New Stuff

Neues gibt es zum Beispiel von gentleman. Seit diesem Jahr ist er nicht mehr bei 4music sondern bei einem Major-Label. Die erste Scheibe dort trägt den Titel Diversity (seit heute im Handel), daraus gibt es seit 14 Tagen die Single it no pretty. Offensichtlich hat sich der Wechsel für Gentleman gelohnt, denn auch wenn Gentleman das vielleicht nicht so sagen würde, aber It no pretty startet in der ersten Woche auf Platz 25 und bringt ihm die höchste Platzierung seit fünf Jahren. Würde ich an dieser Stelle sagen: Verkauf und Umsatz ist eben doch eine relevante Größe.

Der Titel selber ist gewohnter Stuff, ein bisschen arg jammerig find ichs schon. Erinnert mich dann an Konsorten wie Xavier Naidoo – nicht meine Lieblingssparte. Aber macht euch doch selbst ein Bild davon, wie Gentleman nach zwei Jahren Chartabstinenz aktuell klingt.


Die sage und schreibe sechste Auskopplung aus dem Album Funhouse legt P!NK mit "Bad Influence!" vor. Natürlich ist nach solch einer Ausschlachtung nicht mehr der Super-Chartburner zu erwarten. Platz 26 in der ersten Woche nach Veröffentlichung geht dabei völlig in Ordnung. … Aber irgendwie hab ich grad das Gefühl, das der Titel wesentlich sanfter ist als die anderen auf dem Album. Hat schon fast etwas … hmmm, wie soll man sagen: chansonhaftes? Vielleicht. Auch hier: hört's euch selber an!

Der noch aktuelle Superstar Daniel Schuhmacher arbeitet fleißig an seinem zweiten (und damit ersten eigenen) Album. Deshalb zieht er durch die Einkaufszentren dieses Landes, hat jetzt auch seine eigene myspace-Seite und legt mit If It's Live die nächste Single vor. Nach eigenen Angaben ist er recht froh, dass es diesmal keine Ballade ist – aber so richtig der Kracher ist es auch wieder nicht. Da bleibt Daniel Schuhmacher dann doch er selbst, was ja auch gar nicht schlecht sein muss. Schlecht auf jeden Fall ist wohl der Deal mit seiner Plattenfirma, denn If It's Love läuft zwar auf VIVA etc., auf den bekannten Videoplattformen im Netz ist es aber nicht zu finden, bzw. sogar gesperrt. UNIVERSAL lässt die Muskeln spielen und versucht möglichst viel Geld aus der Verwertung seiner Künstler zu pressen, auf Kosten der Artists. Denn Platz 30 für eine bisher nirgendwo veröffentlichte Single in der ersten Verkaufswoche ist für Daniel Schuhmacher nicht besonders toll. Das sind dann erstmal nicht so ganz rosige Aussichten für das anstehende Album Nothing To Lose. Ich erinnere nur mal an das Desaster der letzten Tokio Hotel-Scheibe … da ging es ja auch mit den Verkäufen erst so richtig los, als die Videos dann doch freigeschaltet waren … Hmmm, warten wir mal ab, wer hier den längeren Arm hat.

Komplett neu im Business ist Jan Sievers. Sein Titel Die Suche überzeugt mich vor allem durch ein absolut straightes Video. Da sitzt man so nichtsahnend vorm Computer und zappt sich durch das bunte Geflimmer, und plötzlich steht da dieser junge Mann, unaufgeregt und ohne viel Firlefanz, singt sein Lied bebildert mit Typen … das ist schon fast ungewöhnlich. So viel Straightness ebnet ihm den Weg in die Charts: Platz 48 in der ersten Woche nach Veröffentlichung der CD. Informationen gibs noch nicht so viele, gerade mal seine personal homepage gibt ein bisschen Auskunft. Mal schauen, was da noch so kommt.

Noch weniger Informationen gibt es zum Artist, der in dieser Woche auf der 58 der media control-Charts gelistet wird. Jasper Forks ist der Name und auf der Seite DJTop100.de wird die fleißig von Label KONTOR gestreute Legende wiederholt, dass es sich hier um einen 21jährigen DJ handeln soll. Hmmm … mag sein. Was sicher ausgedacht ist, ist zumindest der Name, denn wenn wir diesen samt Tracktitel River Flows In You zusammen zählen, dann ist jedem halbwegs Teenager-Gebliebenen klar, dass wir uns ganz tief im Dickicht der Twilight-Saga befinden: Forks ist der Handlungsort und Jasper (Hale) gehört dem Cullen-Zirkel an. Insofern haben wir es mit dem vorliegenden Track mit einem astreinen Vegetarier-Vampir-Mix zu tun. Die Melodie dürfte Kinogängern mehr als bekannt sein. Ursprünglich war River Flows In Meals Titelmelodie vorgesehen, dann entschied man sich aber doch anders. Trotzdem brachte es die Piano-Melodie zu einiger Popularität und KONTOR war nun am schnellsten, um sich die Rechte zu sichern. Ergebnis ist ein klassischer Dreamhouse-Track, ein Genre, welches ich ja schon einige Jahre lang für tot gehalten habe. Ich mein, erinnert sich noch jemand an Robert Miles? 1996 hatte er gleich drei Top 10-HIts und landete mit Children einen europaweiten Nr.1-Hit. Zu der Zeit – also vor gut 14 Jahren – war es wohl auch das Non plus Ultra, mittlerweile ist allerdings eine ganze Menge Zeit ins Land gegangen und ich frag mich schon, was so ein DJ samt Label umtreibt, dieses Genre wiederzubeleben. Ich nehme an, sowohl Produzent als auch Zielgruppe waren zum Zeitpunkt der Welle noch nicht richtig aufnahmefähig, weshalb für sie der Sound extrem neu und frisch klingt. Naja, das ist ja dann auch ok. Entdecken wir die Musikgeschichte halt auf diese Weise. Deutlich wird allerdings mit so einer Veröffentlichung, dass es weder KONTOR noch den Machern der Twilight-Filme wirklich um innovative und zeitgemäße Ausdrucksformen geht. Schade eigentlich.

Und auch bei Katherine Jenkins können wir das Thema Modernität noch einmal abhandeln. Die Mezzosopranistin ist die derzeit bestverdienende Klassik-Interpretin und wird gern gefeiert als mutigste Grenzüberschreiterin. Ihr frisches Album Believe versammelt nämlich einmal mehr vor allem Neuinterpretationen bekannter Pop- und Rockhits. Das ist mal grundsätzlich sehr spannend. Als ich dann aber die Singleauskopplung Bring Me To Life gehört habe, war ich mir plötzlich doch nicht mehr so sicher, wie großartig dieser Crossover ist. Ich muss zugeben, dass ich den Hit von Evanescence aus dem Jahr 2003, der es in Deutschland immerhin bis auf Platz 2 brachte, nie wirklich mochte. Warum auch immer. Im Vergleich mit der sanft-süßen Version von Katherine Jenkins kommen die Qualitäten des Originals allerdings deutlich zum Vorschein. Da steckt doch eine Menge Kraft und Emotion dahinter. Bei Katherine Jenkins klingt das viel beschaulich-schöner und steigert sich am Ende in ein überzogen opernhaftes Drama … wobei Drama an dieser Stelle glaubwürdiger klingt, als es die Interpretation für mich ist. Katherine Jenkins schenkt Bring Me To Life mit ihrer Variante eine Künstlichkeit, die es auch etwas belangloser macht. Das ist schade. – Und ich wage an dieser Stelle zu behaupten, dass der Trend im Moment eigentlich gerade in die andere Richtung geht: weniger Inszenierung, mehr Authentizität. – Nun, für Katherine Jenkins reicht es immerhin, sich erstmals in den deutschen Charts zu platzieren. Die Single steigt ein auf Rang 66, das Album Believe steht sogar auf Platz 36.