Charts vom 10. Oktober 2008

Oops - mit einem Satz war sie oben und schubst Katy Perry von der Spitze. P!nks neue Single "So What" schafft es in der ersten Woche von nichts dorthin und ist damit ihr erster Solo-Nr.1-Hit. Bisher war sie lediglich zweimal bis auf die Vizeposition vorgestoßen, beide Male im Jahr 2002: zunächst mit ihrem internationalen Durchbruch "Get The Party Started", welches ganze vier Wochen im Februar 2002 auf der 2 aushielt, und wenig später im Oktober noch einmal für eine Woche mit "Just Like A Pill". So ganz unbekannt ist P!nk die Spitzenposition aber nicht. Bereits 2001 war sie zusammen mit Christina Aguilera, Lil' Kim und Mya und ihrer Version von "Lady Marmalade" für eine Woche Spitzenreiter. "So What" könnte es durchaus ein wenig länger ganz oben aushalten. Es scheint so, dass Katy Perry doch allmählich an Kraft verliert und die neue Nr. 1 geht ordentlich zur Sache, abgesehen vom nahezu ununterbrochenen Einsatz auf sämtlichen Radiostationen.
Mit dem Wechsel der Top-Position wird auch ein Stückchen besonderer Chartgeschichte geschrieben. Als Autor hinter Katy Perrys Hit "I Kissed A Girl" steht unter anderem Max Martin, und genau der hat auch fleißig bei der neuen Nr.1 von P!nk mitgeschrieben und tritt dort zusätzlich als Produzent auf. Das letzte Mal gab es eine solche Situation im Juni 1986 als Dieter Bohlen mit Modern Talking und "Atlantis Is Calling" den letzten Spitzenreitertitel für das deutsche Duo einfuhr. Entthront wurde damals Chris Norman und "Midnight Lady", produziert von Herrn Bohlen. Den gleichen Hit in einer anderen Version - und damit also ein Komponist sich selber - löste das letzte Mal im Oktober 1981 Frank Zander alias Fred Sonnenschein und seine Freunde ab. Das Original kam von den Electronica's und hieß "Dance Little Bird", auf deutsch dann "Ja, wenn wir alle Englein wären". Dass sich ein Hauptact selbst auf der Spitzenposition ablöste, schaffte seit der wöchentlichen Listung aller Hits ab 1971 niemand. Baccara kamen im August/September 1977 diesem Rekord am nächsten als zwischen "Yes Sir, I Can Boogie" und "Sorry, I'm A Lady" lediglich eine Woche lang "Magic Fly" von Space die Spitze bildete. Schauen wir jedoch in die Chartgeschichte vor 1971, so gibt es 1963 bei den monatlich vom Musikmarkt HItlisten folgende Situation: Im August und September wird Gitte mit "Ich will 'nen Cowboy als Mann" an der Spitzenposition vermerkt. Ab Oktober steht sie und Rex Gildo mit "Vom Stadtpark die Laternen" für zwei Monate auf der Spitzenposition. Natürlich lassen sich diese Listen kaum mit den heutigen Charts vergleichen. Als Randbemerkung ist es allemal interessant.

Nichts wesentlich Neues bringt Bushido mit "Ching Ching". Er verklärt weiter das unbarmherzige Ghetto-Leben und weiß, dass nur dieses ganze und harte Männer hervorbringt. Offensichtlich können damit doch eine Reihe Leute etwas anfangen, "Ching Ching" landet als zweithöchster Neuzugang auf der 9. Der Track ist der nunmehr zweite Top 10 Hit von Bushido. Mit dem Wechsel zum Major Sony/BMG vor etwas mehr als einem Jahr war er mit "Alles verloren" bereits bis auf die 4 geklettert. Seine Biographie steht ebenfalls seit September ganz oben auf der Spiegel-Bestsellerliste und es scheint so, als wäre Bushido nunmehr endgültig im Mainstream angekommen.

So wie Bushido wohl schon sehr bald die oberen Ränge wieder verlassen wird, so wird es vermutlich auch den Einsteigern auf der 11 ergehen, die mit diesem Ergebnis äußerst knapp ihren 23. Top 10-Hit verpassen. Scooter sind mit "Jump That Rock (Whatever You Want)" zum drittenmal in diesem Jahr präsent. Und wie schon mit "Jumping All Over The World" und einigen anderen Vorgängern, bedienen sie sich hier wieder einer Vorlage aus den 70ern. Das Besondere: für dieses Mal sind die Originalinterpreten gleichberechtigt aufgeführt und es heißt Scooter vs. Status Quo. Die ursprüngliche Version von "Whatever You Want" war im November 1979 für insgesamt 8 Wochen in den deutschen Top 20 notiert, mit der Höchstplatzierung auf der 12. Die Technoversion hat damit das E-Gitarren-Original zumindest in der Platzierung ganz knapp geschlagen.
Fans von Scooter können sich außerdem freuen über das in dieser Woche erschienene Album "Jumping All Over The World - Whatever You Want" - so etwas wie eine Best of-Zusammenstellung. Interessant an dieser Doppel-CD sind vor allem die sieben Hands on-Versionen von Scooter-Hits, die von solchen Leuten wie der Bloodhound Gang, Jan Delay, Sido oder Andreas Dorau angefertigt wurden.

Auf der 15 kann sich die fünfte Auskopplung aus dem Linkin Park-Album "Minutes To Midnight" behaupten. "Leave Out All The Rest" nimmt den Sound von "Shadow Of The Day" und "What I've Done" auf und beschert der Band ihren neunten Top 20-Hit. Der letzte "We Made It" in Kollaboration mit Busta Rhymes ist noch gar nicht so alt und ist just in dieser Woche nach zweimaliger Platzierung in der unteren Hälfte und insgesamt 13 Wochen Chartpräsenz aus der Liste entfernt worden. Auch "Leave Out All The Rest" wird von einem aufwändig produzierten Video begleitet, dieses Mal im technisch coolen Science Fiction-Stil mit recht deutlichen Zitaten aus dem Danny Boyle-Streifen von 2007 "Sunshine".

Die 16 geht neu an September. "Cry For You" ist der erste Titel der schwedischen Sängerin, der sich in Deutschland platzieren kann. In ihrem Heimatland war der Titel bereits vor zwei Jahren bis auf die 2 geklettert. Insgesamt sieben Top 10-Titel hatte September innerhalb der vergangenen 7 Jahre zu Hause. Und so war es 2006 an der Zeit, auch europaweit präsent zu sein. Mit "Satellites" konnte sie ihn Spanien eine Nr.1 verbuchen, in Deutschland reichte es nicht zu einer Platzierung. Mit dem Album "Dancing In Orbit", welches sozusagen die größten Hits auf einer Scheibe versammelt, ging es 2008 erneut in die Offensive. Diesmal mit flächendeckendem Erfolg. Bereits im April stieg "Cry For You" in England bis auf die 5. In Deutschland brauchte der Dancetrack etwas länger und steigt jetzt ein. Es könnte gut sein, dass September damit noch ein Nischen-Star bleibt. Größere Aufmerksamkeit dürfte sie erhalten, wenn "Breathe" vom neuen Schiller-Album veröffentlicht wird. Hier liefert September nämlich die Vocals.

Am unteren Ende der besten 20 taucht wie erwartet Maria Mena mit "All This Time (Pick-Me-Up Song)" auf. Platz 17 in dieser Woche und mit Sicherheit geht es weiter aufwärts, vielleicht sogar das erstemal für sie bis in die Top 10.
Auch The Rasmus kehren nach einer schwachen zweiten Woche außerhalb der Top 20 wieder zurück. Mit Platz 19 erreichen sie nicht wieder das Niveau ihres Charteintritts. Für ein paar Wochen mehr in dieser Region dürfte es vermutlich aber reichen.

In den 30ern platzieren sich zwei weitere deutsche Titel. Auf der 35 steigt ein Titel ein, der es im Sommer durch den WDR4 zu einiger Beliebtheit brachte. Die Rede ist vom sogenannten "Jungfrauenchor", einem Medley aus bekannten Stimmungsklassikern. "Erfunden" wurde das Schunkellied von den Laatbleujers aus den Niederlanden. Bislang blieb es in seinem Heimatland aber ohne nennenswerten Erfolg. In Kombination mit Mallorca-Schlagerbarden Olaf Henning, der es in der letzten Karnevalssaison mit dem "Cowboy und Indianer"-Lassotanz bis in die deutschen Top 5 brachte, schafft nun auch der Jungfrauenchor seinen Einzug in die Verkaufscharts. Für Olaf Henning ist dies der zweite Hit in der oberen Hälfte der deutschen Charts. Die Variante von Christian und den sauberen Jung's, neu unter Vertrag bei EMI und betitelt "Das Jungfrauhenchor" (auf dem unabhängigen Label AZ-Records bereits seit April erhältlich), stieg bereits in der letzten Woche auf der 99 ein und schafft es als bester Aufsteiger jetzt auf die 64 und es steht zu vermuten, dass wir bis zum nächsten Frühjahr von beiden Versionen begleitet werden.

Auf der 38 gibt es ein Wiedersehen mit Annett Louisan. "Drück die 1" stammt von ihrem vierten Album "Teilzeithippie". Für sie ist es der sechste Titel, der sich in den deutschen Charts platzieren kann. Einen wirklichen Erfolg konnte sie bislang lediglich mit ihrem Debüt "Das Spiel" verzeichnen, welches im Jahr 2004 bis auf die 5 kletterte.

Der letzte Neueinsteiger unter den ersten 50 geht an eine Band, die in Großbritannien zu den Superstars gehören und mit beinahe jeder Single mindestens die Top 3 erreichten. Insgesamt 8 x holten sie seit 1995 die Nr.1 und mit ihrem neuen Titel sind sie bereits auf der 3 angekommen. In Deutschland blieben sie dagegen bislang eher Album-Act. Und auch mit "The Shock Of The Lightning" ändert sich daran nichts. Oasis sind immerhin zum 16. mal mit einem Track platziert, diese Woche auf der 48.

Weitere Neueinsteiger sind Fettes Brot und "Ich lass dich nicht los" auf der 55, Christian Lais mit "Sie vergaß zu verzeih'n" auf der 67, The Disco Boys mit ihrem neuen Track "Shadows" auf der 71, der schwedische Sänger Vincent und "This Is For You" auf der 74 und Travis mit "Song To Self" auf der 88.