12. Juni 2009: die Spitzenpositionen

Nun passiert es also endlich das, worauf Daniel Schuhmacher sicher schon lange gewartet hat: Er liefert die Top-Story der Woche. Denn Anything But Love steht eine dritte Woche in Folge an der Spitze der media control-Singlecharts. Damit ist er erst der zweite Superstar-Gewinner, der länger als zwei Wochen mit seinem Debüttitel auf Position 1 steht. Lediglich Tobias Regner war 2006 mit I Still Burn vier Wochen lang der Spitzenreiter. Bis zur Veröffentlichung des Albums ist es aber noch eine Woche Zeit. Das wird dann also wahrscheinlich schwierig für ihn, beide Listen gleichzeitig anzuführen.

Mit unglaublicher Vehemenz und Stärke behauptet sich Lady GaGa und Poker Face auf dem 2. Platz. Nach elf Wochen an der Spitze ist dies bereits die dritte auf der Vizeposition. Und das verleitet mich zu der Frage: Ist das schon der Hit des Jahres 2009? In Großbritannien jedenfalls steht sie seit genau dieser Woche mit Poker Face als bisher meistverkaufter Titel in der vorläufigen Jahresauswertung. Auf Rang 2 folgt dort sie selber zusammen mit Colby O’Donis und ihrem Debüt Just Dance. Und ebenfalls in Großbritannien klettert ganz langsam der Nachfolger Paparazzi nach oben – in dieser Woche Position 43.

Nach oben auf einen Medaillenrang geht’s für The Black Eyed Peas. Sie nutzen die ein wenig zu erwartende Schwäche der Top-Einsteiger aus der letzten Woche und haben mit den neuen Veröffentlichungen in dieser auch keine zu starke Konkurrenz. Boom Boom Pow steigt von 6 auf die 3 und ist damit der bestplatzierte Hit nach ihren beiden Nr.1-Singles Where Is The Love? und Shut Up im Jahr 2003. Auch hier steht das Album bereits in den Startlöchern, der Verkauf begann am 5. Juni und in der nächsten Woche werden wir sehen, ob sie es in der Album-Liste bis an die Spitze schaffen.

Der höchste Neuzugang und damit die erfolgreichste Neuveröffentlichung der Woche geht an ein Duo, welches zwei der erfolgreichsten Künstler Deutschlands zusammenführt: Cassandra Steen feat. Adel Tawil bauen eine Stadt. Es ist die zweite Single-Auskopplung aus Cassandra Steens Album Und darum leben wir. Der Titelsong stieg vor genau vier Monaten auf der Position 7 ein, der aktuelle Nachfolger schafft fast das selbe Ergebnis: Platz 8 in der ersten Woche. Cassandra Steen etabliert sich damit offensichtlich als feste Größe im deutschen Musikgeschehen. Und das auf sehr sympathische Weise. Wenn wir uns Stadt nämlich anhören, dann stellen wir fest, dass Adel Tawil vor allem die beklagenden und jammernden Textzeilen interpretieren darf. Damit bleibt er seiner selbstgewählten Rolle als Künstler ziemlich treu, bei Ich + Ich gibt es ja auch recht häufig diese leidende Haltung. Cassandra Steen hat in Stadt eindeutig den nach vorn schauenden Part. Sie geht mit ihrem Text radikal ans Bauen und Weitermachen. Und so wie die Inhalte sind, so klingen auch die Stimmen: Adel Tawil eher introvertiert gepresst, Cassandra Steen klar, deutlich, mit viel Hoffnung, trotzdem nicht ohne Soul. Jetzt frage ich: warum sind die Soul-Sänger in Deutschland alle so depressiv, hoffnungslos? Und warum schaffen es die Frauen (bzw. fällt mir jetzt außer Cassandra Steen gar keine weiter ein) aus dieser Hoffnungslosigkeit auszusteigen? Was sind denn das für seltsame Rollenbilder, die da in Deutschland vorherrschen und die (gemessen an den Verkaufszahlen) sogar flächendeckend Bestätigung finden? Ich denke wir können uns glücklich schätzen, dass Cassandra Steen die Musikszene so schön bereichert und ich hoffe, ihre männlichen Kollegen sind sich nicht zu fein, einiges von ihr zu lernen.
Noch ein klein wenig Statistik zum Schluss: für Cassandra Steen ist es der sechste Titel unter eigenem Namen, der sich in Deutschland platzieren kann. Adel Tawil steht zum dritten mal als ausführender Künstler in der Liste. Er hat natürlich als eine Hälfte von Ich + Ich schon eine ziemlich große Erfolgsbilanz vorzuweisen.

Zweiterfolgreichste Single der Woche ist Ashley Tisdale mit It’s Alright It’s OK. Die High School Musical-Stars werden erwachsen. Ashley Tisdale macht den Anfang. Heute erscheint ihr zweites Album Guilty Pleasures und im Normalfall dürfte man erwarten, dass sich kein Mensch mehr darum kümmert. Aber wieder einmal stelle ich fest: Disney baut eben doch etwas nachhaltiger seine Stars auf. Die Vorabsingle von Ashley Tisdale geht nämlich auf der 13 in die Charts. Das ist die höchste Platzierung, welche die Sängerin überhaupt je erreicht. Und das bedeutet, dass auch das Album mit ziemlicher Sicherheit recht gut abschneiden wird. Überhaupt bin ich ziemlich überrascht wie rockig Ashley Tisdale klingt. Irgendwie hatte ich sie eher popsoftig in Erinnerung. Jetzt ist ihr Sound viel eher in Richtung Miley Cyrus einzuordnen. Allerdings schlägt Ashley Tisdale ihre Disney-Kollegen was den kommerziellen Erfolg in Deutschland angeht doch ziemlich klar.

Und das war’s mit der Erstübersicht. Der Rest der Wochenrückschau kommt dann wie gewohnt am Montag.