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Jahresende 2008

31. Dezember – Zeit, nochmal kurz auf das vergangene Jahr zu schauen:
2008 kannte laut media control vor allem einen Hit: „Apologize“ von Timbaland presents OneRepublic aus Timbalands 2007er Album “Shock Value“. Am 23. November 2007 stieg dieser Titel direkt an der Spitze der deutschen Single-Charts ein und hielt sich dort acht Wochen lang, bis am 25. Januar 2008 ebenfalls mit einem Sprung auf die Position 1 Leona Lewis mit “Bleeding Love“ die Nachfolge antrat. Diese rangiert in der Jahresendauswertung von media control auch gleich auf Platz 2. Beide Künstler konnten sich 2008 mit weiteren Hits sehr gut verkaufen. Timbaland taucht (zumindest in den Booklet-Credits) gleich auf Platz 9 zusammen mit Madonna & Justin (Timberlake) und “4 Minutes“ auf. Außerdem noch auf Rang 76 mit “Scream“, dort als offizieller Partner von Nicole Scherzinger und Keri Hilson.
Leona Lewis war nach ihrem Debüt “Bleeding Love“ mit “Better In Time“ im Frühsommer noch einmal sehr erfolgreich und kann sich damit auf Platz 22 der Jahresendauswertung behaupten. Aktuell ist sie mit ihrer vierten CD-Single „Run“ vertreten.

Nun hat ja media control aus Gründen der besseren Vermarktbarkeit nicht wirklich das komplette Jahr 2008 als Auswertungszeitraum. Die Jahresendcharts liegen jeweils schon Anfang Dezember vor und werden dann auch in allerlei TV-Chart-Shows breit getreten. Auswertungszeitraum ist also Dezember 2007 bis November 2008. Wollen wir das Jahre etwas genauer eingrenzen und beachten, dann lohnt ein Blick auf die Auswertung von musicline.de. Allerdings werden dort nicht die Umsätze zusammen addiert, sondern jeweils die Chartauftritte mit Punkten bewertet und zusammengerechnet. So gibt es dort ein etwas anderes (und irgendwie auch spannenderes) Bild:
Auf Position 1 stehen hier Ich + Ich mit “So soll es bleiben“. Insgesamt 35 Wochen war das Duo platziert, vier Wochen konnte es sich auf Platz 3 halten. Der zweite Platz geht an Ida Corr vs. Fedde le Grand und „Let Me Think About It“, welches ganze 40 Wochen notiert war und damit zugleich den Titel stellt, der 2008 am längsten präsent war. Für die dänische Sängerin und den niederländischen DJ ging es bis auf Rang 14.
Erst auf Platz 3 steht bei musicline.de ein Nr.1-Hit. Aber keiner von den bereits oben genannten. Hier ist es Duffy, die mit “Mercy“ das Rennen macht.
Die beiden Spitzenreiter von media control werden bei musicline.de auf Platz 5 („Bleeding Love“) und 7 („Apologize“) geführt.

Was noch so an lustigen Statistiken über das Jahr 2008 zu erzählen ist, folgt hier (natürlich nicht zu ausführlich, denn media control hat ziemlich strikte Regeln, was die Verbreitung und Auswertung ihrer Charts betrifft):
Timbaland war der Musiker, welcher 2008 am häufigsten in irgendeiner Form in den Charts vertreten war. In der Summe mehr als 130 Wochen, die sich auf 7 reguläre Veröffentlichungen (wo er als Künstler offiziell auf dem CD-Cover genannt wird) und 3 weitere als Background (bei Justin Timberlake, Nelly Furtado und Madonna) verteilen. Außerdem zählt dazu seine Tätigkeit als Produzent für u.a. Ashlee Simpson. Mit dieser langen Liste dürfte er unbestritten der aktivste Künstler 2008 gewesen sein.
Als ausdauerndste Hauptacts konnten sich Ich + Ich durchsetzen, die 2008 mit 6 verschiedenen Titeln auf 116 Chart-Wochen kommen und damit Amy Winehouse (101 Woche mit ebenfalls 6 Titeln) im letzten Quartal des Jahres die Führung abgeknöpft haben.

Das Thema Dauerbrenner war im Jahr 2008 besonders aktuell. Die Bereinigungs-Regel für Titel unterhalb Position 50 besagt, dass jeder Titel, der 9 Wochen in den Charts notiert war nach seiner zweiten Notierung unterhalb Platz 50 aus der Liste gestrichen wird und erst wieder aufgenommen wird, wenn er mindestens Platz 50 erreicht bzw. nach einer Dauer von 3 Monaten. Danach beginnt die 9-Wochen-Zählung wieder von vorn. So weit die Theorie: In der Praxis kommt dazu, dass über entsprechende Internetportale mittlerweile ständig verfügbar sind und nicht mehr abhängig von den Angeboten klassischer CD-Händler. Noch vor 10 Jahren wäre ein Titel nach seinem Ausscheiden aus den Charts in Ramschregalen verschwunden und mit höchster Wahrscheinlichkeit nie wieder aufgetaucht. Heute sind drei Monate kein Hindernis mehr für Titel und in schöner Regelmäßigkeit tauchen aktuelle Dauerbrenner immer wieder in den Listen auf und schaffen es dabei noch zu ansehnlichen Platzierungen. In der Gesamtauswertung hat das den Effekt, dass die aktuellen Top 10 der am längsten platzierten Titel in diesem Jahr fast komplett umgekrempelt wurde von Titeln, die sich 2008 noch gut verkaufen konnten. Zwar steht als Spitzenreiter noch Wolfgang Petry mit „Die längste Single der Welt“, welches ganze 81 Wochen notiert war, aber ich bin sicher, in einem Jahr steht hier ein anderer Titel. Vielleicht ist es „Dieser Weg“ von Xavier Naidoo, der 2008 noch einmal 10 Wochen in den Charts stand (Höchstplatzierung 83 im März) und es nun auf 79 Wochen bringt. Mindestens ebenso gute Chancen auf die neue Führung hat der Weihnachtsklassiker „Last Christmas“ von Wham!, der in der Auswertung bei musicline.de jetzt 78 Wochen stehen hat. Auf den Plätzen 4 bis 8 stehen folgende Titel:
„Ein Stern (der deinen Namen trägt)“ DJ Ötzi & Nik P. 76 Wochen (letztmalige Platzierung am 24.10.2008)
“Fairytale Gone Bad“ Sunrise Ave 65 Wochen (letzmalig 30.05.2008)
“For You“ The Disco Boys feat. Manfred Mann’s Earth Band 64 Wochen (letztmalig 26.12.2008)
“Wonderful Dream (Holidays Are Coming)“ Melanie Thornton 61 Wochen (letztmalig 26.12.2008)
“Das Beste“ Silbermond 58 Wochen (letztmalig 21.11.2008)


Mit 4 Top 10-Titeln („Don’t Stop The Music“, „Shut Up And Drive“, „Take A Bow“ und „Disturbia“), davon drei direkt aufeinanderfolgend, konnte sich Rihanna wohl am erfolgreichsten in den Charts platzieren. Betrachtet man, dass die beiden anderen Singles 2008 von ihr, nämlich ihre Zusammenarbeiten mit Ne-Yo („Hate That I Love You“) und T.I. („Live your Life“) mit Platz 11 und 12 als Höchstposition nur ganz knapp die ersten 10 verpasst haben, so ist ihre Bilanz noch wesentlich eindrucksvoller und Rihanna derzeit wohl der beste Garant für einen Bestseller.

Einen Rekord ganz eigener Klasse stellte Paul Kuhn im Sommer auf. Durch seine Zusammenarbeit mit Mario Barth “Mensch, Berlin“ gelang ihm im Sommer nach 43,5 Jahren Pause die Rückkehr in die deutschen Charts. Er ist mit diesem Ergebnis 2008 auch der Künstler gewesen, der die längste Chartkarriere vorzuweisen hat. Natürlich ist dieser Rekord umstritten, denn die wöchentlichen Charts gibt es erst seit 1971. Paul Kuhns Platzierungen in den Jahren 54 bis 65 gehen zurück auf die monatlichen bzw. 14täglichen Auswertungen der Zeitschriften „Der Automatenmarkt“ und nach 65 auf die 14täglichen Listen veröffentlicht in „Der Musikmarkt“. So wie es Jörg Amtage und Matthias Müller in ihrem Compendium schreiben, sind dies die entsprechenden Charts zu den heutigen Top 100, aber nicht immer ganz einfach zu handhaben. Zum Teil wurden in dieser Zeit die Ergebnisse von gleichen Titeln unterschiedlicher Interpreten zusammengezählt und es lässt sich heute nicht mehr sagen, welche Version nun die eigentlich populärere war, bzw. ob einzelne Versionen in einer separaten Zählung überhaupt die Platzierung in der Liste geschafft hätten. Es ließe sich an dieser Stelle anmerken, dass es auch heute ähnliche Ungenauigkeiten gibt: So ist beispielsweise nicht immer eindeutig zuordenbar, welche Versionen von Michael Jacksons Hits sich in diesem Jahr platzieren konnten. Waren es die Originale oder die Remixe 08, die teilweise mit Gastkünstlern versehen worden waren. Auch bei Xavier Naidoo ergibt sich eine Ungenauigkeit: zur Veröffentlichung der unplugged-CD „Wettsingen in Schwetzingen“ stieg auch „Ich kenne nichts“ wieder in die Liste. Im Original eine Zusammenarbeit mit RZA, wurde es in Schwetzingen in anderer Besetzung interpretiert. Laut Downloadlisten war es genau diese unplugged Live-Version, die als Einzeltrack gekauft wurde. In den media control-Charts tauchte dennoch die alte Kollaboration auf.

Die Nummer 1-Bilanzierung habe ich in den letzten Wochen aus Anlass schon ordentlich breit getreten. Katy Perry ist 2008 die Künstlerin mit den meisten Wochen an der Spitze, ihr Produzent und Songschreiber Max Martin der erfolgreichste Künstler im Hintergrund. Die am längsten auf der 1 platzierten Titel kamen von Schnuffel („Kuschel Song“) und Kid Rock („All Summer Long“), die jeweils 8 Wochen die Liste anführten. Der Gerechtigekit halber muss an dieser Stelle auch „Apologize“ von Timbaland presents OneRepublic genannt werden, die insgesamt auch 8 Wochen an der Spitze standen, aber ihre Vorherrschaft bereits Ende 2007 begannen.
Madonna war die Nr1.-Künstlerin welche diese Position schon am längsten kennt, nämlich genau 21 Jahre. Am 8. Mai 1987
8.5.1987-9.5.2008 enterte sie mit “La Isla Bonita“ erstmals die Spitze, am 9. Mai 2008 stand sie zum bislang letzten Mal unterstützt von Justin Timberlake mit “4 minutes“ auf der 1.
Der Nr.1-Act, welcher am längsten brauchte, um 2008 endlich ganz nach oben zu kommen war Rosenstolz. Zehneinhalb Jahre brauchten sie seit ihrem ersten Auftauchen in den Charts um mit “Gib mir Sonne“ erstmals und nur für eine Woche am 12. September die Position 1 zu holen. Verglichen mit Herbert Grönemeyer, der etwas mehr als 18 Jahre brauchte um sich zum Nr.1-Star zu mausern (im Jahr 2002) ging es bei Rosenstolz dann doch schnell.

One Hit Wonder Of The Year war Paul Potts. Mit der Puccini-Arie “Nessun Dorma schaffte er es im August bis auf Platz 2 und verkaufte sich bis zum Jahresende in ordentlichen Stückzahlen. Einen weiteren Hit konnte er allerdings bislang nicht landen.

Letzter Gimmick: Nach 25 Jahren und 28 Tagen schaffte Michael Jackson es, seinen Hit “The Girl Is Mine“ auf Höchstposition zu bringen. Am 8. Februar 2008 stand er auf Position 21 und überbot deutlich seinen Bestwert aus dem Jahr 1982. Damals stieg der Titel zum Jahresende auf der 53 ein verschwand nach 4 Wochen wieder. Ganz regulär ist dieser Rekord allerdings nicht: 1982 war Michael Jacksons Partner Paul McCartney. Im Jahr 2008 war seine Stimme kombiniert mit der von will.i.am. Die Aufnahmen von Herrn Jackson sind jedoch die selben.

Charts vom 29. August 2008

In ihrer dritten Chartwoche erklimmt Katy Perry nun auch die Nummer Eins der deutschen Single-Charts. "I Kissed A Girl" steht derzeit sowohl in der Schweiz und in Österreich sowie in der vierten Woche in Großbritannien an der Spitze und wird in den USA als der 1000. Nr.1-Hit der Rock-Ära geführt. Die 24-jährige veröffentlichte bereits 2001 eine CD unter ihrem bürgerlichen Namen Katy Hudson. Um Verwechslungen mit der Schauspielerin zu vermeiden, wählte sie später den Geburtsnamen ihrer Mutter. Ihr derzeitiger Erfolg kommt nicht von ungefähr. Schaut man auf die Songwriter, so findet man mit Cathy Dennis, Dr. Luke und Max Martin ein enorm erfahrenes Produzenten- und Autorenteam. Cathy Dennis war beispielsweise Autorin von Kylie Minogues Nr.1-Hit „Can’t Get You Out Of My Head“. Im Duo mit Dr. Luke aka Lukasz Gottwald war sie zuletzt für die Sugababes und ihre Single „About You Now“ zugange. Dr. Luke seinerseits produzierte bereits die Backstreet Boys oder Kelly Clarksons „Since You Been Gone“. An letztgenanntem war wiederum auch Max Martin beteiligt, der seit Beginn der 90er für alle möglichen Hitlieferanten tätig war, unter anderem für seine schwedischen Landsleute von Ace of Base. Zuletzt war er als Autor von James Blunts „Carry You Home“ in den Charts unterwegs, aktuell auf Platz 69. Sein letzter Aufenthalt in den Top 5 war Pinks „U + Ur Hand“, die Nr.1 belegte er mit Britney Spears’ „… Baby One More Time“.

Katy Perry löst die Söhne Mannheims ab, deren Gastspiel an der Spitze nur eine Woche dauerte. "Das hat die Welt noch nicht gesehen" fällt auf Position drei zurück und wird ebenfalls überrundet durch Paul Potts, der nun, nachdem „Nessun dorma“ auch als CD erhältlich ist, noch einmal von Position 8 in die Spitzengruppe zurückkehrt und mit Rang 2 eine neue Höchstposition einnimmt. Wesentlich unterstützt haben dürfte ihn dabei sein Live-Auftritt vor dem Spiel von Bayern München gegen gegen den HSV vor 70.000 Zuschauern. Potts’ Album „One Chance“ befindet sich nach wie vor auf der Spitzenposition der deutschen Albumcharts. Luciano Pavarottis Version der Puccini-Arie hingegen ist nach 13 Wochen jetzt nicht mehr in den Top 100 notiert.

Höchster Neuzugang auf Position neun ist "Alles neu" von Peter Fox. Für den Frontmann der Berliner Dancehall-Formation Seeed ist dies die erste Soloplatzierung, abgesehen von einem einwöchigen Intermezzo vor fast genau einem Jahr als featured Artist an der Seite von Miss Platnum auf Platz 90. Rechnet man die Seeed-Singles „Aufstehn!“ aus dem September 2005 und „Ding“ vom März 2006 dazu, so ist „Alles neu“ der dritte Top 10-Hit von Peter Fox.

Auch Fräulein Wunder haben Grund zu jubeln. Nachdem die vier hessischen Newcomerinnen seit einiger Zeit täglich mit ihrem Bandtagebuch auf dem Musiksender VIVA präsent sind, landet nun ihre Debüt-Single "Wenn ich ein Junge wär" auf Rang 16.

Weitere Neuzugänge in den Top 50 sind auf Platz 23 "Just Dance" von Lady GaGa zusammen mit Colby O'Donis und US-Rapper Usher mit "Moving Mountains" auf Position 28.