Keine neuen CDs - und sonst?

Is' natürlich ein wenig harsch formuliert. Allerdings: eine Woche mit lediglich sechs New Entries (2 davon sogar Wiedereinsteiger), das ist wirklich nicht berauschend und für dieses Jahr sogar die statischste Liste. Selbst in der ersten Januarwoche, die traditionell nicht so arg durcheinander gewirbelt wird, gab es mehr Bewegung.

Also: werfen wir einen Blick auf das, was da vielleicht schon ein paar Tage alt ist. Wie zum Beispiel Selena Gomez & The Scene. Vor zwei Wochen debütierte Disney-Star mit dem Titel Naturally auf der 20. Das schien dann irgendwie ein Strohfeuer zu sein, wie so einiges was da in den Disney-Fernsehserien produziert wird: gezielt auf einen Fanmarkt produziert, deshalb bei Erscheinen auch ganz gut gefragt, und dann aber ziemlich schnell wieder weg. Nichts von Dauer. In gewisser Weise auch Fast Food-Music (auch wenn bei Disney das Ganze sogar noch ziemlich authentisch rüberkommt). So ging's also auch für Selena Gomez & The Scene nach dem Start ziemlich schnell abwärts. Allerdings: dann erschien am 23. April das Album Kiss & Tell, welches sogar ganz gut startete. In der aktuellen Liste von media control wird es auf Platz 20 gelistet – der Effekt, bereits bekannt, auch die Single kann nochmal punkten, in diesem Fall sogar ordentlich: Naturally legt komplette 13 Plätze zu und landet auf Platz 14. Und jetzt höre ich mir den Titel also schon zum sechsten mal an und muss sagen, doch, das ist schon ganz eingängiger Pop. Nicht wahnsinnig innovativ und überraschend, aber hey, hier geht es um den Alltagshit. Und den legt Selena Gomez doch ziemlich überzeugend hin. Ob es wie in Großbritannien dann auch hierzulande noch reichen wird, um die Top 10 zu entern … naja, da zweifel ich ein wenig.

Wer jetzt noch mehr über Selena Gomez wissen will: hier wäre der wikipedia-Eintrag und das ist die offizielle Seite.

Soll ich noch was zu NENA schreiben? Hab ich nicht schon alles zum aktuellen Stand gesagt? – Einzige große Neuigkeit: Am 25. April gab es doch wirklich Gold für das Album Made In Germany. Nun kann man ja über einige ihrer Titel auf dem aktuellen Album auch sehr geteilter Meinung sein. Muss man wirklich stolz drauf sein, aus Deutschland zu kommen? Oder besser: worin besteht denn dieser stolz hier oder da geboren zu sein? Ist doch eigentlich nur ne Ortskonstante zu der ich erstnmal gar nichts beigetragen habe. ich mein, würd ich jemals sagen: "Ich bin stolz im Wald geboren worden zu sein?" – Also das ist dann nochmal ne andere Geschichte. Und das mit dem Nationalstolz geht ja sowieso jetzt erst wieder richtig los.

Was ich eigentlich los werden wollte: Ihr aktueller Song In meinem Leben enthält durchaus klasse Passagen "Ich hab viel gelebt und geweint … und Drogen nehm' ich auch …". Das gefällt mir schon allein deshalb, weil es mal ein bisschen von dieser krassen Ordnungs-Hysterie weg geht, die allerorten herrscht. Obwohl das öffentliche Bekenntnis, "Hallo, ich nehme Drogen!" ja auch nicht soooo wahnsinnig viel Mut verlangt. Oder etwa doch? Könnten wir jetzt lang drüber diskutieren, warum eine 50jährige NENA so etwas sagt? Weil ihr als quasi Nationalheiligtum sowieso niemand mehr irgendwas kann? Ich glaubs ihr jedenfalls und find es wesentlich besser als diese total verkoksten Nasen, die alles abstreiten was irgendwie nach Genuss aussehen könnte.

Und was war der Anlass für diesen Exkurs? Richtig: NENA steht mit In meinem Leben immer noch/mal wieder in den deutschen Top 20, ermittelt von media control. Und was daran nett ist: seit dieser Woche hat sie auf eine längere Chartkarriere zu verweisen als Depeche Mode, nämlich auf genau 27 Jahre und 239 Tage. Aber was heisst das schon: Udo Jürgens, der ja auch kürzlich erst wieder Hit-Ehren feiern durfte, wird schon seit mehr als 50 Jahren notiert.


Zu den etwas langsamer wachsenden bzw. anhaltenden Hits gehört auch Monday Morning von der Kanadierin Melanie Fiona. Hinter diesem Titel verbirgt sich allerdings noch eine komplett andere Geschichte: Im letzten September hatte sie ihr Debut mit der Single Give It To Me Right samt anschließender Albumveröffentlichung. Das verlief in Deutschland mehr oder weniger erfolgreich (Platz 31 für die Single, Platz 35 für's Album). Also ließ ihr Label in Deutschland UNIVERSAL die Dame mehr oder weniger fallen – ihre Homepage ist seit Dezember 2009 verwaist und Monday Morning ist als Single gleich gar nicht erschienen. In der Schweiz (und mit etwas Verspätung auch in Österreich) mutierte aber genau jenes Monday Morning zum absoluten Hit: Platz 1 in CH, Platz 3 in D – und so schwappt es mehr oder weniger auch nach Deutschland rüber, unterstützt von der Europa-Tour der Künstlerin. In der letzten Woche stand also Monday Mornung plötzlich auf Platz 55 der Charts - erwerbbar nur in digitaler Form – und in dieser Woche geht es noch ein wenig höher: Platz 48. Das Label … schläft derweil weiter. Nirgendwo eine Ankündigung, dass der Titel demnächst auf CD erscheint oder auch nur etwas anderes. Jetzt hege ich schon fast ein wenig den Verdacht, dass sich Melanie Fiona vielleicht selbständig gemacht hat und eventuell sogar das Label gewechselt hat. Wer weiß … Wie auch immer: hier scheint ein kommender Hit zu wachsen, ganz organisch, ganz von unten, übrigens mit tatsächlichem Ohrwurmcharakter, einfach mal reinhören und ich kann irgendwie nicht anders als an dieser Stelle noch einmal zu betonen: Hey ihr Labelmanager, wo ist denn euer so viel beschworener Aktionismus um junge Stars aufzubauen? Videos auf youtube sperren ist nicht euer Geschäft! Kümmert euch doch mal darum, dass Menschen tatsächlich auch die Songs (legal) erwerben können, die sie durch youtube etc. lieben gelernt haben …

Schluss der Polemik!

Noch ein Hit, der erstmal Anlauf brauchte und dann auch noch gehörig mediale Unterstützung. Die Rede ist von den Bodybangers, die bislang vor allem durch Remix-Arbeiten aufgetreten sind. Nebenher haben die beiden Jungs auch den einen oder anderen Pophit in ein neues Gewand geworfen, letztes Ding war das Cover von Olivia Newton-Johns Hit Physical, der es 1981 in Deutschland bis Platz 4 brachte und für die Lady der letzte Hit hierzulande war. Die Dancefloor-Variante der Bodybangers erschien bereits im letzten Oktober … hat es aber irgendwie nicht zum ganz großen Burner gebracht bis die Musikmanager der Topmodel-Show zugriffen und den Track auf ihre Compilation packten (und natürlich auch in der Show einsetzten). So schnupperte Bodytalk vor zwei Wochen schon mal kurz in die Charts und kehrt jetzt doch mit etwas mehr Power zurück: Platz 73 ist zwar immer noch nicht das, was da wirklich drin ist, aber eben – der wirkliche Sellout startet wohl grade erst.