31. Juli: Sommerloch, Sommerhits, Ferienzeit

Es ist weiterhin Ferienzeit in Deutschland. Kaum Veränderungen in der Single-Liste von media control und der Trend aus der letzten Woche setzt sich fort: Erfolgreiches aus den letzten Monaten kann noch ein wenig in der Platzierung zulegen, neu sind vor allem Party-Sommer-Bierkönig-Schlager.

Ganz oben tut sich also auch in der fünften Woche nichts: Emilíana Torrini liefert mit Jungle Drum die Nr.1 und hat damit den gesamten Juli lang die Auswertung beherrscht. Auf der Vizeposition verharrt in der mittlerweile sechsten Woche das Duo Cassandra Steen feat. Adel Tawil mit Stadt. Und auf die Position 3 kehren zurück David Guetta feat. Kelly Rowland mit When Love Takes Over, das der erste Titel, welcher auf wirklich keiner Party – egal ob independent technoid oder mainstream-disco – fehlen darf.

Tja und so still und ausgewogen geht es weiter durch die gesamten Top 10 und weiter bis zum Platz 16. Dorthin steigt in der dritten Woche Marquess mit Arriba. Damit holen sich die Jungs aus Hannover das fünfte maleinen Top 20 Hit und können ihre letzte Albumbilanz erstmal bestätigen, denn auch La Histeria aus dem Album ¡Ya! schaffte es letztes Jahr im Februar bis zur Position 15. Damit kündigt sich schon an, was dann weiter unten in den Charts noch mehr Relevanz besitzt: die Urlaubshits sind auf dem Vormarsch.

Ebenfalls mit einem kleinen Sprung gehen Reamonn unter die ersten 20. Moments Like This steigt in der siebten Woche von der 29 auf die 19 und ist damit die dritte Top 20-Auskopplung aus dem aktuellen Album. Das sind dann die einzigen Neuzugänge unter den oberen 20.

Knapp an den Top 20 vorbei schrammt zum wiederholten male Clueso. Gewinner geht in der 16. notierten Woche noch einmal von der 35 auf die 21.
Zu den aufsteigenden Titeln gehört auch in dieser Woche Lenka mit The Show. In der siebten Woche gehts von 36 auf die 23. Bereits in der letzten Woche hatte sie ja schon einen bemerkbaren Aufstieg absolviert, jetzt geht es also nochmal weiter nach oben.

Einen kleinen Sprung nach oben machen die Kings_Of_Leon mit ihrem Singledebüt aus dem letzten Jahr Sex_On_Fire. Es geht für sie von der 50 auf die 34 und damit auf einen neuen Höchststand für diesen Titel, bisher lag dieser bei Platz 43. Nun in der 31. Woche steht Sex_On_Fire also ganze neun Plätze höher. Und das ist ein kleiner Rekord, denn damit ist der langsame Aufstieg von Lady GaGa feat. Colby O’Donis übertrumpft, die mit ihrem Just Dance ganze 28 Wochen brauchten um die Höchstposition 10 am 27. März zu erreichen. Mit 31 Wochen bis zur Höchstposition gehören die Kings Of Leon auch in der All Time-Auswertung zu den langsamsten 10. Das letzte mal waren es Höhner., die für ihr Viva Colonia 31 Chartwochen brauchten, ehe sie 2007 die Position 20 erreichten.

Abgesehen von diesen mehr oder weniger jahreszeitenunabhängigen Titeln, die auch schon mehr oder weniger in die Abteilung ”Standards” gehören, geht es dann – wie schon erwähnt – vor allem für Bierkönig-Ballermann-Hits nach vorne. Höchster Neuzugang ist mit Tim Toupet beispielsweise ein Re-Entry. Seine Version des Fliegerliedes So ein schöner Tag geht in dieser Woche dank Wieder-Veröffentlichung im Latino Summer Mix wieder in die Liste auf Platz 31. Anfang des Jahres schaffte es der Titel bereits bei seinem Debüt als Höchster Neuzugang einzusteigen. Damals auf Platz 38. Im Laufe der Zeit ging es dann bis auf den sechsten Platz, womit Tim Toupet den Karnevalshit der Saison landen konnte. Ganze zwanzig Wochen war das Fliegerlied in den deutschen Charts notiert, bevor es Anfang Juni die Liste verlassen musste. Nun ist es also wieder da und vermutlich wird Tim Toupet nunmehr auch zu den Interpreten gehören, die am Jahresende in der Auswertung zumindest unter den erstn 20 zu finden sein wird.

Der höchste echte Neuzugang, also ein Titel, welcher noch nie vorher in den deutschen Charts notiert war, ist in dieser Woche Sean Paul mit So Fine. Nach gut zwei Jahren ist der Jamaikaner als Solo-Artist zurück und kann tatsächlich noch ordentlich punkten. Allerdings ist auch deutlich zu bemerken, dass seine eher klassische Variante des DanceHall gegen den neueren Hybriden Aciton wie ihn zum Beispiel Pitbull präsentiert doch deutlich den Kürzeren zieht. Auf den coolen Parties des Landes läuft Sean Paul mit Sicherheit trotzdem – in wilden Mashup-Mixen als Trance-Version zum Beispiel. Für So Fine geht es in der Woche der CD-Veröffentlichung auf den Platz 39.

Die nächste neue Single kommt von Jordin Sparks. Battlefield ist die Ankündigung des gleichnamigen Albums und steigt ein auf Platz 40. Es ist ihre insgesamt vierte Single, die bisher bestplatzierte in diesem Jahr, an die vorhergehenden aus dem Debüt-Album kann sie momentan jedoch nicht wirklich anschließen. Hier helfen auch nicht die ein wenig uninspirierten Disco-Trance-Remixe.

Neues Material nach mehr als zwei Jahren Pause haben auch 2raumwohnung im Gepäck. Ihr neues Album heißt Lasso und daraus gibt es erstmal den Titel Wir werden sehen. Dieser steigt auf der 43 ein. Es ist der insgesamt zwölfte Titel, den 2raumwohnung in den deutschen Charts absetzen können und er gehört zu den besser platztierten. Allerdings bleiben die Auskopplungen aus dem Vorgänger 36grad mit Platzierungen in den 20ern deutlich erfolgreicher – und sind auch für meine Begriffe die eingängigeren Titel.
Präsent war 2raumwohnung so auch in der Zwischenzeit durch die Neuaufnahme ihres Titels 36grad für das Cubano Aléman-Projekt von Rhythms del Mundo. Diese Version von 36grad geht parallel zum neuen Titel auch nochmal in die Liste: auf der Position 80 sammeln sie eine 12. Woche (übrigens die höchste Platzierung seit September 2008).

In der unteren Hälfte der Charts bestimmen die Mallorca-Hits das Bild. Neu auf der 53 das aktuelle Werk von Markus Becker. Nach dem roten Pferd ist es dieses mal Die bunte Kuh, welche das Partyvolk offensichtlich in den Wahn treibt. Als Performance in der ersten Woche ist die Platzierung allerdings nicht ganz so überzeugend. Selbst seine letzte Single Hörst du die Regenwürmer husten stieg in der ersten Woche mit Platz 23 deutlich höher ein.

Chris Andrews & Tobee gehen mit Pretty Belinda – Schlauchbott auf der 65 rein. Das ist eine Kombination des Hits von 1969 mit deutschen Schlauchboot-Versatzstücken. Das Ganze ordentlich mit einem Discofox-Beat unterlegt, fertigt ist der Mallorca-Kracher.
Tobee war im letzten Jahr mit seiner Fußballhymne schonmal auf der 70 zu finden. Für ihn ist die aktuelle Zusammenarbeit sozusagen ein Meilenstein. Chris Andrews hatte dagegen schon einige Hits in den 60ern – fünf davon waren auch in den damaligen Charts platziert. Pretty Belinda schaffte es dabei bis zum Platz Nr. 5. Danach gab es für ihn mit Carol OK noch einen Hit und dann folgte eine lange Abstinenz. Bis heute. Chris Andrews war damit fast 40 Jahre nicht in den Charts und feiert hiermit sein Comeback. Der letzte Alt-Star, dem ähnliches gelang war im letzten Sommer Paul Kuhn. Er konnte nach 43 Jahren Pause noch einmal in den Charts auftauchen.

Wer fehlt jetzt eigentlich noch? Ach ja, Mickie Krause zum Beispiel. Mit Düp Düp landet er einen 14. Hit in den deutschen Charts. Und dieser ist schon fast wieder etwas Besonderes, weil er fleißig den Scooter-Sound imitiert bis hin zu direkten Zitaten. In der Woche der Erstveröffentlichung gibt es dafür Platz 67 – mehr ist es auch tatsächlich nicht wert.

Zu Beginn des Sommers, im Juni, beglückte uns Antonia aus Tirol mit einem kitschig-debilen Aufguss von Torneró. Als Österreicherin hatte sie mit 1000 Träume weit aber dann doch nicht so den richtigen Erfolg: zwei Wochen in den Charts, Höchstplatzierung 89. Aber kein Problem, denn nun gibt es auch eine Variante von Anna-Maria Zimmermann. Diese ist dann doch ein klein wenig erfolgreicher und schafft in der ersten Woche Platz 71. Allerdings will das noch nicht viel heißen. Ihr Debüt Wer ist dieser DJ konnte sich im letzten Herbst auch nur eine einzige Woche auf der 66 platzieren. Und worin nun wirklich die Unterschiede der beiden Versionen bestehen ... sorry, ich hab’s nicht analysiert und höre liebe die italienische Originalversion von I Santo California.

Naja und dann gibt es noch DJ Düse mit Hu Hu Hubschraubereinsatz. Das geht dann wieder mehr zur Sache und rumst ordentlich. Ist aber genauso belanglos. Platz 75.

Und wenn wir jetzt schon bei den elektronischen Hits sind: atb landet seinen zweiten Charthit in 2009. Dieses mal heißt es Behind und als Partner wird die Band Flanders genannt. Ein wenig verwirrend: die Single ist offiziell seit 17. Juli zu haben, aber selbst auf der Homepage von atb wird darüber kein Wort verloren. Da muss man schon ganz schön suchen, um irgendwo bei Kontor dann doch fündig zu werden. Vielleicht erklärt das den etwas niedrigen Platz 87 - What About Us schaffte im Mai noch Platz 65.

Neu ist auch dabei Lily Allen, vielleicht die Künstlerin diesen Sommers. Ihr dritter Charttitel in diesem Jahr heißt Fuck You. Er stammt ebenfalls aus dem Album It’s Not Me It’s You, ist allerdings nur als Digitalvariante erhältlich und obendrein nicht mal als regulärer Single-Release. Deshalb wird Fuck You an die Popularität von Not Fair (derzeit Platz 13, von der 12 kommend) nicht anschließen können. Ist ohnehin ein nicht ganz so schwungvoller Titel, der Text dagegen ist gewohnt deutlich: Fickt euch, ihr Kleingeister! Super!

Lustig sind die Wiedereinsteiger aus der Ultimativen Chart-Show. Es gab ja jetzt schon einige Wochen lang nichts aus der Recycling-Fabrik, dafür jetzt um so deutlicher. Auf dem Programm standen die erfolgreichsten Latin-Hits aller Zeiten. Und das Ganze flimmerte bereits im Februar über die Bildschirme. Aber wenn schon Recycling, dann richtig, also wiederholen wir das Ganze nochmal und prompt steigen auch die selben Titel wieder in die Charts wie im Februar. Zum Beispiel Heroes del Silencio, die mit Entre dos Tierras genau wie im Februar, jetzt noch einmal auf der 77 auftauchen. Ebenso David Bisbal. Sein Silencio steht in dieser Woche auf der 79 … dann doch fünf Plätze besser als bei seinem letzten Auftauchen im Februar. Sind das eigentlich immer dieselben Menschen, die diese Titel wieder laden?

Und dann sind da ganz am Ende mal wieder drin: Metallica mit ihrem Klassiker Nothing Else Matters auf der 98 – in dieser Version das 50. mal notiert – die Simple Minds mit Stars Will Lead The Way auf der 99 – erst das dritte mal dabei – und P!nk mit So What, ihrem letzten Nr.1-Hit aus dem Herbst 2008, auf der 100 – das die mittlerweile 28. Woche.