Jahresendstimmung in den Charts

Die Charts vom 18. Dezember liegen vor, beziehen sich auf den Auswertungszeitraum 4. bis 10. Dezember, und es ist deutlich zu spüren: das Jahresende rückt heran. Die Indizien sind ausbleibende Megaveröffentlichungen – das ist ja in Deutschland irgendwie immer ganz anders als zum Beispiel in Großbritannien, wo die Weihnachtswoche nochmal richtig genutzt wird für Superstars, die dann in wenigen Tagen die besten Umsätze des Jahres einfahren. Und dann ist ein Trend zu beobachten von noch mal erstarkenden Hits des Jahres, da sind also die Jahresrückblicksshows im Fernsehen ordentlich am Einheizen und generieren zum Ende nochmal eine ordentliche Nachfrage. Naja, und die anstehenden Weihanchts- und Silvesterparties wollen schließlich auch musikalisch proper bestückt sein. Wer will jetzt schon Neues Zeug hören?

So gibt es in den Top 10 nicht allzu viel markante Bewegung. Am stärksten können sich Gossip verbessern, von der 9 geht es nochmal auf Platz 6 für Heavy Cross. Mit mittlerweile 22 Wochen in den Top 10 (fast ein halbes Jahr!) ist Heavy Cross gleich mal der beständigste Hit des Jahres 2009. … Und alle die jetzt mitgerechnet haben, werden sofort aufschreien: Aber Poker Face hat doch 23 Wochen unter den ersten 10 ausgehalten! Richtig. Also sind Gossip tatsächlich momentan nur die Nr.2 in Sachen Top 10-Aufenthalt für einen einzelnen Titel. Aber eine Woche kommt ja noch, und da haben sie die Chance gleichzuziehen …

Mit dem Überhit im Gepäck haben es die Nachfolger natürlich absolut schwer, sich durchzusetzen. So steht Love Long Distance eigentlich schon seit September in den Startlöchern, zumindest lief es seitdem in den Radios hoch und runter. Aber irgendwie traute sich das Label noch nicht, den Titel zu veröffentlichen. Bis jetzt hat es gedauert … und die Taktik ist nicht wirklich aufgegangen: Love Long Distance startet auf Platz 44 nach kompletter Veröffentlichung auf CD. Das bedeutet wohl, dass nur eingefleischte Fans diesen Titel wirklich wahrnehemen. Und das ist wirklich schade.

Erwähnenswert in Sachen Top 10-Bewegungen vielleicht auch noch einmal Xavier Naidoo. Der deutsche Heilsverkünder schliddert mit Alles kann besser werden seit nunmehr acht Wochen zwischen Platz 6 und 11 herum. In der letzten Woche gings für das Lied mit der Spielkastenmelodie raus aus den oberen 10, diese Woche ist es nochmal Position 10. Wahrscheinlich geht’s um die heiligen Tage herum gleich nochmal ein Stück höher … schließlich schneit es ja auch so schön im Video und wünaschen soll ja manchmal auch ganz schön sein.

Und wenn wir schonmal bei den Weihnachtssongs sind. Klar ist das Thema mit Heranrücken des Festes ein wachsendes Thema. Klassiker Last Christmas in der Version von Wham! klettert unaufhörlich und entert doch jetzt die Top 20. Platz 18, von der 24 kommend, das ist jetzt nur zwei Positionen unter dem Bestwert der letzten Saison. Also doch kein Ende der ewig gleichen Soundtracks in Sicht. Ob es nochmal für eine Top 10-Platzierung reicht?

Anfangs hab ichs erwähnt: es kehren eine Menge Hits der vergangenen Monate zurück, oder verzeichnen nochmal eine erhöhte Nachfrage aufgrund der allerorten präsenten Jahresrückblicke. Mit ganz wesentlichem Einfluss dabei vor allem “Die Ultimative Chart Show” mit Oliver Geißen, die am 4. Dezember die erfolgreichsten Hits 2009 präsentierte. Mit Stand 20. November wurden da also schon die Top 50 des Jahres abgespult und auf Platz 5 landet Marit Larsen mit If A Song Could Get Me You. Als Live-Act war sie auch geladen und prompt geht es für den Ex-Nr.1-Hit Platz 28 hoch auf die 19. Mittlerweile in der 20. Woche dudeln die Radios den Titel immer noch fast zu Tode und es richtig schön, wenn man mal ein paar Wochen nicht mit If A Song Could Get Me You konfrontiert war und den Titel dann wieder hört … wow, der hat wirklich Qualitäten! – By the way: eine neue Single ist mit Under The Surface für den 5. Februar angekündigt. Ein schweres Erbe, würd ich sagen.

Platz 3 in der Jahresauswertung geht an Cassandra Steen feat. Adel Tawil mit Stadt. Und auch sie dürfen bei Oliver Geißen auftreten, erhielten aber während des Auswertungszeitraums reichlich weitere Medienunterstützung. Zum einen war Cassandra Steen bei Johannes B. Kerners Jahresrückblick auf sat.1 (4.12.) als Live-Act dabei, zum anderen durfte sie im Popstars-Halbfinale am 8. Dezember anwesend sein. Stadt, das im Sommer für acht Wochen lang die Nummer 2 belegte, ist mittlerweile in der 28. Woche in den Charts und hüpft mit dieser medialen Superpräsenz noch einmal von der 55 auf die 34.

Und auch für Cassandra Steen fällt das Zurückschauen mit einer weiteren Veröffentlichung zusammen. Während vor einem Monat noch ihre ganz eigene Single glaub ihnen kein Wort kurz durch den Verkauf geisterte, steht genau jetzt eine weitere Kollaboration der Sängerin als CD in den Läden. Für die Synchronisation des Disney-Streifens “Küss den Frosch” (The Princess And The Frog) lieh Cassandra Steen ihre Stimme der Hauptfigur und stand für den Soundtrack zur Verfügung. Start des Films war der 10. Dezember … die Single Never Knew I Needed war bereits eine Woche vorher im Verkauf. Ne-Yo und Cassandra Steen die Interpreten, und wie bei dem Namen Disney schon zu erwarten: Das was uns von den beiden da erreicht ist eine wimmernd soulige Schmonzette, massenkompatibel weichgespült, passt auch in jeden Kaufhaussoundtrack, R’n’B in der allerunverfänglichsten Ausprägung. Da können beide wesentlichprägnanter sein und irgendwie ist es nicht verwunderlich, dass der Titel auf Platz 64 mehr oder weniger versandet.

Zurück zur Jahresauswertung: auf der 2 im Jahr 2009 Jungle Drum von Emilíana Torrini, hätten wir doch beinahe vergessen, dass dieser Titel im Sommer für ordentliche acht Wochen alles im Griff hatte. Und dem allgemeinen Trend folgend, gibt es auch da nochmal erhöhte Nachfrage: Jungle Drum geht von 52 auf 46 – auch ohne Auftritt in einer vielgesehenen Fernsehshow.

Platz 1 bei Oliver Geißen und in Deutschlands Verkaufsauswertung – war es anders zu erwarten? – Lady Gaga mit Poker Face. Und dieser Hit des Jahre steht in der mittlerweile 41. Woche in den Charts, kann diese Woche sogar nochmal einen Platz von der 44 auf die 43 klettern. Ich sag mal: Monsterhit.

Nach oben geht es auch nochmal ordentlich für Cascada und ihren Sommerhit Evacuate The Dancefloor. Bei Oliver Geißen landen sie auf Rang 23 und dürfen Live auftreten, im aktuellen Verkauf macht das einen Sprung von der 59 auf die 36 aus. Sie sind mittlerweile in der 23. Woche notiert und Evacuate The Dancefloor ist nunmehr der erfolgreichste Hit des Projektes in ihrer gesamten Karriere.

Und dann sind da im unteren Feld der Charts eine ganze Menge an Titeln aus der Chartshow wieder mit dabei:
Zum Beispiel Silbermond mit Irgendwas bleibt, Anfang März für eine Woche die bestverkaufte Single in Deutschland, in der Jahresauswertung Platz 12 und Live in der Oliver Geißen-Show – macht aktuell einen Wiedereinstieg auf Platz 63, wobei auch just in dieser Woche die dreimonatige Sperrfrist zu Ende ging.

Auch die erfolgreichste deutsche Newcomerband Eisblume kann nach ihrem Auftritt als Platz 31 der Jahresauswertung mit Eisblumen noch einmal zurückkehren in die aktuelle Liste: Platz 70 gibt es für den Titel, mit dem sie im Februar bis zum Platz 3 klettern konnten. Ihr aktueller Titel Louise zusammen mit Scala taumelt dagegen von der 70 auf die 80.

Zu den Ereignissen des Jahres gehört irgendwie auch Alexander Rybak, der für Norwegen den Eurovision Song Contest gewann und mit Fairytale Platz 34 der Jahresauswertung belegt. Momentan schlagen die Wellen um ihn nicht mehr so hoch, da kommt ein Auftritt bei Oliver Geißen gerade recht und hievt auch Fairytale noch einmal auf die 74.

Auf Platz 78 kehren zurück James Morrison featuring Nelly Furtado mit Broken Strings – keine Ahnung warum genau … aber auch das mit Sicherheit im allgemeinen Rückschau-Fieber.

Auch zurück, wenn auch ohne Auftritte im TV, sondern weil die dreimonatige Sperrfrist abgelaufen ist, sind Flo Rida feat. Ke$ha mit Right Round. Im April ging es für den Titel bis Platz 4 und ganze drei Wochen konnte er sich dort halten. Insgesamt waren Flo Rida und Ke$ha 25 Wochen notiert … nun sind sie also wieder drin auf Platz 87. Der aktuelle Flo Rida-Track Jump zusammen mit Nelly Furtado rutscht von der 77 auf die 84.

Gleiches gilt für P!nk und ihr Please Don’t Leave Me. Drei Monate war Ruhe, jetzt steht der Hit Nr.3 aus ihrem Funhouse-Album noch einmal auf der 96. Da dürfte auch nicht mehr allzu viel kommen.

Fackeln wir schnell noch den Rest an Rückkehrern ab: Peter Fox, vielleicht der Mann des Jahres, schubst sich mit Schwarz zu Blau erneut hinein in die Umsatzliste – in der 23. Woche steht er auf Platz 89. Und der Titel mit dem alles begann, Alles neu, geht auch noch mal rein, auf Platz 97 in der 43. Woche. Eventuell wirkt hier noch die grade veröffentlichte Live DVD nach …

Rein – raus – rein – raus, so geht’s im Moment für Amy Macdonald. Die letzten Zuckungen von This Is The Life bringen sie in der 54. Chartwoche auf Platz 94.

Neue Single-Releases haben in der Woche 4. bis 10. Dezember keine so prägnante Rolle gespielt, obwohl es diese selbstverständlich gibt. David Guetta und die ärzte starteten am erfolgreichsten inden Verkauf. Dicht dahinter Single Nr.2 von Robbie Williams aus seinem Album Reality Killed The Video Star. Der Titel lautet You Know Me und es ist – ehrlich gesagt – schon ein nicht ganz einfach zu konsumierender Titel. Klassischer, beinahe Oldschool-Sound (irgendwo hab ich gelesen, dass You Know Me stark auf einem Titel namens Voilá von Francoise Hardy aus dem Jahr 1967 beruht), da reiht sich Robbie Williams also einmal mehr in die Reihe der großen Entertainer ein. Und so auch das Video: eine Adaption auf “Alice im Wunderland” und Robbie Williams ist es nicht zu peinlich komplette 4:30 min mit Hasenohrenkostüm umherzulaufen. Künstlerisch wertvoll würd ich sagen. Aber ist das wirklich aktuell relevanter Pop? Die Chartplatzierungen lassen da durchaus Zweifel zu: in Großbritannien ging es bis Platz 15, in Deutschland reicht es nach dem fulminanten Nr.1-Hit Bodies (in dieser Woche von 10 auf 11 fallend) nur noch für einen Platz 31. Und das ist schon ziemlich herb. Der letzte originale Robbie Williams-Titel, der so schlecht abschnitt war 2003 Sexed Up, welches allerdings auch die vierte Auskopplung aus dem Escapology-Album war. Insgesamt also eher schwierig.

Noch ein mehr oder weniger enttäuschendes Produkt stand am 4. Dezember von einem Superstar in den CD-Regalen. Mariah Carey legte bereits Anfang Oktober ihr neues Album Memoirs Of An Imperfect Angel vor und fällt damit ziemlich durch. Platz 27 in den Albumcharts – das haben sich Produzententeam, Plattenfirma und nicht zuletzt Mariah Carey selber vermutlich ein wenig anders gedacht. Nun zur Weihnachtszeit gibt es dann auch die erste (!) Single-Auskopplung (wieso eigentlich jetzt erst?) mit I Want To Know What Love Is. Das ganze ist ein schaurig schnulziges R’n’B-Cover des Hits von Foreigner, der ihnen 1983 ihre einzige Top 10-Platzierung in Deutschland mit einem Rang 3 bescherte. 1998 kehrte der Titel in einer Version von Rappers Against Racism aka Down Low für neun Wochen zurück in die Charts und holte Platz 36. Mariah Carey nun startet nochmal einen Platz schlechter und steht in der ersten Woche nach der Veröffentlichung als CD auf Platz 37. Zum Vergleich: ihr Weihnachtshit All I Want For Christmas Is You schiebt sich gerade von der 47 auf die 45, also nur unwesentlich schwächer … Das ist dann irgendwie schon tragisch, dass ein 15 Jahre alter Titel sich genauso gut verkauft wie brandneues Material. Da wäre mal eine innere Klausur angebracht.

Die dritte Auskopplung aus ihrem Album Sounds Of The Universe legen Depeche Mode mit Fragile Tension / Hole To Feed vor. Von der Doppelsingle wird vor allem Fragile Tension zu hören sein, sehr orientiert am aktuellen Clubsound, auch wenn es eigentlich gar kein Clubtrack sondern eher ein Pop-Epos ist, obendrein versehen mit einem Video. Hole To Feed ist für mich wesentlich spannender: nostalgisch reduziert, mit kleinen schrägen Tönen versehen, fast wie ein mit Sound untermaltes Gedicht, das endlos weitertuckern könnte – insgesamt natürlich sehr wenig mainstreamkompatibel. Das schlägt sich dann auch in der Chartpositionierung nieder. Klar ewrwartet man bei Single Nr.3 gar nicht mehr so viel, und Platz 39 klingt auch nicht so übel, allerdings ist es tatsächlich die schlechteste Chartplatzierung für eine Depeche Mode-Single seit 1982. Damals schlidderte die dritte in Deutschland notierte Single Leave In Silence gerade mal auf Platz 58 – und das war zu der Zeit richtig erfolgreich.

Ob es nun die neue Single war oder irgendein anderes Ereignis, welches nicht so genau nachzuvollziehen ist, auf jeden Fall kehrt auch Wrong, der Titel mit dem Depeche Mode in diesem Jahr zurück kehrten und eine lockere Nr.2-Position in Deutschland einfahren konnten, Wrong kehrt also nochmal zurück in die List auf Platz 75.

Seit September ist er wöchentlich auf dem Bildschirm präsent als Jurymitglied bei den Popstars, nun versucht Alex C. diese Präsenz zu nutzen und sein neues Material unter die kaufenden Massen zu bringen. Dancing Is Like Heaven ist sozusagen der Vorabgeschmack auf das für 2010 angekündigte Album Tabu. An der Seite von Alex C. wieder Yass mit ordentlich Autotune-Effekt auf der Stimme. Und so klingt Dancing Is Like Heaven auch ein wenig wie eine Mischung aus Schlumpfentechno und Kuschel-Song. Ich finds persönlich arg schwierig, die Popstars-Zuschauer sind auch nur halb überzeugt: Dancing Is Like Heaven startet auf Platz 41.

Noch mehr Fernsehen, noch mehr neue CDs: seit 16. November strahlt sat.1 die Daily Soap “Eine wie keine” aus. Die Titelmusik dazu kommt von ALEEN und Weisst du was Liebe ist ist ihr erster Charthit. Klingt irgendwie nach Rosenstolz … Platz 81 in der ersten Woche.

Mit einer weiteren Auskopplung, allerdings lediglich digital, bringt sich Sido zum Jahresende nochmal ins Gespräch. Während sich Hey Du! noch immer ganz gut verkauft (aktuell von 23 auf 28), geht es mit Geburtstag eher gemächlich los. Oder besser muss man sagen: es wird halt schlechter bewertet, da es ja in den media control-Charts um den Umsatz in Geldform geht, nicht um die Stückzahl. Denn eigentlich ist Geburtstag sogar ganz witzig … bzw. ordentlich voll mit schwarzem Galgenhumor und ich weiß jetzt auch nicht, warum das weniger Menschen gefallen sollte als die anderen Singles davor. Nun ja … für den Black Birthday gibt es Platz 91 für die e-Single und das ist bereits der siebte Titel, der 2009 eine Beteiligung von Sido verzeichnen kann. Das ist also ein äußerst aktives Jahr für den Rapper gewesen.