20. Februar 2009

Immer noch nichts Neues auf den ersten beiden Plätzen. James Morrison featuring Nelly Furtado verbringen mit Broken Strings eine vierte Woche an der Spitze, gefolgt von Mando Diao mit Dance With Somebody. Wie vor einem Jahr ist es zum Jahresanfang gemächlich und ausgewogen. Vor 12 Monaten waren die Gewinner Timbaland presents OneRepublic, die sich 8 Wochen mit Apologize behaupten konnten, gefolgt von Leona LewisBleeding Love, welches vier Wochen an der Spitze saß, und erst durch Schnuffel mit dem Kuschel Song abgelöst wurde, das wiederum ganze acht Wochen lang Deutschland im Koma hielt.
Für James Morrison war es in dieser Woche spannend. Für die Brit Awards war er in der Kategorie „Best British Male Solo Artist“ nominiert. Und am Mittwoch hieß es dann … naja, leider doch nicht James Morrison sondern Paul Weller. Aber nominiert gewesen zu sein, ist ja auch schon nicht schlecht.
Nelly Furtado kann jetzt auf insgesamt 10 Wochen als Nr.1-Act blicken. Auch nicht so schlecht.

Noch einmal zurück auf die 3 kehrt Katy Perry mit Hot N Cold. Offensichtlich ist der Charme der Amerikanerin noch lange nicht verbraucht. Oder sind es die unzähligen Gerüchte und Vermutungen, wer jetzt mit ihr zusammen ist, die den Verkauf am Laufen halten? Am Samstag, also morgen, wird Katy Perry bei der Verleihung des Echo-Awards live auftreten. Es ist anzunehmen, dass sie dort ihre neue Single Thinking Of You (VÖ am 27.2.) zum Besten geben wird. Eventuell schafft sie mit ihrer Performance, was ihr schon bei Hot N Cold gelang, nämlich ein sensationeller Charteinstieg allein durch digitale Downloads. Nominiert ist Katy Perry beim Echo lediglich in der Kategorie „Hit des Jahres“.
Und da wir schon beim Echo sind: Die Show könnte Katy Perry ein wenig gestohlen werden, denn Depeche Mode sind ebenfalls als Act vorgesehen und werden ihre neue Single Wrong als Weltpremiere präsentieren. Direkt danach beginnt auch das Airplay für die Single – zumindest in Deutschland. Der Rest der Welt muss darauf bis Montag warten. Kaufen könnt ihr die CD aber erst ab dem 3. April.

Der Gewinner der Woche heißt eindeutig Peter Fox. Zum einen kann sein Titel Haus am See in der 17. notierten Woche noch einmal drei Plätze gut machen und landet damit jetzt auf einer neuen Höchstposition, nämlich Platz 9. Zum anderen startet er mit seinem Siegertitel vom Bundesvision Song Contest Schwarz zu Blau neu auf der Position 15. Es ist die dritte Single aus dem Album Stadtaffe, welches in dieser Woche erstmals nach 20 Wochen Platz 1 in den deutschen Albumcharts erreicht. Die Verkäufe gehen zurück auf die Woche direkt vor dem Song-Contest, d.h. in der nächsten Woche könnte der Titel sogar noch höher steigen und Peter Fox seinen dritten Top 10-Titel in Folge bescheren. Auch Alles neu schlägt sich nach wie vor wacker, in dieser Woche geht es noch einmalein Stück nach oben von der 46 auf die 43.

Auf der Position 13 findet sich der höchste Einsteiger. Die englisch-schwedische Band Razorlight hat mit Wire To Wire erst ihren zweiten Charthit in Deutschland. 2006 ging es mit America bis Platz 38. Jetzt folgt mit der ersten Single aus dem Album Slipway Fires ein waschechter Top 20-Hit. Für das Video zur Ballade konnte die Band Stephen Frears gewinnen, einen der führenden britischen Regisseure, der erst vor zwei Jahren für einen Oskar nominiert war.
Gerade habe ich noch mitgekriegt, dass Wire To Wire offensichtlich ordentlich in der Pro7-Promotion läuft. Der Titel wird nämlich benutzt in einem Werbespot für die Ausstrahlung von Brokeback Mountain. Ich schätze, da geht dann auch für den Titel noch was.

Woran immer es liegen mag – ich habe bislang keine rechte Erklärung – aber Coldplays bislang größter Hit Viva La Vida steigt seit Ende Dezember wieder stetig und klettert jetzt in der 29. Chartwoche wieder zurück in die Top 20. Die Nachrichten für die Band sind dabei alles andere als wirklich gut: Bei den Brit-Awards waren sie vier mal nominiert und erhielten nicht einmal die Trophäe. Im Dezember verklagte zudem der Gitarrist Joe Satriani die Band, da ihr Titel offenbar große Ähnlichkeiten mit eines seiner Kompositionen aufweist. Wie auch immer, Viva La Vida ist nach wie vor der Deutschen liebster Hit von der Band. In ganz Europa chartet mittlerweile das nächste Werk Life In Technicolor II, allerdings habe ich keinen Veröffentlichungstermin für den deutschen Markt gefunden. Bleibt wieder nur die Digitalvariante übrig.

Nächster Neuzugang auf der 24. DJ Ötzi ist weiterhin fleißig und liebt Kollaborationen. Für dieses Mal hat er Kate Hall gewinnen können. Und so singen die beiden im Duett Tränen. Für DJ Ötzi ist Platz 24 erstmal nicht so wahnsinnig besonders, allerdings ist dieses Duett etwas komplett anderes als alles, was bisher von ihm Erfolg hatte. Kate Hall kehrt nach mehreren Versuchen, die jeweils nur knapp in die obere Charthälfte gelangen konnten, nun endlich wieder in etwas höhere Chartgefilde zurück. Tränen ist ihr bislang zweitbestplatzierter Titiel hinter Bedingungslos vor etwa zwei Jahren. Damals gelangte sie mit Partner Ben bis auf Position 16.

Mit der 34 beginnt dann spätestens die fünfte Jahreszeit in den deutschen Charts. Es tummeln sich schon einige Zeit diverse Party-Discoföxe und Ulk-Versionen in der Liste herum. Im Vergleich zu anderen Jahren blieb es allerdings bisher noch recht ruhig. Nun entert also Matze Knop alias Richie die Charts. Der Comedian und Entertainer ist spätestens mit seiner RTL_Show Clipfish massenweise bekannt geworden. Seine regelmäßigen Auftritte bei Schmidt & Pocher als Luca Toni haben ihn mehr oder weniger zum aktuellen Hit gebracht: Numero Uno oder im vollen titel Luca Toni sei per me Numero Uno ist der erste Gassenhauer, der auf des Comedians Konto geht. Und klar, auch dieser Titel hat ein Original, welches aber keineswegs aus einer völlig anderen Welt stammt. Die Münchner Band Schrott nach 8 um Schlagzeuger Walter Fricke hatte mit Zuppa Romana 1984 ihren einzigen Charterfolg. Sie sangen damals wahllos Worte aus einer Speisekarte. Damit verglichen, besitzt das Matze Knop-Cover sogar einen richtigen Inhalt.

Und auch unter den Wiedereinsteigern findet sich ordentlich Material für die Karnevalslaune. Auf der 51 kehrt das Fliegerlied im Original wiederzurück in die Liste. DONIKKL startete Ende September mit So a schöner Tag für neun Wochen in seine erste Runde und erreichte Platz 24. Jetzt beginnt Runde zwei. In der Zwischenzeit steigt die Version von Tim Toupet gerade von 43 auf 30 und erreicht damit seine beste Platzierung.

Halb in die Kategorie Fasching + Co. gehört auch Akustikrausch. Im letzten Sommer gehörte sein Track Discoschlampe bereits zum Standardprogramm zünftiger Summerbeach-Parties. Und so landete der Titel auch schnell in den Official Dance Charts. Für gewöhnlich gehen gute Dance-Tracks ja dann mehr oder weniger erfolgreich per Download in die Charts. Bei Akustikrausch ist das Publikum offensichtlich etwas anders gestrickt, nennen wir es ruhig konservativer oder einfacher. Diskoschlampe brauchte erst den Vertrag mit Sony/Columbia und eine reale CD-Veröffentlichung um in die Verkaufsliste einzusteigen. Platz 59 ist das Ergebnis.
Der Mann hinter Akustikrausch kennt sich in seinem Genre allerdings schon ganz gut. Andreas Wendorf lieferte nämlich den Text zu Schnuffels Kuschel Song (welchen text eigentlich?). Und damit traf er ja ziemlich genau den Geschmack des Volkes.

Auf der 61 kommt ein weiterer Teilnehmer von Stefan Raabs Bundesvision Song Contest in die Liste. Fräulein Wunder vertraten mit Sternradio das Land Hessen beim nationalen Ausscheid. Am Ende belegten sie Platz 6. Im Verkauf ist es der dritte Titel, der den Weg in die Charts schafft. Und es ist auch die dritte Auskopplung aus ihrem Debütalbum.

Noch mehr Fernsehmusik auf der 78. Silver Surfer ist eine Zeichentrickserie, die auf RTL 2 läuft. Bereits 1999 lieferte Hardy Hard den Soundtrack dazu. Neun Wochen hielt er sich in den Charts und schaffte es bis zur 57. Der jahre später gabs das Update und jetzt ist die Variante 2009 da. Mit im Boot (oder vielleicht sogar der Auslöser – wer weiß das schon) ist Dave Darell, einer von Deutschlands derzeit aktivsten Produzenten im Bereich elektronische Musik. Die neue Variante befindet sich seit einigen Wochen in den Offiziellen Dance Charts, diese Woche auf der 5. Und nun geht es also auch in den Verkaufscharts nach oben.

Im unteren Viertel der Charts tauchen Titel als Wiedereinsteiger auf, die sicher gleich wieder verschwinden wird. Am 6. Februar gab es auf RTL Die ultimative Chartshow zum Thema „Die erfolgreichsten Latin Hits aller Zeiten“. Mit dabei auch Heroes del Silencio mit ihrem Hit Entre dos tierras aus dem Jahr 1992. Der Titel hat noch immer so viel Charme, dass er jetzt auf der 77 die Liste wieder entert. Und damit müsste eigentlich dieser Titel als der Siegertitel gelten statt der immer noch zu den Ohren heraushängenden Las Ketchup.
Ein wenig tiefer kommt Kandidat Nummer 2 aus der Latino-Chartshow wieder rein. David Bisbal hatte 2007 mit Silencio einen Hit, der es bis zur 10 schaffte. Wieder drin für diese Woche auf Platz 84.

Und ganz unten gibt es wie immer die obligaten Dauerbrenner, die nach drei Monaten wieder mitspielen dürfen. Dieses mal ist das Ich + Ich mit Stark, wieder dabei in der Woche 40 auf Platz 88.
Auf der 89 sind auch De Boore & Bärchen mit So ein tag so schön wie heute wieder dabei – Woche 10 steht aufm Zähler.
In der 24. Woche wird als Re-Entry auch Jason Mraz mit I’m Yours gelistet: Platz 90 geht an ihn.
Und auch Rihanna schiebt sich mit Don’t Stop The Music mal wieder auf der 94 rein. Auch schon in der Woche 40.

Ganz ganz am Ende der Liste stehen noch zwei Neuzugänge. Auf der 98 wird Vanessa Hudgens mit Sneakernight notiert. Der Star aus Highschool Musical hat es in Deutschland nicht einfach. Die Plattenfirma EMI veröffentlichte zwar ihr Album Identified, für Singles mag sie sich allerdings nicht mehr recht bemühen. Es scheint allgemein der Trend zu sein, die kleinen Silberlinge mehr und mehr vom Markt zu nehmen und sich nur noch auf das Geschäft mit dem langen Format zu konzentrieren. Nun, für die vorliegenden Charts bedeutet dies wohl vor allem, dass sie sich mehr zu einer Art Titel-Hitliste entwickeln. Auch nicht das schlechteste Modell.
Zurück zu Vanessa Hudgens: Erwähntes Album erschien am 13. Februar. Und zeitgleich entert Sneakernight als Einzeltrack die Charts. In Amerika wurde der Titel (schon im April 2008) als reguläre Single ausgekoppelt und auch hierzulande stehen die Fans vor allem auf diesen einen Song. Es ist Vanessa Hudgens’ zweiter Hit unter ihrem eigenen Namen. Vor ziemlich genau einem Jahr stand Come Back To Me in der Liste. Vier weitere Titel gehen für sie als Teil des Duos Troy & Gabriella in die Bücher ein. Ihre bislang erfolgreichste Chartperformance hatte sie dabei mit Breaking Free aus dem ersten Teil der High School Musical-Trilogie. Platz 46 war die beste Platzierung.

Der letzte Platz, also Position 100, geht an Die Prinzen und Be cool speak deutsch. Es ist die zweite Single aus ihrem Album Die neuen Männer. Was bleibt weiter zu sagen? Es ist die insgesamt 17. Single der Leipziger, die sich in Deutschland seit 1991 platzieren kann.