erfolgsmeldungen nicht übersehen, dass Popstars-Produkt Queensberry mit ihrem vor Weihnachten lancierten Album die Nr.1 der Albumcharts klar verpassen. Nach dem Room 2012-Desaster im vergangenen Jahr geht es also auch mit der reinen Girlgroup nicht wirklich nach vorn, obwohl sich weibliche Bands angeblich besser vermarkten lassen. Es scheint, dass sich hier ein Konzept allmählich totläuft und eventuell sieht das Format Popstars 2009 ganz anders aus.

Vom Popstars-Finale profitiert auch Maria Mena. In der diesjährigen Saison war ihr Titel “Just Hold Me“ sie von einigen Kandidatinnen zum Castung vorgetragen worden, woraufhin auch Platzierungen in der Verkaufsliste folgten. Zum Finale war sie dann persönlich eingeladen und sang ein Medley aus ihren beiden größten Hits, eben “Just Hold Me“ und “All This Time (Pick-Me-Up Song)“. Und prompt gehen beide Titel im Verkauf nach oben. “All This Time (Pick-Me-Up Song)“ schafft es in der 14. Woche von der 42 auf die 15 und verbessert seine Bestplatzierung um einen Rang. “Just Hold Me“ legt auf der 42 einen Wiedereinstieg in der insgesamt 43. Woche hin und ist damit sogar der beste Einstieg der Woche.

Auch Popstar-Juror Sido hatte seinen Auftritt beim Finale. An der Seite seiner Freundin Doreen – 2004 Finalistin bei der Show und Bandmember von Nu Pagadi – performte er aus seinem Album „Ich & meine Maske“ den Titel “Nein!“. Tja, und prompt steigt auch dieser Titel dank verstärkter Einzeldownloads ein. Platz 61 ist das Ergebnis – wie immer etwas verzerrt, da media control mit den Charts die Umsätze misst, nicht die gekaufte Anzahl der Tracks.

Ein kurzer Absatz soll in dieser Woche auch den Weihnachtssongs gehören. Schließlich sind sie in der vorliegenden Liste unter Garantie letztmalig für diese Saison notiert. Der Auswertungszeitraum für diese Charts war der 19.-25. Dezember, also die Hochzeit für Christmas- und Snow-Titel. Auffällig ist, dass in diesem Jahr die Platzierungen weit unter denen des Vorjahres zurück bleiben. Zum Jahresbeginn 2008 hatte Wham! mit “Last Christmas“ zum Beispiel die Sensation geschafft, die Originalplatzierung bei seinem Erscheinen durch einen Sprung auf Platz 4 zu übertrumpfen. In diesem Jahr reicht es gerade noch für Rang 16. Auch Melanie Thornton schafft mit “Wonderful Dream (Holidays Are Coming)“ noch den Sprung in die Top 20 (von 24 auf 17), vor einem Jahr war es noch die 14.
Es scheint so, als würde James Masterton recht behalten mit seiner Prophezeiung, die alljährlichen Höhenflüge der Saisonhits seien vorüber. Eine Begründung dafür gibt er in seinem Kommentar gleich dazu: die Verkäufe von Singles/Tracks sind in Großbritannien so hoch wie seit Ende des Jahrtausends nicht mehr. Warum soll das in Deutschland anders sein?

Was in der oberen Charthälfte allmählich vorbei zu sein scheint, gilt nicht unbedingt für die untere. Bing Crosby schafft etwa mit “White Christmas“ den Sprung von der 68 auf die 53 und bringt damit den Weihnachtsklassiker von 1942 auf die höchste jemals erreichte Position.
Und auch Sarah Connor kann ihr “Christmas In My Heart“ noch mal neu auf der 88 platzieren. Auf der 86 steht sie derweil schon mit “The Best Side Of Life“. Sie ist damit die einzige Künstlerin, die es mit zwei Weihnachtstiteln in die Liste schafft.
Ganz unten auf der 100 schafft Dean Martin mit “Rudolph The Red Nosed Reindeer“ den Charteinstand. Für Rudolph ist es der erste Aufenthalt in den deutschen Charts überhaupt. Dean Martin hat nach “Let It Snow! Let It Snow!“ im letzten Jahr mittlerweile seinen 4. Charthit in Deutschland. Wenn er so weiter macht und in jedem Jahr einen anderen Klassiker platzieren kann, dann gehört er wohl bald zu den Künstlern mit den meisten Kurzzeit-Hits.

Weihnachten übt neben den gerade abgehandelten Songs aber auch noch einen anderen spürbaren Einfluss auf die Charts aus. Den iPod-Loading-Effekt. Zu erkennen an dem Aufwind, den einige ältere Titel in dieser Woche noch einmal erhalten. Katy Perry kann beispielsweise mit “I Kissed A Girl“ nochmal fünf Plätze auf die 22 klettern. Oder auch “Viva La Vida“ von Coldplay geht von der 44 auf die 39. Einen Wiedereinstieg auf der 89 verbucht dagegen Stefanie Heinzmann mit “My Man Is A Mean Man“, Silbermond sind auf der 91 mit “Das Beste“ zum 59. mal platziert, Amy Winehouse steht mit “Back To Black“ wieder auf der 94, The White Stripes stehen mit “7 Nation Army“ auf der 97 und The Ting Tings kehren mit “That’s Not My Name“ auch nochmal zurück auf die 99.
Zu erklären ist das damit, dass unter dem Weihnachtsbaum offensichtlich auch zahlreiche iPods und mp3-Player lagen, die sofort gefüllt werden müssen. Und natürlich ist da der erste Griff zu den Hits des Jahres und ähnlichen Klassikern.

Neue Titel gibt es nicht allzu viele in dieser Woche. Der Freitag vor Weihnachten scheint den meisten Firmen zu heikel, um neues Material zu etablieren. Und wahrscheinlich wird sich dieser Trand auch in der kommenden Woche fortsetzen, denn eine Erstveröffentlichung am 29.12. – das kann ich mir nur schlecht vorstellen.
Die erfolgreichste neue Nummer der Woche war vor sieben Tagen schon als Download-Titel platziert. Nun schaffen die New Kids On The Block mit der regulären CD-Veröffentlichung den Sprung in die obere Hälfte. “Dirty Dancing“ geht von der 92 auf die 44 und übertrumpft damit den Vorgänger “Summertime“ um ganze 11 Plätze. Die New Kids On The Block gelten zwar international als DAS Boygroup-Vorbild, in Deutschland hielt sich ihr Erfolg jedoch in Grenzen. So gesehen ist die Platzierung der neuen Single gar kein schlechtes Comeback.

Der höchste echte Neueinsteiger kommt auf der 59 mit Miley Cyrus und ihrer Single „See You Again“. Der Titel war bereits Ende 2007 in Amerika erschienen. Nach dem Erfolg des Albums „Breakout“ wurde nun also “See You Again“ auch in Deutschland als 2-Track-Single veröffentlicht. Und immerhin geht es damit für den derzeit bestverdienenden Teen-Star ein zweites mal in die deutschen Single-Charts.

Ebenfalls neu dabei ist Basshunter. Mit Platz 70 für “I Miss You“ gibt er sein bislang schlechtestes Chartdebüt.
Die 74 geht neu an Howard Carpendale. “Yes We Can“ ist die dritte Single nach dem Comeback des Schlagerstars aus Südafrika und mit der Platzierung in 2009 auch das dritte Jahre in Folge, in dem sich der Chart-Veteran mindestens einmal platzieren kann. Platz 74 überholt den Vorgänger vom vergangenen März um 3 Plätze.

Ganz am Ende steigt nach 5 Jahren der Abstinenz ABBA wieder mal ein. Nach dem Erfolg des Films “Mamma Mia“ war es verwunderlich, dass nicht schon etliche Ohrwürmer die unteren Chartplätze besetzt haben. Aber es brauchte doch erst den Jahreswechsel, um einen Klassiker der Popgruppe aus Schweden wieder zurück ins Gedächtnis zu bringen. “Happy New Year“ war ursprünglich nicht als Singletrack geplant. Irgendjemand hatte 1999 dann aber doch beschlossen, den Titel solo zu veröffentlichen. und so konnte er sich dann auch ganze drei Wochen lang platzieren mit Höchstnotierung 78. In dieser Woche kehrt der Track zurück auf der 96. Und ich kann mich dem nur anschließen: ein schönes 2009!