Charts vom 21. November 2008

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Hab ich nicht letzte Woche gejammert, es sei so still in den deutschen Charts, Bewegung müsse her?? Et voilá – diese Woche gehts mal richtig rund und die Liste wird ordentlich durcheinander gerüttelt. Nur die beiden Plätze ganz oben sitzen stabil im Sattel. Noch!
Für Polarkreis 18 ist es die vierte Woche mit "Allein Allein" an der Spitze vor P!nk und ihrem ehemaligen Nr.1-Hit "So What". Bisher waren die Jungs aus Dresden ja nur mit einer Single-Version auf dem Markt. Auf der gabs neben dem Original auch ein Rework von Nephew, weshalb in einigen Listen auch gleich Polarkreis 18 vs. Nephew als INterpreten aufgeführt wurden. Seit dieser Woche nun gibt es die Nachfolgeversion, die bereits vor gut einem Monat in streng limitierter Auflage als Digi-Pack erschienen war. Darauf zu finden ist unter anderem der Titel "Operation Sun", der nur auf Maxi zu haben sein wird, sowie zwei extra Remixe von Bodi Bill bzw. ZPYZ. Ich denke, diese Nachfolgeversion hilft Polarkreis 18 noch eine Weile, dem Druck von den unteren Plätzen zu trotzen. Ob sich die neue Variante der Maxi tatsächlich lohnt, dürft ihr aber ganz allein entscheiden.

Nun aber zur Sache: Höchster Neuzugang und wie in Großbritannien auch hier Siegerin im aktuellen Divenbattle ist Beyoncé mit ihrer neuen Ballade "If I Were A Boy", die geradewegs auf Platz 3 einsteigt. Das letzte mal, dass ein Titel mit dieser Thematik in den deutschen Charts war, ist noch gar nicht so lange her. Im September stellten sich Fräulein Wunder den Rollentausch vor und brachten es mit "Wenn ich ein Junge wär" bis auf die 16. Was vor gut zwei Monaten noch ordentlich zur Sache ging und richtig Spaß machte, das hat Frau Knowles nun wie schon erwähnt in eine R&B-Ballade gepackt. Das Video dazu verwirrt erstmal: wer war jetzt wer? Und wer ist nun eigentlich der/die Gute und Verständige? Dementsprechend die Diskussionen dazu. Mir ist das alles ja ein wenig zu betulich und zu viel Klischee, aber es gibt genügend Leute, die "If I Were A Boy" als mindestens großartig bis unübertreffbar beschreiben. Nun gut. Fakt ist, dass diese Vorab-Single zum kommenden Doppel-Album tatsächlich der Chart-Nachfolger zu ihrem Nr.1-Hit "Beautiful Liar" in Kollaboration mit Shakira aus dem Mai 2007 ist. Seitdem haben alle regulären Singles und Gastauftritte bei anderen Artists die Gunst der Käufermasse nicht erringen können und erschienen nicht in der Hitliste. Und noch ein statistischer Fakt nimmt sich seltsam aus vor dem Hintergrund, dass Beyoncé auch hierzulande gern als Superstar gehandelt wird: "If I Were A Boy" ist der Platzierung nach der zweitgrößte Erfolg hinter oben genanntem Nr.1-Hit. Der einzige Titel, der es von ihr bislang ebenfalls in die Top 5 brachte, war im Jahr 2003 "Baby Boy", interpretiert zusammen mit Sean Paul. (Mit Destiny's Child kann sie ebenfalls lediglich auf einen Nr.3-Hit verweisen.) Hmmm - da hat die Diva irgendwie doch noch nicht den richtigen Draht zum deutschen (Massen-)Publikum gefunden. Zum Vergleich: Sarah Connor hat bereits 5 Nr.1-Hits auf ihrem Konto und die Top 10-Titel zähl ich gleich mal gar nicht. Aber zu der kommen wir dann später noch...

Getragen geht es weiter auf der 4 und mir scheint, dass offensichtlich die Zeit der Besinnlichkeit über uns hereinbricht und der sich abzeichnende Wandel der Charts schon arg viel mit dem Fest der Feste zu tun hat. Wie auch immer: inhaltlich ist Herbert Grönemeyers "Glück" ein gefühlvolles Liebeslied, das in jede Jahreszeit passt. Sein erstes Best of-Album folgt mit dem heutigen Tag.
Wenn wir die Chartgeschichte Herbert Grönemeyers seit 2000 betrachten, dann fällt auf, dass jeder seiner Titel, der über die 10 hinaus kam wenigstens eine Woche auf der 1 gestanden hat. Das ist mal ne Herausforderung für "Glück". Allerdings waren die Spitzenreiter jeweils in ihrer ersten Woche ganz oben gelandet. So gesehen, kein gutes Omen. Aber was solls - ich bin nicht hier um alles schlecht zu reden. Und auch eine Position 4 ist ein super Ergebnis nach gut einem Jahr Chartabstinenz. Und ich bin mir sicher, dass "Glück" uns eine ganze Weile begleiten wird, das ist bei Grönemeyer-Hits bisher auch nicht immer der Fall gewesen.

Bewegung in den Top 10 gibt es nicht nur durch die beiden genannten Neuzugänge. Toll ist, dass sich zwei Titel ordentlich nach oben schieben konnten, die mir - wie schon oft hier geschrieben - besonders am Herzen liegen. Auf die 8 gehen, von der 16 kommend, Jack White & Alicia Keys mit dem Bond-Titelsong "Another Way To Die". Der dazugehörende Film "A Quantom Of Solace" ist seit zwei Wochen unangefochten der meistbesuchte und knackt gerade (nach nur 2 Wochenenden) die 3-Millionen-Marke. Damit scheint er sich gerade auf der Zielgeraden zum meistgesehenen Leinwandopus 2008 zu befinden. Kein Wunder also, dass sich auch die Musik dazu größter Beliebtheit erfreut.

Der zweite Aufsteiger in die Top 10 kommt von der 25 und ist das neue Werk der Killers. Gerade habe ich bei James Masterton gelesen, dass "Human" das Beste ist, was die Killers jemals vorgelegt hätten. Nun, so weit würde ich mich nicht aus dem Fenster lehnen, aber ein großartiges Stück Pop ist es allemal, eingängig und mitreißend wie es besser nicht sein könnte. Produziert wurde das Ganze von keinem Geringeren als Stuart Price, der ja unter anderem auch schon Madonnas "Confessions On A Dancefloor" bearbeitet hat. Und deshalb klingen die Killers aktuell so wie sie klingen und Vergleiche von Duran Duran über New Order bis hin zu den Pet Shop Boys sind allerorten zu hören. Ich frag mich nur, warum sich alle Welt immer noch immer auf die 80er bezieht ... sind die tatsächlich so retro? Mein Lieblingsvergleich ist ja da eher: überwältigend wie Polarkreis 18, umwerfend wie The White Stripes - und damit wär ja wohl auch gesagt, was ich mir für die Single in den kommenden Wochen wünsche.

Der nächste Neueinsteiger stammt wieder aus der Rubrik: Diva. Und hier haben wir es mal tatsächlich mit einem Superstar aus Übersee zu tun. Christina Aguilera kann seit 1999 auf mittlerweile zehn Top 10-Hits verweisen, 8 davon waren unter den ersten 5 platziert. Klar, dass alle von ihrer neuen Single "Keeps getting better" nur Superlativergebnisse erwarten. Seit Wochen läuft der Titel überall hoch und runter. Ungewohnt rockige Töne schlägt sie in ihrer Vorab-Single zum Best of-Album gleichen Namens an. Aber, die Single schafft es bei ihrem Start nur bis zur 14. Und hier muss es wirklich NUR heißen, denn für Frau Aguilera ist das ein eher mageres Ergebnis. Kann sein, dass alle auf die Kompilation warten und dann alle HIts gesammelt erwerben. Aber das scheint mir eine armselige Erklärung. Wahrscheinlicher ist, dass die Masse von Christina Aguilera eher sexy provokantes erwartet, denn auch in Großbritannen verpasste sie die Top 10. Blöd ist es ja schon irgendwie, dass für sie offensichtlich gilt: Only Sex Sells. - Wobei: Platz 14 - hey Leute, ist das nix? Insgesamt ihr 16. Titel, der unter den ersten 20 landet. Kann man so gelten lassen, oder?

Zurück zu einer deutschen Band: Stanfour haben's ja irgendwie raus, sich gut zu verkaufen. Laut Bandlegende haben sie das in Amerika gelernt. Anfang des Jahres waren sie mit "For All Lovers" dank des Einsatzes als Titelmelodie bei "Nur die Liebe zählt" 17 Wochen in den Charts und kamen bis auf die 24. Im September besuchte dann ganz kurz "Desperate" die Liste, blieb aber ohne mediale UNterstützung in der unteren Hälfte stecken. Und jetzt sind sie wieder da und präsenter denn je. "In Your Arms" wurde am 6. November ausgiebig bei Popstars - Just 4 Girls vorgestellt. Da sah man nämlich, wie die Mädels sich als Duettpartnerinnen bewarben. Das Rennen gemacht hat am Ende Jill und einen Tag später stand dann auch die Single. Track 1 ist die altbekannte Variante und Track 2 die Version mit Jill. Klar, dass sie so hiermit ihren ersten Top 20-Hit verbuchen können. Platz 15 in der ersten Woche. Aber auch ohne das Popstars-Drumrum ist der Titel selber schlichtweg groß. Mal wieder eine Ballade (siehe oben) für die dunkle Jahreszeit, aber mit feinen Ausflügen in kraftvolle Rocksounds. Im Video wird dann noch eine gutgemeinte Botschaft hinter das Ganze gesteckt, aber das war eigentlich gar nicht nötig.

Und jetzt kommen wir zu der Dame, die ich weiter oben als Superstar angeführt habe. Oder besser: die erfolgreichste deutsche Sängerin - zumindest gemessen an ihren Charterfolgen. Sarah Connor hat mit 16 veröffentlichten Singles 12 x die Top 10 erreicht. Lediglich ein Titel - ihre zweite Single "French Kissing" verpasste knapp die Top 20. Vergleichbar erfolgreich seit 2000 waren da lediglich die No Angels (4 x Nr.1 / 12 x Top 10 ). Der letzte Besuch "Under My Skin" brachte Sarah Connor im August bis auf die 4. Und dann kam die offizielle Trennung von ihrem Mann. Deutschlands Traumpaar kaputt. Eigentlich sind solche Dinge ja eher egal, aber Frau Connor-Terenzi hatte ja sehr direkt alle an ihrem Privatleben teilhaben lassen. Kein Wunder also, dass auch die kommende Scheidung von medialem Interesse begleitet wird. Eventuell gibt es ja dann bald die Serie dazu: Happy divorced!
Klar ist es blöd, den Medienrummel so 1:1 mit Musikverkäufen in Verbindung zu bringen. Im Fall von "I'll Kiss It Away", der zweiten Auskopplung aus dem "Sexy As Hell"-Album liegts aber irgendwie nahe. Denn dieser Titel ist der erste seit 2001, der die Top 20 verpasst. Zum Trost lässt sich vielleicht sagen, dass Platz 21 wirklich sehr sehr knapp vorbei ist. Trotzdem ist der Titel damit der am schlechtesten verkaufte von Frau Connor. Klar sind noch nicht alle Messen gesungen, aber ehrlich: es sieht nicht so gut aus für sie derzeit. Allerdings erwarte ich ja schon sehr bald eine Rückkehr ihres "Christmas In My Heart" ...

Für den nächsten Neuzugang müssen wir mal ein wenig rekapitulieren: 2005 hatten wir den Crazy Frog, der dank Klingelton bis fast ganz nach oben in den Charts kam. Vor 9 Monaten lancierte die mit Klingeltönen reich gewordene Firma Jamba den Hasen Schnuffel, der ganze 8 Wochen die Chartspitze bekuschelte. Und weil das Häschen vor allem die Zielgruppe Frauen meinte, gab es ganz schnell hinterhergeschossen auch einen Muffel, der allerdings nicht wirklich ankam. Männer kaufen wahrscheinlich keine Klingeltonmusik. Das Häschen gibt es immer noch, sogar relativ erfolgreich, zusammen mit Michael Wendler feiert es auf der 68 "Häschenparty", gerade erschien das Album "Winterwunderland" und für den 12.12. ist eine Weihnachtssingle angekündigt ... all das reicht Jamba aber noch längst nicht. Der Hase bekommt Gesellschaft von Eddy Bär. Und der macht dann einer jungen Frau im Swimmingpool (warum eigentlich gerade dort?) ein aus allerlei Zitatensalat zusammengestelltes Geständnis: "Verliebt". Klar ist das irgendwie niedlich und süß. Aber eben auch völlig künstlich und berechenbar. Und weils ja kein richtiger Mensch ist, gibts auch ne Menge Vocoder auf der Stimme. Sofort gabs Diskussionen: Ist das nicht im Original von Chris Brown? Also ich hab nix dazu gefunden ... Und wer immer hinter dem Liedchen steckt, ich persönlich hoffe ja, dass sich ganz schnell wieder ausgebärt hat und Platz 24 das höchste war, was dieses Kuschelding je erreicht.

Ganz knapp die obere Charthälfte verpassen Shaggy feat. Akon mit Platz 52. "What's Love" ist für beide Künstler bereits die vierte Single in 2008. Shaggy war zuletzt mit seinem EM-Song "Feel The Rush" auf der 1, Akon hatte es im Herbst mit Kardinal Offishall bis zur 18 gebracht. Für beide ist die Platzierung also nicht so wahnsinnig umwerfend, aber das ist ja der Titel auch nicht.

Die Jungs von Fall Out Boy hatten noch nicht so richtig den Durchbruch. Irgendwie stoppten alle ihre Singles immer kurz vor der Hälfte der Charts. Auch das Michael-Jackson-Cover "Beat it" brachte es im Juli nicht wesentlich höher. Dafür zeigen sie sich aber ungemein beständig. Single Nr.4 mit dem Titel "I Don't Care" springt auf die 62 in der ersten Woche. Der Titel ist ein ordentliches Stück Poprock, kann man eigentlich nichts gegen sagen. Auf der Single ist außerdem ein feiner Mix von Cobra Starship und das Video kommt mit ordentlicher Star-Unterstützung u.a. von Gilby Clarke (Guns'n'roses siehe unten) daher.

Um eines sind wir in dieser Woche leider nicht drum herum gekommen. Der Auswertungszeitraum für die vorliegenden Charts umfasste nämlich die Woche von 7.-13. November. Und richtig: genau da drin liegt auch der 11.11. Weshalb wir auch eine ganze Reihe vnn Blödel- und Discofox-Titeln beobachten können wie sie steigen. Olaf Henning landet z.B. mit dem "Jungfrauenchor" auf der 66, De Boore singen "So ein Tag so schön wie heute" auf Platz 74 und auf der 76 steigt ein Astrid Kuby und Michael Mosaro mit dem "Körperzellen Rock". Die Titelzeile lautet: "Jede Zelle meines Körpers ist glücklich", dazu sieht man Rentner einen tark verzögerten Ententanz vollführen. Gemeint ist das Ganze vielleicht irgendwie anders ... zumindest schmeißt einem google bei der Suchabfrage nach Frau Kuby solche seltsamen Dinge wie biplogische Krebsabwehr in die Ergebnisliste. Naja - in der lustigen Karnevals-Popkultur geht irgendwie alles durch und wird dazu noch gekauft. Michael Rosaro ist übrigens auch nicht so ganz unbekannt. Allerdings verbirgt Herr Scheickl sich hinter einem Pseudonym. Er wird wissen warum.

Party gibt's auch auf der 88. Allerdings ein bisschen anders. DJ Cyrus is back! Zumindest charttechnisch, denn in der Liste der meistverkauften 100 war er zwischen 1999 und 2003 vor allem als ein Teil von Beam vs. Cyrus aktiv. Insgesamt 6 Titel konnten sie platzieren, der erfolgreichste im Jahr 2003 mit dem MC Hammer-Cover "You Can't Touch This", welches es bis auf Platz 22 schaffte. Danach gründete Cyrus sein eigenes Label Cyrus Trax auf dem er auch fleißig veröffentlichte. Allerdings ist das in Deutschland mit den Independent Labels immer ein wenig schwierig. Für "Wir brauchen Bass!" - einem frechen Sample aus dem Bo-Klassiker "Türlich türlich" - suchte Cyrus Unterstützung bei Zooland Records, die solche Projekte wie Cascada und DJ Manian im Vertrieb haben. Und schwups. bereits in der ersten Woche als digitaler Track geht der Track in die Charts. In den offiziellen Dance-Charts steigt der Titel diese Woche auf die 22. Ich denke, da kommt noch was.

Und genauso wird es wohl bei Guns N' Roses noch ordentlich nach oben gehen. "Chinese Democracy", seit 14 Jahren Pausen das erste Lebenszeichen der Rocker, ist seit 11.11. als trendsingle zu haben. Der vollständige Release der Single steht mit dem 22. November an. Mit der Vorab-Version gehts direkt auf die 90. Zum Titel selber kann ich nur sagen: klingt wie Guns n' Roses. Fee und Oz meinen, das Ganze sei auch ein wenig antiquiert. Schöner könnt ichs auch nicht sagen.

Nochmal Rock gibt es neu auf der 95. Da sind 3 Doors Down mit "Let Me Be Myself" gelistet. Das ist 'n ganzes Stück glatter produziert als Guns n' Roses.

So, dann wie immer noch einen Blic auf die Rückkehrer. Wiedereinsteiger sind zu finden auf der 72 Alicia Keys mit "Superwoman". Da weiß ich gar nicht so recht, warum das jetzt wieder rein hüpft, oder besser: Ich weiß gar nicht warum das so schnell draußen war. Auf der 75 die The Ting Tings mit "That's Not My Name" - immer noch ein toller Song und immer noch der einzige der Ting Tings. warum eigentlich? "Shut Up And Let Me Go" oder "Great DJ" sind auch super. Auf der 81 gibt sich wieder mal Rihanna mit "Don't Stop The Music" die Ehre - mittlerweile auch schon in Chartwoche 39. Und schließlich belegt die 100 mal wieder Silbermond mit "Das Beste".

Ich kann nur sagen: ich freu mich auf nächste Woche, denn eine Diva fehlt noch mit ihrem neuen Werk. Die hatte in der gerade zu Ende gehenden Woche Singlestart. Und ich tippe hier mal tollkühn: mindestens Top 5.