17. Juli 2009: Kommende Sommerhits und MJ-Invasion Teil II

Eine dritte Woche steht Emilíana Torrini mit Jungle Drum an der Spitze der media control-Auswertung. Sie wiederholt damit das, was Daniel Schuhmacher Anfang Juni vormachte: als Newcomer in den Charts dreimal hintereinander die Nr.1 zu belegen. Den Titel „ErfolgreichsteR ChartdebütantIn 2009“ müssen sich die beiden nun teilen. Sortieren wir diese Auswertung nach den Geschlechtern, so folgt bisher bei den Frauen Ke$ha, die an der Seite von Flo Rida im April diesen Jahres bis zur 5 klettern konnte.

Auch Platz 2 der aktuellen Single-Liste bleibt mit Cassandra Steen feat. Adel Tawil stabil. Stadt befindet sich damit zum viertenmal auf der Vizeposition. Beide Titel haben im übrigen momentan sechs Top 10-Wochen auf ihrem Konto ... was natürlich noch nicht so wahnsinnig viel ist. Spitzenreiterin Lady GaGa bringt es mittlerweile auf mehr als 20 Wochen inm aktuellen jahr. Aber wer weiß wie lange die vorherrschende Konstellation bestehen bleibt.

Ein wenig Druck kommt von David Guetta feat. Kelly Rowland, die sich mit When Love Takes Over um einen Pplatz nach oben auf die Position 3 verbessern können. In der vierten Woche schnappen sich also die beiden eine neue Bestposition und die Zeichen stehen ziemlich gut, dass sie noch eine Weile ganz oben mitspielen werden. In den Dance Charts sind sie momentan unangefochten die Nr1.
Kelly Rowland steht mit der neuen Platzierung zum zweiten mal als Solokünstlerin unter den ersten 3. Im Jahr 2002 war sie an der Seite von Nelly mit Dilemma bereits an der Spitze gelistet worden. Als Teil von Destiny’s Child hatte sie allerdings ebenfalls schonmal die Ehre der Position 3, nämlich mit Lose My Breath im Jahr 2004.

Wie letzte Woche schon per Nebensatz angekündigt, startet Cascada mit ihrer neuen Single Evacuate The Dancefloor ordentlich durch. Es geht rein in die Charts auf Platz 6 – und das ist der besteverkaufte Start einer neuen CD in dieser Woche und somit der höchste Neuzugang. Nun haben uns Cascada seit 2004 schon mit einigen Hits mehr oder weniger beglückt, am erfolgreichsten waren sie dabei mit durchaus streitbaren Cover-Versionen, wie zum Beispiel 2005 mit Every Time We Touch, welches bis auf den Platz 5 steigen konnte und hierzulande immer noch die höchste Platzierung darstellt. Mit Evacuate The Dancefloor machen sie allerdings mit dieser Tradition Schluss. Und auch wenn ich kein Fan von Yanou, DJ Manian und Nathalie Horler bin, aber das was da aktuell von ihnen zu hören ist, klingt sogar für mich sehr ausgereift. Dance-Sound, der sich nicht hinter dem von David Guetta zum Beispiel verstecken muss. Ich würd mich hier sogar soweit trauen zu sagen: das ist das mit Abstand beste Stück Dance-Pop, welches das Trio bisher abgeliefert hat. In Großbritannien ist die Masse ganz ähnlicher Meinung und schenkt dem Act ihre erste Nummer 1. Wow! Kommt ja auch nicht so oft vor, dass eine deutsche Produktion im Vereinigten Königreich die Chartkrone erhält. Zuletzt war es der Crazy Frog, der im Mai 2005 mit dem Axel F.-Cover für vier Wochen die britischen Charts in Schach hielt. Damals gab es reichlich Kontroversen, bei Cascada ist das nun nich der Fall. Aktuell allerdings die Meldung: nach zwei Wochen war es das erstmal mit den Nr.1-Freuden in Britland. Jetzt wär’s an der Zeit, dass sie also auch im Heimatland noch ein wenig zulegen können. Statistisch gesehen ist Evacuate The Dancefloor in Deutschland die zweiterfolgreichste Single. Und nur ein einziges weiteres Mal, hatten sie schon die Freude, in den Top 10 zu stehen, nämlich Anfang 2008 mit What Hurts The Most. In Großbritannien stehen dagegen schon fünf Top 10-Titel in der Statistik.

Ein weiterer Neuankömmling in den oberen 10 ist Pitbull. Sein I Know You Want Me (Calle Ocho) wird landauf landab gefeiert und klettert dementsprechend ganz massiv von der 17 auf die 9. Was nun konkret den plötzlichen Sturm nach oben ausgelöst hat, kann ich nicht sagen. Zumindest mal so vie: in Frankreich aktuell die Nr.1, in Belgien und den Niederlanden auch, in den USA stand der Titel auf Platz 2 und Großbritannien meldet wie hierzulande Platz 9 (von der 13 steigend). Außerdem kursieren nun mittlerweile eine ganze Menge Erläuterungen, was da wie in dem Titel geremixt und gesampelt wurde. Auch eine spannende Geschichte, die bis zu Chicago zurückführt. Klar ist vor allem eines: der Sound stammt von Nicola Fasano und istfleißigen Clubgängern schon länger ein Begriff.

Neue CD – alter Song, das könnte bei Gossip dran stehen. Seit nunmehr vier Wochen werden sie mit Heavy Cross bereits in den Charts notiert. Jeweils mit steigender Tendenz. Nun ist auch die CD-Variante da und der Titel macht einen Sprung von der 34 auf die 11. Und die Medien hofieren die Band mit Coverfrau Beth Ditto gerade. Kein Magazin, dass die drei nicht irgendwie mit einem Artikel bedenken würde. Am Ende steht dann gern auch mal: ... Beth Ditto = das neue Role Modell. oder auch: Ist XXL das neu Cool? – Wie auch immer, Heavy Cross hat selbst ohne das ganze Image-Drumrum total hypnotischen Charakter und gehört eigentlich in jede gut sortierte Musiksammlung. In den Konsenscharts sind sie ohnehin momentan die Nr.1.

Einen ziemlichen Sprung nach oben legt auch Lily Allen hin. Not Fair geht in der neunten Woche von der 25 auf die 13 und erreicht eine neue Höchstposition. Und was hat ihrer Klage über die Probleme mit ihrem Freund nun in solch einen Aufschwung gebracht? Ich weiß es leider nicht. Es ist ein toller Song, er macht Spaß, es gibt wunderwunderbare Remixe in allen möglichen Stilen, na gut – das könnte ja reichen. Außerdem geht es ja für Lily Allen schon seit ihrem Charteinstieg immer wieder hoch und runter. Und die kleine Schwäche in der letzten Woche könnte ja auch ein Effekt gewesen sein, den Michael Jackson ausgelöst hat ...

Tja, und dann wird es auch in dieser Woche Zeit, den Blick auf die posthumen Michael Jackson-Platzierungen zu werfen, denn auch in dieser Woche gibt es noch einige markante Bewegungen und Verschiebungen. Die meisten der vor sieben Tagen zurückgekehrten Hits geben in der aktuellen Liste etwas nach, aber nicht alle. So steigt sein zweiter und bislang letzter Nr.1-Hit in Deutschland They Don’t Care About Us von der Position 26 auf die 12. Im internen Ranking ist es nunmehr der beliebteste Michael Jackson-Titel, nachdem er in der letzten Woche an siebter Stelle stand. Der Titel war die vierte Auskopplung aus dem Album HIStory: Past, Present and Future Book I und gehört zu den kontroversesten Veröffentlichungen des Künstlers. Vorwürfe gab es vor allem wegen kurzer Textpassagen, die antisemitisch empfunden wurden. Schließlich distanzierten sich auch die Radiostationen in den USA von dem Titel, was eine magere Platzierung auf der 30 zur Folge hatte. In Europa sah das ganz anders aus und Deutschland war sogar das einzige Land, in welchem der Titel auf die Spitzenposition kam. Der Grund für den neuerlichen Aufschwung könnte im auf youtube aufgetauchten Video zu finden sein, welches Michael Jackson bei einer Probe zur geplanten Tour zeigt. Es ist wahrscheinlich eine der letzten Aufnahmen, die den Künstler lebend zeigt, und er tanzt zu They Don’t Care About Us.

Ebenfalls in die aktuellen Top 20 steigt auch Heal The World. In der letzten Woche reichte es lediglich für den Platz 21, nun ist es die 18. Und diese Bewegung wundert mich ehrlich gesagt gar nicht: immerhin war dieser Titel ein Teil des Schlusschores der großen Abschiedszeremonie am 7. Juli. Und es ist auch einer der Titel, die signifikant mit dem Namen Michael jackson verbunden sind, denn Anfang der 90er gründete Jackson gleichzeitig die „Heal The World Foundation“, die sich vor allem für Kinder in Not einsetzt. Nicht zuletzt auch das ein Grund, warum der Titel nach wie vor beliebt ist.

In eine ganz ähnliche Richtung (rein von der Stimmung) geht Will You Be There. Und auch dieser Titel wurde auf der Abschiedszeremonie interpretiert, von niemand Geringerem als Jennifer Hudson. Und so schießt das Original auch in den Charts noch einmal nach oben und kann sich in dieser Woche auf der 26 behaupten. Vor sieben Tagen stand der Titel noch knapp in der unteren Hälfte auf der 52.

Und ein dritter Song aus der Trauerfeier kann sich in den deutschen Charts platzieren. Und das ist ein Titel, zu dem es eine etwas längere Geschichte gibt. Smile stammt aus dem HIStory-Album und war als sechste Single-Auskopplung geplant. Dann wurde die Veröffentlichung jedoch zurückgezogen und die bereits gepressten CDs und 12“ eingestampft. Einige wenige haben den Weg an die Öffentlichkeit gefunden und für diese muss man heute gut und gerne 500 $ hinlegen. Während der Trauerfeier wurde Smile von seinem Bruder Jermaine Jackson gesungen. Gerüchte besagen, dass die Version von Michael Jackson jetzt posthum doch noch veröffentlicht werden soll. Zusammen mit Is It Scary von dem Album Blood On The Dancefloor. Allerdings ... dazu gibt es momentan nur halbseidene Gerüchte. Smile schafft dennoch den Einstieg in die Charts und landet durch Digitalverkäufe auf Platz 91. Es ist der 41. Titel, der sich unter dem Namen Michael Jackson in Deutschland platzieren kann und das ist gleichauf mit den Beatles.
Zum Song Smile selber noch: es handelt sich bei diesem Titel um eine Coverversion, geschrieben als Instrumental von Charles Chaplin für seinen Film Modern Times im Jahr 1936.

Lust auf weitere Platzierungen aus dem Hause Jackson?
Hier kommen sie in ganz fixer Abfolge:
Thriller Platz 14 von der 9 – 22. notierte Woche
Earth Song Platz 17 von 12 – 28. Woche
Beat It Platz 20 von 14 – 27. Woche
Billie Jean Platz 22 von 18 – 33. Woche
Dirty Diana Platz 24 von 22 – 23. Woche
Black Or White Platz 33 von 31 – 26. Woche
You Are Not Alone Platz 35 von 33 – 26. Woche
Smooth Criminal Platz 38 wie in der Vorwoche – 22. Woche
Bad Platz 53 von 44 – 18. Woche
The Way You Make Me Feel Platz 64 von 61 – 15. Woche
Remember The Time 67 wie in der Vorwoche – 22. Woche
Don’t Stop ’Til You Get Enough 76 von 69 – 27. Woche
Wanna Be Startin’ Somethin’ 86 von 75 – 21. Woche (inklusive der Versionen mit Akon)
Stranger In Moscow 87 von 80 – 17. Woche
The Girl Is Mine Duett mit Paul McCartney 93 von 89 – in dieser Version die 6. Woche
Blood On The Dancefloor 94 von 92 – 13. Woche
You Rock My World 100 von 94 – 9. Woche
(insgesamt sind das 21 Titel in der Liste, drei weniger als vor einer Woche)

Für meine Begriffe ist das obere Viertel der Charts mal ganz annehmbar, aber weiter unten tummelt sich dann auch einiges, was in die Sparte Proletarisierung fällt. Zum Beispiel Frauenarzt & Manny Marc, die seit Wochen aufwärts klettern, letzte Woche mal aus bekanntem Grund einen Abrutscher auf die 50 hinnehmen mussten, aber jetzt mit Das geht ab! [Wir feiern die ganze Nacht] zurückkehrt auf Platz 25. Mal wieder eine Höchstmarke.

Der nächste Titel aus der Ecke „Mallorca – wir kommen!“ stammt von der Hannoveraner Band Marquess. Seit 2006 vergeht kein Sommer ohne einen zünftigen Españo-Hit der Jungs. In diesem Jahr heißt es Arriba. Allerdings scheint die ganz große Nachfrage nach neuem Material momentan noch nicht da zu sein. Mit Platz 28 geht es im Vergleich zu den ersten Singles der Vorgängeralben doch ein Stückchen nach unten. Na mal schauen, wie heiß der Sommer noch wird.

Richtig dolle Malle isses ja immer bei Peter Wackel feat. Chriss Tuxi. In diesem Jahr heißt es bei Ballermann, Oberbayern und Bierkönig kenn nicht deinen Namen… Scheissegal. Und alle werden mitgrölen. Klar. Zum Textüben (oder schon wieder zurück von der Insel?) kauft sich jeder einmal die CD – Platz 71 ist die Folge.

Und wer darf bei Schlager-Party-Discofox nicht fehlen? Richtig: DJ Ötzi. Er koppelt aktuell den Titelsong seines Nr.1-Albums Hotel Engel aus. Die meisten haben aber schon die komplette CD, und da reicht es für die Single eben nur bis zu Platz 84. Ich prognostiziere, dass da auch nicht allzu viel mehr folgt.

Ein guter Kollege von DJ Ötzi ist Jörg Bausch. Der stammt allerdings aus Deutschland und versucht seit ungefähr 10 Jahren in die Charts zu kommen. Mit dem Remix seines Titels Dieser Flug gelingt ihm das nun. 2006 gabs die Single schonmal, aber da war entweder Discofoxtrott oder einfach Jörg Bausch noch nicht in genug. Mittlerweile sind die deutschen Musikkäuferinnen völlig gaga im Kopf und da hat dann auch so etwas Chancen. Platz 85.

Und ein vorläufig letztes mal in die Charts geht Axel Fischer feat. Cora mit Amsterdam. Zwar wird es wohl weiterhin eine Menge KäuferInnen geben, aber die Regeln von media control sehen vor, dass der Titel jetzt erstmal bis Mitte Oktober zu pausieren hat. Darum ist der Wiedereintritt auf der 97 gleichzeitig auch ein Abschied. In die Statistik gehen insgesamt 18 notierte Wochen ein.

Eine neue CD gabs in der Woche 3. bis 9. Juli auch von Rapsoul. Tag eins nach dir kündigt das neue Album an. Platz 65 gibt es für die Rap-Ballade. Statistisch gesehen die schlechteste Platzierung für einen Rapsoul-Titel. Auf der CD ist auch der Titel Tanz in die Nacht, der in einer Dance-Version von Niels van Gogh in so mancher Diskothek läuft.

Die richtigen Partygänger gähnen natürlich bei m Namen Discobitch. Das französische DJ-Duo räumtemit dem Stomper C’est Beau La Bourgeoisie im vergangenen Sommer sozusagen das komplette Frankreich ab. Belgien und die Schweiz folgten dann im Herbst bzw. Winter. Und nun soll es auch in Deutschland losgehen. Wie gesagt, Clubber kennen das Teil schon zur Genüge. Der Mainstream folgt langsam: Platz 72 zunächst mal.

Party ganz anderer Art feiert Asher Roth. Mit seinem Debüt I Love College brachte er es in den USA bis ziemlich weit nach oben. Das was er da abliefert ist Crossover im besten Sinne: Raps auf knarrenden Gitarren. Und ich bin mir sicher, dass zu seinen Vorbildern solche Bands wie Linkin Park gehören. Aber es ist ja blöd, immer Vergleiche heranzuziehen. Also selber anhören! In der Woche der Veröffentlichung Neueinsteiger auf der 79.

Letzte neue Single, letzter Neueinsteiger in dieser Woche: die Österreicherin Christina Stürmer ist von ihrer In dieser stadt-Tour zurück nach Hause gekehrt. Zum Schluss schenkt sie den fans noch eine Single-Auskopplung: Mehr als perfekt. In ihrem Heimatland erschien diese auch ganz regulär als Silberling, in Deutschland – wo der Erfolg der Vorgängersingle Ist mir egal doch eher bescheiden war – verzichtet das Label auf eine Pressung und setzt auf Online. Schwierige Voraussetzungen für eine gute Platzierung. In der Woche der Veröffentlichung geht es auf die 99. Zum Vergleich: in den mix1.de Online-Charts steht Christina Stürmer in einer vierten Woche auf der 44. Höchstposition war die 23. Das ist doch mal was.