TV rules und dann noch paar Kleinigkeiten

TV rules – und der Quotenführer in der Woche 6. bis 12. November war Thomas Gottschalk mit seiner Samstagabend-Großfamilien-Show ”Wetten dass…?”. Live auf der Bühne begrüßte er The Black Eyed Peas, die ihren Hit I Gotta Feeling zum Besten gaben . Und so passierts, dass der Titel, der eigentlich in seiner 20. Woche schon langsam auf dem Abstiegspfad wandelte noch einmal ordentlich im Verkauf zulegen kann und von der 14 auf die 7 klettert. Ganze sieben Plätze nach oben und dann gleich in Höhen, wie sie zuletzt Anfang Oktober erreicht hatten. Die beste Platzierung stammt mit Platz 3 übrigens schon von Ende Juli des Jahres.

I Gotta Feeling gehört zweifellos zu den internationalen Hits des Jahres (jaja – es geht langsam los mit den Jahresauswertungen), Nr.1 in nahezu allen Ländern dieser Welt (außer in Frankreich und Deutschland) schaffte es in den USA den Rekord von 14 Wochen an der Spitze, in der Alltime-Auswertung die zweitbeste Performance eines Spitzentitels. Den wirklichen Rekord konnten die Black Eyed Peas aber damit setzen, dass sie mit I Gotta Feeling sich selbst mit Boom Boom Pow entthronten und insgesamt 26 Wochen hintereinander in den USA die bestverkaufte Band waren – oder anders formuliert: ein halbes Jahr lang.

Solch ein Erfolg kommt nicht von ungefähr. Hinter I Gotta Feeling steckt als Produzent der Mann des Jahres 2009 David Guetta. Sein letzter Überfliegerhit unter eigenem Namen Sexy Bitch/Chick steht in dieser Woche genau hinter den Black Eyed Peas auf der 8 (von 4 taumelnd). Bei den MTV Europe Music Awards waren die Black Eyed Peas sowohl als beste Gruppe als auch für den besten Song nominiert … da gingen sie allerdings leer aus. Nun ja … Und in Großbritannien ist soeben ihre neue Single (bei uns seit 20. November zu haben) Meet Me Halfway an die Spitze geklettert – dort die dritte Nr.1 in Folge. Noch irgendwelche Fragen?

Ebenfalls mit ”Wetten dass…?”-Effekt wieder nach oben geht es für Lady Gaga. Ihre (noch) aktuelle Single Paparazzi hält sich wacker auf Platz 6 (in der 9. Woche). Ordentlich Zuspruch hat im Vergleich zur Woche dagegen ihr Langzeit-Nr.1-Hit Poker Face: in der insgesamt 38. Woche geht es nochmal von der 45 hoch auf die 33. Poker Face ist für 2009 momentan der Titel, der die zweitmeisten ununterbrochenen Wochen in den Charts stand. Auf Position 1 steht momentan noch Haus am See von Peter Fox, das es 2009 auf 43 Wochen brachte. Rein rechnerisch kann Lady Gaga diese Anzahl in diesem Jahr auch noch zusammenbringen. Es bleibt also spannend bis zur letzten Woche des Jahres.

Und auch der allererste Titel von Lady Gaga Just Dance profitiert vom Wetten dass…?-Auftritt: von der 84 geht es hoch auf die 74 … und das in der bereits 50. Chartwoche. – Aber auch Lady Gaga kann aktuell mit einem Nachfolger aufwarten: Bad Romance steht in Großbritannien bereits auf Platz 8, auch die schweiz und Österreich melden schon Platzierungen. In Deutschland dauerts noch ein wenig, die e-Single ist zwar seit 30. Oktober erhältlich, aber natürlich durch die Umsatzauswertung ziemlich benachteiligt. Ab 20. November gibt es den Re-Release ihres Albums als The Fame Monster und eine Woche später erscheint dann auch Bad Romance als CD.

Mit gleich zwei Ereignissen im Rücken kehren Linkin Park zurück in das Mainstream-Bewusstsein. Zunächst erhielten sie am 5. November in Berlin den MTV Europe Music Award in der Kategorie ”Best World Stage Live Performance”. Und dann erschien vier Tage später der Film Transformers – Die Rache auf DVD und Blu Ray-Disc … und die Titelmusik zu diesem Film ist, wir erinnern uns, New Divide, der letzte Streich von Linkin Park. Erstmals war der Titel am 3. Juli in den deutschen Charts notiert, damals gleich auf Position 4 und damit das Ergebnis von Numb/Encore und What I’ve Done egalisierend. Ganze 19 Wochen war New Divide ununterbrochen in den Verkaufscharts gelistet, letzte Woche erstmals nicht mehr vertreten. Mit den oben beschriebenen Ereignissen gehts nun aber doch noch einmal ordentlich nach oben und New Divide steht wieder in der oberen Hälfte der Charts, auf Platz 39. Neun weitere Chartwochen sind damit garantiert.

Ebenfalls mit MTV-Hilfe schaffen es Green Day nochmal zu punkten. Sie traten bei der Verleihung der Awards nicht nur live auf, sondern holten sich gleich noch die Trophäe als ”Bester Rock Act”. In der Kategorie ”Beste Gruppe” reichte es leider nicht ganz. Dort mussten sie sich Tokio Hotel geschlagen geben. Macht aber nichts, denn 21 Guns, ihre zweite Comeback-Single, klettert in der 16. Chartwoche noch einmal von der 54 auf die 50. Die höchste Platzierung stammt vom 7. August, als 21 Guns auf Platz 13 der deutschen Charts einstieg.

Nochmal richtig hoch nachdem ihr Titel bei ”Popstars” von Elif, Manu und Valentia, Sandra interpretiert wurde,geht es für La Roux. Bulletproof ist nunmehr in der 13. Woche dabei (seit Ende August), hat sich auch schon bis zum Platz 13 emporgehangelt, und kann jetzt noch einmal sieben Plätze gut machen: von der 27 geht es auf die 20. Danke Popstars!

Im Aufwärtstrend – ohne nachvollziehbare Mega-Auftritte im TV – befinden sich im Moment Culcha Candela. Ihr aktueller Hit Monsta schlingert seit drei Wochen an der Top 20-Grenze herum: eingestiegen auf der 18 ging es in der letzten Woche auf die 21 und nun wieder etwas hoch auf die 19. Gerade waren sie auch bei den popstars in New York zu Gast, da dürfen wir in den kommenden Wochen also durchaus noch etwas mehr Nachfrage erwarten. Und wahrscheinlich punktet dann auch Schöne neue Welt nochmal, in dieser Woche gehts auch schon mal nach oben von der 52 auf die 50, in der 13. notierten Woche.

Das waren die älteren Titel, die sich nochmal ordentlich ins Bewusstsein zurückbefördern konnten. Und dann gab es noch ein paar komplett neue CD-Veröffentlichungen. Zum Beispiel von den Sugababes. Diese haben mit Get Sexy bereits seit Anfang Oktober ganz gut Promotion, denn sie sind auch auf dem Soundtrack zur deutschen Komödie ”Männerherzen” vertreten. Als CD erschien der Titel in Deutschland dennoch erst einen Monat später. Und der Titel kann schon jetzt als historisch bezeichnet werden, denn Get Sexy ist die letzte Veröffentlichung mit Keisha Buchanan. Sie verließ als letztes Gründungsmitglied das Trio im September und an ihrer Stelle agiert nun Eurovisions-Teilnehmerin Jade Ewen. Wenn wir also die Sugababes aus dem Jahr 2000 mit den Sugababes des Jahres 2009 vergleichen, dann gibt es da mittlerweile gar keine Gemeinsamkeiten mehr. Auch musikalisch hat sich eine ganze Menge getan. Get Sexy ist ein ziemliches Gemisch aus den wichtigsten Hitzutaten des letzten Sommers. Da piept es ordentlich wie bei Pitbull, die Elektro-Chords erinnern sehr an David Guetta und der Refrain … nun, der ist wohl schon etwas älter, denn Right Said Fred behaupteten bereits 1992 ”I’m Too Sexy For This Club”.

Get Sexy ist die 18. Single der Sugababes, die sich in Deutschland platzieren kann. Platz 41 als Vorabsingle zu einem neuen Album ist dabei allerdings ziemlich mager. Überhaupt stammt der letzte Titel der Sugababes, der nicht über Platz 40 hinaus kam aus dem Jahr 2004. So gesehen scheint eine Auffrischung der Sugababes durchaus Not. Oder ist es vielleicht doch der mittlerweile nicht mehr ganz so frische und unverwechselbare Sound? In ihrer Heimat Großbritannien sind die Sugababes noch ganz gut im Rennen. Get Sexy setzte sich bis auf Platz 2 durch und gerade startete dort die neue Single About A Girl auf Position 8.

Neu in den CD-Regalen ist auch Lenka mit Trouble Is A Friend. Es ist die zweite Auskopplung aus dem Album Lenka und für mich ist der Titel wesentlich eingängiger und lauschiger als ihre Debütsingle The Show. Diese konnte sich über den Sommer ganze 15 Wochen lang in den Charts platzieren mit Höchstposition 23, das ist schon mal eine ordentliche Leistung. Trouble Is A Friend sollte eigentlich mindestens das gleich schaffen, aber da gibt es doch ein paar Probleme mit der CD. Auf amazon zum Beispiel ist der Titel lediglich als mp3 erhältlich. Das auch schon eine ganze Weile, als Albumtrack ohnehin, als e-Single dann seit Anfang September. Ein paar physische Cds müssen es aber irgendwie doch in die Welt geschafft haben, denn Trouble Is A Friend steht in dieser Woche neu auf Platz 65.

Ebenfalls ihre zweite Single stellt CLARA vor. Ihr Debüt gab sie vor gerade mal sechs Wochen, als Guilty Pleasure, der Siegertitel des Internetcastings YoumeU.com, für eine Woche lang in den Charts stand. Nach diesem mehr oder weniger dämlichen Starttitel hatte ich vermutet, dass CLARA wohl ihre 5 Minuten Ruhm gehabt hat, aber jetzt legt sie doch noch mal ordentlich nach. Nicht nur im tempo der Veröffentlichungen, sondern auch musikalisch. Until the end (wirklich so fehlerhaft mit Kleinbuchstaben auf der CD-Hülle) ist zwar immer noch lange nicht der Überflieger, aber im Vergleich zu Guilty Pleasure liegen da schon Welten. Was generell fehlt ist so ein wenig Selbstbewusstsein und vor allem Eigenheit. Im Moment klingt CLARA eigentlich so ein wenig wie eine weichgespülte Variante von Rihanna … Und die Geschichte mit ihrer gestorbenen Oma, naja – das ist natürlich alles ganz herzig, aber eigentlich reicht das noch nicht um den Titel wirklich unverkennbar zu machen. Trotzdem: Until the end kann im Vergleich schon ordentlich zulegen und rangiert in der ersten Woche auf Platz 66. Wenn das so weitergeht, dann braucht sie noch 6 Singles bis zum Nr.1-Hit …

Ganz neu und ein absolut unbeschriebenes Blatt ist Saint Lu. So viel ist rauszukriegen, die Sängerin kommt aus Österreich und lebt mittlerweile in Berlin. 2003 versuchte sie ihr Glück bei der Casting-Show ”Starmania” – ohne Erfolg. nachträglich betrachtet kann man nur sagen: zum Glück. Denn wenn man ihre erste Single Don’t Miss Your Own Life hört, dann klingt das sehr schön uneingeschränkt, ein bisschen rau und rotzig, ein bisschen oldschool mit Gitarren, nicht tot produziert. Eigentlich ziemlich genau das Gegenteil von dem was Castingsshows meist so fabrizieren. Und dieser kraftvolle Titel kann doch ein paar Menschen überzeugen: Platz 80 in der ersten Woche.

Nach fast dreijähriger Pause ist eine weitere Dame zurück: Norah Jones. Ihr aktuelles Album The Fall erschien am 13. November – also genau nach dem Auswertungszeitraum für die vorliegenden Charts. Bereits im Vorfeld konnte sich die Single Chasing Pirates als Einzeltrack ganz gut verkaufen. Präsentiert in der Oliver Pocher Show gelingt Norah Jones so ein Neueinstieg obwohl der Titel gar nicht als e-Single bei amazon gelistet wurde. Da waren iTunes und Kollegen wohl etwas besser drauf. Und vermutlich wird Platz 87 auch nur der Ausgangspunkt sein für bessere Platzierungen. Mir zumindest gefällt Chasing Pirates ganz gut. Und das will was heißen, bisher fand ich Norah Jones ja vor allem wegen ihrer niedlich-verträumten Gedankentiefe eher anstrengend nervend. Ihren kommerziell erfolgreichsten Titel hatte sie im Jahr 2004 mit Sunrise. Dieses kam immerhin bis Platz 54.

Auch aus der Dance-Abteilung gab es zum 6. November ein paar Neuveröffentlichungen. Das Nebenprojekt von Yann Peifer und Manuel Reuter (bekannt durch Cascada) r.i.o. legt einen vierten Charthit vor. Serenade ist gewohnte Kost und vermutlich genau deshalb mit Platz 97 der am wenigsten erfolgreiche Charttitel des Projektes. Auch diesen Track gibt es lediglich als e-Single.

Richtig auf CD erschienen ist der nächste Streich von Mark ’Oh. Nachdem seine Version von United im August sogar bis zum Platz 48 aufsteigen konnte, ist der DJ offensichtlich wieder zurück. Auch sein neuer Titel ist eine Cover-Version und wieder arbeitet Mark ’Oh fleißig am anstehenden 90er Jahre Revival. Warum seine Wahl auf Scatman von Scatman John gefallen ist – ich habe überhaupt keine Ahnung. Eigentlich ist dieser Titel aus dem Jahr 1994 einer der in die Kategorie ”Bitte nicht mehr spielen!” gehört. 1995 erreichte Scatman Platz 2 in den deutschen Charts. Spaßigerweise war es unter anderem Mark ’Oh mit Tears Don’t Lie, der dem Scatman einen Nr.1-Hit verwehrte.

Die neue Version von Scatman ist für meine Begriffe nicht mal schlecht geraten. Wenn Mark ’Oh will, dann kann er eben doch. Da finde ich selbst die Samples aus dem Original nicht mehr so nervig. Leider gibt es aber für diese Version erstmal nur Platz 100.

Und ganz am Ende der Liste gibt es wie immer ein paar mehr oder weniger lustige Rückkehrer. Das sind Anna-Maria Zimmermann mit 1000 Träume weit (Torneró) auf der 88 – wieder dabei nach einer Woche Pause in der insgesamt siebten Chartwoche.

Nach acht Monaten Chartabstinenz kehrt Duffy mit ihrem Hit Mercy zurück in die Charts. Schuld ist in diesem Fall die 9-jährige Carlotta Charly Trumann, die genau diesen Titel in der Supertalent-Show sang. Das geht ans Herz und bringt Duffy eine 41. Woche in der Liste.

Zum Jahrestag des Mauerfall schafft es natürlich auch Westernhagen mit seiner Ode Freiheit noch einmal zurück auf die Playlisten. Erst im Januar diesen Jahres stand der Titel anlässlich des Best of-Albums von Westernhagen nochmal für drei Wochen in den Charts. Bis Platz 79 ging es da. Zum deutschen Jubiläum reicht es für Platz 90 in der 27. Woche.

Vor zwei Wochen erstmals dabei, letzte Woche draußen, jetzt wieder auf Platz 91 in der Liste ist Axel Fischer mit Du trägst keine Liebe in dir. Kein weiterer Kommentar dazu.

Mit dem neuen Album The Circle, das in der letzten Woche auf Platz 1 der Albumcharts startete, sind auch ältere Titel von Bon Jovi gefragt. Allen voran sein größter Hit aus dem Jahr 2000 It’s My Life. In dieser Woche reicht es für diesen Titel sogar zu einer Platzierung innerhalb der umsatzstärksten 100 Titel. Seit Oktober 2000 steht It’s My Life erstmals wieder in der Liste, auf Platz 96. Zur Anzahl der Chartwochen gibt es verschiedene Angaben. Chartsurfer.de zählt 22, musicline.de kommt auf 31. media control könnte hier Aufklärung geben, allerdings möchte das Unternehmen sein Wissen ungern preis geben. Schade eigentlich.

Das gleiche gilt für Ich + Ich. Ihr Album Gute Reise steht seit dem 13. November in den Läden. Bereits im Vorfeld geht neben So soll es bleiben (diese Woche von 82 auf 77) auch Vom selben Stern auf der 99 in die Liste. Es ist bereits die 60. Chartwoche für den Titel, Platz 3 war im juni 2007 die höchste Position.