22. Mai 2009

Lady GaGa schreibt Chartgeschichte. Mit einer elften Woche an der Spitze der Charts gehört Poker Face jetzt zu den vier erfolgreichsten Titeln des Jahrzehnts (und damit im Moment ja auch des Jahrtausends ;-) ). Natürlich nur, was die Platzierungen auf der Position 1 betrifft. Vor ihr schafften 11 Wochen bereits DJ Ötzi & Nik P. mit Ein Stern (… der deinen Namen trägt) - wie schon erwähnt mit Unterbrechung – im Frühjahr 2007 und Shakira mit Whenever, Wherever ebenfalls im Frühjahr des Jahres 2002. Mit 14 Wochen auf der Position 1 war lediglich der Sommerhit des Jahres 2004 Dragostea din Tei von O-Zone erfolgreicher.
Mit diesem Überhit im Gepäck wird das Erbe des Folgetitels schwerer. Auf Lady GaGas Homepage wird fleißig Love Game promotet – typischer GaGa-Sound, eine Spur härter im Beat. In Großbritannien wird dagegen gerade Paparazzi ausgekoppelt, allerdings funktioniert der britische Markt ohnehin grad komplett anders und die Hits kommen und gehen wie sie wollen ohne den Bezug zu physischen Veröffentlichungen. Das wird also noch spannend.

Der große Verlierer der Woche ist damit Superstar Mark Medlock, denn Mamacita schafft es wiederum nur, die Vizeposition zu belegen. Die dritte Woche in Folge steht der Titel dort und die Chancen werden dünner und dünner, dass sich daran noch etwas zum Besseren ändern wird.
Für Milow ist dagegen jede weitere Woche unter den besten drei ein Wahnsinnserfolg. Ayo Technology kann auch dieses mal Platz 3 verteidigen und steht damit eine neunte Woche in Folge in der Spitzengruppe.

Die Veröffentlichung der Woche kommt von The Black Eyed Peas. Boom Boom Pow schafft es in der ersten Woche auf Platz 4 und liefert damit den höchsten Neuzugang. In Großbritannien hat es die Single auf Anhieb auf die 1 geschafft und Tinchy Stryder ft. N-Dubz von der Spitze vertrieben. In den entsprechenden Blogs allerdings wird dieser Fakt kontrovers diskutiert. Selbst eingeschworene Fans der BEP finden, das sei doch kein würdiges Comeback ... alles nur aus den 90ern geklaut und viel zu dance-orientiert. Tja, es ist wohl kaum zu überhören, da gibt es schon eine Menge Anleihen an alle möglichen Hit-Variationen inklusive Vocoder. Allerdings so schlecht ist das Ganze dann auch wieder nicht. Zumindest zeigt es die Black Eyed Peas in einem gehöigen Maße entwicklungsfähig. In den USA zeigte sich die Käuferschar von dem Exkurs sehr begeistert. Bereits nach Veröffentlichung als rein digitaler Track stieg der Titel bis an die Spitze der Charts. In Deutschland ist die Digitalvariante plus einer Trendsingle auch schon seit dem 10. April erhältlich, das hat allerdings niemanden wesentlich aufgeregt. Erst jetzt mit Erscheinen der Vollversion-CD geht’s rein in die Liste. Und dieser Sprung in die Top 10 ist ein nahtloses Anknüpfen an ihre letzte Veröffentlichung im Sommer 2006, als sie mit Sergio Mendes eine Neuinterpretation seines Klassikers Mas Que Nada unter die ersten 10 der deutschen Charts bringen konnten. Boom Boom Pow ist nunmehr der siebte Top 10-Hit der Black Eyed Peas und momentan zusammen mit My Humps aus dem Jahr 2005 der dritterfolgreichste, wenn da jetzt nichts mehr kommen sollte. Ihre größten kommerziellen Erfolge feierten sie 2003 als Where Is The Love und Shut Up nacheinander Nr.1-Hits waren.

Eine ganz ähnliche Statistik kann auch EMINEM vorweisen. Mit We Made You klettert er in der zweiten Woche von der 9 auf die 11 und liefert damit seinen elften Top 10-Hit ab. Seit 18. Mai ist auch das Album Relapse draußen und es ist anzunehmen, dass wir es in der nächsten Woche in den Albumcharts ziemlich weit oben entdecken werden. Zumindest waren die ersten Downloadzahlen bei iTunes und Kollegen dementsprechend. Könnte sein, dass auch die Single davon profitiert und noch ein wenig höher klettert, denn auch ein Platz 9 ist jetzt noch nicht dass, was wir von EMINEM gewohnt sind.

Einen Sprung unter die umsatzstärksten 20 Titel schaffen Green Day mit Erscheinen der Vollversion von Know Your Enemy. Bisher war der Titel lediglich als digitale Variante bzw. 2-Track-Single erhältlich, nun gibt es die Version, die neben dem Hit auch zwei Tracks enthält, welche nicht auf dem Album 21st Century Breakdown enthalten sind. Das ist natürlich für alle Fans Kaufanreiz genug und hievt die CD ganze 10 Plätze nach oben, von der 24 auf die 14. Für Green Day die drittbeste Platzierung hinter ihrer Top 10-Zusammenarbeit mit U2 und dem Klassiker aus dem Jahr 2003 Boulevard Of Broken Dreams (der es allerdings "nur" bis zu Platz 13 gebracht hat ... da könnte also noch einiges passieren).

Auf der 21 kehrt ein erfolgreiches Duo in umgekehrter Namensnennung zurück. Keri Hilson featuring Timbaland landeten 2007 mit The Way I Are einen Top 5-Hit. Der stammte aus Timbalands Album Shock Value. Nun hat Produzentin, Autorin und Sängerin Keri Hilson ihr eigenes Album am Start: In A Perfect World …. Und natürlich steht hier auch Mentor Timbaland für eine Zusammenarbeit zur Verfügung. Return The Favor ist dann auch der Titel und seit einiger Zeit gibt es ihn als Digitalsingle, nun auch auf CD und damit schaffen beide den Einstieg auf Platz 21. Timbaland war erst im Februar ähnlich erfolgreich mit seiner Zusammenarbeit mit Chris Cornell. Und wie schon vor drei Monaten muss man auch hier sagen: OK, aber nicht weltbewegend.

Nachdem Lily Allen im Februar für meine Begriffe doch eher überraschend mit The Fear auch in Deutschland überzeugen konnte – immerhin kam sie mit der Single bis auf Platz 12 / in dieser Woche vertreten auf der 56 von 45 fallend – liegt nun Auskopplung zwei aus dem It’s Not Me, It’s You-Album vor. Not Fair ist der Titel und dieser kann sich mit Veröffentlichung als CD sofort auf der 23 platzieren. Damit beweist sie noch eine ganze Menge Attraktivität. Offensichtlich sollte man Lily Allen für die Zukunft doch auf dem Plan haben. Übrigens gibt es zu Not Fair eine ganze Menge sehr unterschiedlicher Remixe. Reinhören lohnt sich da in jedem Fall.

Zurück nach gut drei Jahren sind auch Flipsyde. Bei ihnen hat sich allerdings eine Menge getan, denn aus dem Trio ist nun ein Quartett geworden, und die Vierte im Bunde ist nun Sängerin Chantelle Paige. Auf inoffiziellen Plattformen wird auch DJ Sharp als Bandmitglied geführt ... aber darüber können sich andere streiten. Der weibliche Zuwachs ist bei einigen Fans nicht so ganz gern gesehen: größere Poporientiertheit, Kommerzialisierung, Verflachung ... so in etwa die Vorwürfe. Die Comeback-Single When It Was Good ist dann auch entsprechend eingängig und landet bei Veröffentlichung auf Platz 42. Das ist statistisch betrachtet tatsächlich die drittbeste Platzierung. Ihr größter Hit bleibt aber nach wie vor Happy Birthday, dass auf einem Hit von t.A.T.u. aufbaute und 2006 bis auf Platz 4 kam. Von Ausverkauf kann also eigentlich momentan absolut nicht die Rede sein.

Langsam aber vehement aufwärts geht es für die Berliner Voc'n'Roller The Baseballs. Nachdem sie in der letzten Woche mit ihrer Coverversion von Rihannas Umbrella auf der 53 in die deutschen Charts einstiegen, schaffen sie in der zweiten Woche den Eintritt in die obere Hälfte und können einen lockeren Platz 43 ihr eigen nennen. Seit 15. Mai steht auch das Album Strike in den Läden und es könnte in der nächsten Woche somit noch die eine oder andere Position nach oben gehen.

Für alle Charts-Fans war Anfang Mai ein besonderes Datum. Denn genau vor 50 Jahren wurden die ersten deutschen Verkaufscharts veröffentlicht. Zumindest von der Zeitschrift Der Musikmarkt. Diese Charts sind der direkte Vorgänger zu den seit 1977 von media control veröffentlichten Listen. Charts gab es natürlich auch schon vorher. Seit 1953 veröffentlichte beispielsweise die Zeitschrift Der Automatenmarkt Listen der erfolgreichsten Titel.
Wie auch immer: das Jahr 1959 war für Oliver Geißen und Die ultimative Chartshow der Bezugspunkt, um am 8. Mai eine Sondersendung über gut 4 Stunden zu zelebrieren: "50 Jahre deutsche Charts". Und da kamen dann Dinosaurier und Nachwuchsmonster zusammen ... es kursieren ja mittlerweile auch schon Vorschläge, Oliver Geißen den Preis für "erfolgreichstes Musik-Recycling" zu verleihen. Denn außer DSDS und anderen Casting-Shows ist es eben immer wieder Die ultimative Chart-Show, welche längst tot geglaubte Titel wieder in die Charts spült. So auch zum Auftakt der diesjährigen Staffel. Da stand zum Beispiel das dänische Safri Duo live auf der Bühne und performte ihren Hit aus dem Jahr 2001 Played-A-Live (The Bongo Song). Und prompt geht dieser Titel wieder in die Charts, auf Platz 44, so hoch wie zuletzt im Oktober 2001. Es ist im übrigen das dritte mal innerhalb der letzten zwölf Monate, dass Played-A-Live notiert wird. Im Juli vergangenen Jahres und zum Jahreswechsel stand der Titel bereits fünf mal wieder in der Liste. Auslöser war auch da die Chartshow.

Und ähnlich ergeht es OMD (Orchestral Manoeuvres in the Dark). Nach ihrem Auftritt mit Maid Of Orleans, meistverkaufte Single im Jahr 1982 in Deutschland, geht genau dieser Titel wieder in die Liste auf Position 71. Im letzten Sommer nach der Chart-Show schonmal für zwei Wochen platziert und nun bei einer Gesamtwochenanzahl von 42.

Und noch mehr Fernseheinfluss: dass was RTLs "Ultimative Chartshow" ist dem ZDF Willkommen bei Carmen Nebel. Dort hatte ein Duo einen Auftritt, welches in dieser Zusammensetzung 1986/87 vermutlich sofort von 0 auf Position 1 geschossen wäre: Sandra feat. Thomas Anders. Aber nun ja - es hat 20 Jahre gedauert bis es zu dieser Zusammenarbeit kam. Leider ist das Ergebnis nicht 20 Jahre weiter sondern macht das, was auch vor 20 Jahren kaum mehr als verkaufsorientiertes Mittelmaß gewesen wäre. Aber gut: The Night Is Still Young ist der Titel, welcher aus dem Sandra-Album Back To Life stammt. Mit der Veröffentlichung steigt er ein auf Platz 46 und diese beste Platzierung für Sandra seit ihrer Zusammenarbeit mit DJ Bobo vor drei Jahren ist wohl tatsächlich Carmen Nebel zuzuschreiben. Es ist übrigens Sandras 26. Charttitel unter eigenem Namen, so viel wie zum Beispiel auch solche Künstler wie David Bowie oder Joe Cocker auf ihrem Konto zu stehen haben.
Für Thomas Anders ist es die 11. Chartplatzierung als Solo-Künstler und die beste Notierung seit 2004.

Bei der Nennung von Thomas Anders wage ich jetzt schon mal den Blick in die kommende Woche, denn er ist der neue Verleser der deutschen Punktvergabe zum Eurovision Song-Contest. Und der hat ja unerwarteterweise doch einige Schlagzeilen auch im Pop-Bereich generiert. Da dürfen wir gespannt sein, ob sich diese auch in Verkaufszahlen in der nächsten Liste niederschlagen. Der deutsche Beitrag von Alex Sings Oscar Swings! kann jedenfalls eine Woche vor dem Ereignis seinen steten Abwärtstrend umkehren und sich wieder in der oberen Hälfte der Charts platzieren: es geht von 55 auf 49. Wir wissen ja mittlerweile, dass es im internationalen Vergleich auch nur zu einem mageren 20. Platz gereicht hat. Obwohl die Performance sogar ziemlichen Schmiss hatte ... aber dazu nächste Woche mehr...

Tja, und dann gab es ja am 9. Mai das große DSDS-Finale. Jetzt wo ich diese Zeilen schreibe ist das alles schon ein uralter Hut und kein TV-Junkee kräht mehr danach. Aber die Chartsveröffentlichungen sind halt etwas langsamer ... Gewinner Daniel Schumacher sang in der finalen Show nicht nur seine erste Singleveröffentlichung und wohl künftige Nr. 1 Anything But Love, sondern auch Soulmate von Natasha bedingfield als seinen Lieblingssong. Und das gefiel den ZuschauerInnen. Soulmate wird nochmal auf iPods etc. geladen und schwappt für eine Woche in die Charts: Platz 86.

Neu in dieser Woche in den Verkaufsregalen auch die nächste Single von The Prodigy. Allerdings hat Warrior's Of Dance bei weitem nicht die Kraft wie andere Prodigy-Singles, auch nicht wie die von Vorgänger O. So wunderts auch nicht, dass es in den Charts mal grade für eine Position 64 reicht.

Wesentlich heißer sind da Empire Of The Sun. Ihre neue Auskopplung We Are The People sind lediglich als Digitalsingle veröffentlicht worden und es reicht schon für einen Sprung auf die 65. Ab 22. Mai sind weitere Remixe angekündigt, da wirds dann wohl noch etwas weiter nach oben gehen. Währenddessen klettert auch Vorgänger Walking On A Dream gehörig von der 94 auf die neue Bestmarke 55, auch das nur als Import bzw. eben digital erhältlich. Das ist Popmusik der Zukunft.

Und auch ganz aktuell zu haben sind Franz Ferdinand mit No You Girls - gewohnter Stuff, nach vorn gehend mit entsprechendem Refrain - und es langt für eine Platzierung auf der 80. Irgendwie will's in Deutschland nicht so richtig funken. Hmm...

Etwas besser stehen Oasis da, aber auch nur, weil es sie schon etwas länger gibt. Mit Falling Down geht es auf die 82. und es bleibt anzumerken, dass Oasis einer der Acts sind, die schon 18 Titel in den deutschen Charts platzieren konnten, aber nie die Top 10 erreichten. Ihre höchste Platzierung hatten sie 1995 mit Wonderwall auf Platz 17.

Und ganz zum Schluss nenn' ich noch eine Rückkehrerin in die Charts: Gabriella Cilmi schafft es mit ihrem Vorjahresdauerbrenner Sweet About Me nach dreimonatiger Zwangspause noch einmal auf die 99. Ich schätze, das wird kein allzu langer Chartaufenthalt werden.

Bis nächste Woche!!