8/28/2009

28.August 2009: Norwegen rules - Neue Nr.1 von Marit Larsen

Manchmal ist es wirklich vorhersehbar, wie sich die Nachfrage nach einem Titel entwickeln wird. Und dann ist es trotzdem erstaunlich wie präzise alles auch wirklich so eintrifft. Zum Beispiel in dieser Woche im Fall von Marit Larsen. War es in der letzten Woche nach ihrem großartigen Sprung unter die ersten 3 nicht klar, dass sie es innerhalb von sieben Tagen bis an die Spitze schaffen würde? Und trotzdem ist das mit den Voraussagen ja immer so eine Sache, weshalb dann vielleicht doch nicht zu laut spekuliert wird. Hier wäre es eine sichere Sache gewesen: Marit Larsen setzt sich mit If A Song Could Get Me You durch, liefert den umsatzstärksten Titel der Woche und verdrängt nach acht Wochen Emilíana Torrini mit Jungle Drum auf die Vizeposition. So löst eine Skandinavierin die andere ab. Von Island wandert Chartgold nach Norwegen. Ohne Zweifel: dieses Jahr ist ein skandinavisches. Wenn nicht sogar ein norwegisches. Ich erinnere nur an das fulminante Comeback von a-ha im Frühsommer (derzeit mit Foot Of The Mountain von der 28 auf die 27 leicht steigend) und an den Eurovisions-Sieg durch Alexander Rybak (Fairytale ist auch noch aktuell dabei und fällt von der 42 auf die 53). Und im Gefolge der durchaus auch erfolgreichen Musikerinnen befindet sich auch Maria Mena, die zwar nicht bis an die Spitze der deutschen Charts vorstieß, aber dafür durch dauerhafte Nachfrage (32 Wochen für All This Time (Pick-Me-Up Song) und 52 Wochen für Just Hold Me) in den letzten zwei Jahren ordentlich mitmischte.

Für Musik aus Norwegen sah es in den letzten zehn Jahren nicht ganz so rosig aus. Obwohl skandinavische Acts doch in regelmäßigen Abständen Nr.1-Hits landen konnte, liegt solch ein Erfolg für Norwegen schon einige Zeit zurück. Der letzte Nr.1-Hit in Deutschland mit zumindest norwegischer Beteiligung stammt aus dem Jahr 1997 und kam von Aqua, die mit Barbie Girl ganze sechs Wochen lang an der Spitze standen. Um den letzten rein norwegischen Act an der Spitze der deutschen Charts zu finden, müssen wir weitere 12 Jahre zurück gehen. Im November 1985 erreichten a-ha mit ihrem Debüt Take On Me für fünf Wochen die Nr.1. So gesehen tritt Marit Larsen also ein ziemlich großes Erbe an.

Mit Marit Larsen haben wir in dieser Woche die siebte Nr.1 des Jahres. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren wir in der letzten August-Woche bereits bei Nummer zehn. Allerdings … sieben Nr.1-Hits das war das Gesamtergebnis sowohl für das Jahr 1992 wie auch für 1990. So langsam geht es dann zur Zeit doch nicht mehr zu. Apropos langsam: Marit Larsen brauchte als Newcomerin ganze vier Wochen, um an die Spitze zu gelangen . Vorgängerin Emilíana Torrini benötigte eine Woche mehr, nur Superstar Daniel Schuhmacher war in diesem Jahr schneller, nämlich direkt von 0 auf die 1. Allerdings ist diese Aufzählung ein bisschen gemogelt, denn Marit Larsen war als eine Hälfte des Duos M2M im Jahr 2000 bereits sechs Wochen lang in den deutschen Charts vertreten. Ihr Titel Don’t Say You Love Me schaffte es damals im April allerdings nur bis Platz 80. So viel mal heute zu unserer neuen Nr.1.

Die Spitzengruppe komplettieren auf der 3 Cassandra Steen feat. Adel Tawil mit Stadt. Für Cassandra Steen ist dies die 15. Woche unter den ersten 10 im Jahr 2009. Damit zieht sie gleich mit Milow. Ihr auf den Fersen sitzen allerdings die Black Eyed Peas, die mit Position 6 für I Gotta Feeling ebenfalls auf 15 Top 10-Wochen kommen.

Ansonsten gibt es in den oberen 10 kaum Bewegung. Vielleicht noch erwähnenswert, dass Beyoncé nach einer schwachen zweiten Woche, mit Sweet Dreams nun doch noch einmal etwas Kohle nachlegen kann und von der 11 auf die 10 klettert, also wieder zu den großen 10 der Woche gehört.

Von den neuen CD-Singles, die am 14. August erschienen sind, schneidet am besten das neue Werk von Scooter ab. Mit dem Titel J’adore Hardcore sind die Fans schon ganz schön gefordert. Zumindest finden sich in diversen Foren lustige Diskussionen dazu, was denn der Titel nun wirklich bedeutet. Mit J’adore Hardcore kündigen Scooter ihr nächstes Album an, das vierzehnte, wenn ich richtig gezählt habe. Und wie gewohnt, ist dieser Titel ein buntes Allerlei aus Zitaten und Varianten. Ausgangsbasis dürfte Chase The Sun von Planet Funk aus dem Jahr 2000 gewesen sein, im Januar diesen Jahres auf kuriose Weise für eine Woche nochmal platziert gewesen. Scooter hatten sich bereits auf dem Album The Ultimate Aural Orgasm an dem Titel abgearbeitet und The Shit That Killed Elvis draus gemacht. Anlass für die neuerliche Bearbeitung dürfte die Version von Mickie Krause gewesen sein, die unter dem Titel Düp Düp momentan die Charts bevölkert (in dieser Woche von der 74 auf die 84 fallend). Nun also gibt es auch eine richtig echte Stadion-Techno-Version ohne alle Überraschungen. Das Volk mag’s und hievt die Single als höchsten Neuzugang in die deutschen Charts, genau auf Platz 12. Für Scooter ist es die 41. Chart-Single, und damit haben sie so viele Titel zu Buche stehen wie auch die Beatles und Michael Jackson.

Und so kann es gehen: die einen feiern bis zum Abwinken und die andern machen sich darüber mehr oder weniger Sorgen. Und beides passiert in der deutschen Musikwelt. Culcha Candela beschreiben in ihrer aktuellen CD-Veröffentlichung die Schöne neue Welt, in der zum Beispiel auch Scooter leben. Die Single klingt dabei bigbandmäßig, swingend. Warum das so ist … ich weiß es nicht. Bin ehrlich gesagt von diesem Stil (immer noch) nicht überzeugt. Das ist mir irgendwie zu Schubidu und zu sehr Unterhaltungsklamauk . Dazu gibt es einen mehr oder weniger zynischen Text, der aber das Ganze nicht wirklich rettet. Laut aktueller Umfragen macht sich ja die derzeitige Jugend besonders Gedanken über Umweltverschmutzung, Klimakatastrophe und Ölknappheit … hier setzen also Culcha Candela an. Aber mit welchem Ergebnis? ”Wir feiern bis alles zerfällt …” – klar meinen sie genau das Gegenteil. Aber so richtig konkret werden sie dann auch nicht (zumindest nicht hier in dem Titel.) Insofern ist es dann auch nicht mehr als Betroffenheitspop ohne neue Ideen – das allerdings gefällt insgesamt sehr vielen. Ist ja erstmal auch einfacher sich klagend hinzustellen, als wirklich was zu ändern – bei sich selbst zum Beispiel. Platz 15 nach einer Woche im Verkauf.

Und wenn wir schon beim Thema Hedonismus und Spaß sind: den aktuell wohl durchdachtesten Beitrag dazu liefert P!NK mit der Titelsingle aus ihrem letzten Album Funhouse. Es ist die vierte Auskopplung und P!NK erzählt eben nicht nur von der einen Seite, sondern wieder einmal von den Auf und Abs, von den fiesen Seiten des ewigen Zirkus und dass es sich lohnt immer bzw. sogar notwendig ist, immer wieder von vorn anzufangen. Das ist zwar nicht einfach, aber immer noch realistischer als die Beiträge aus Deutschland. Im Vergleich schneidet die CD dann aber doch am schwächsten ab: Platz 16 in der ersten Woche nach Veröffentlichung. (Vorgänger Please Don’t Leave Me steht dagegen mit Platz 42 – von der 40 kommend – noch recht gut da) Das liegt vermutlich allerings eher daran, dass es eben schon die vierte Single aus dem Album ist. Die meisten werden den Longplayer schon in irgendeiner Form zu Hause haben und deshalb auf den Einzeltitel jetzt verzichten können. Mit Platz 16 wird auch die Erfolgsserie erst einmal unterbrochen, die P!NK seit Ende 2007 vier Top 10-Hits in Folge bescherte. Insgesamt ist es ihr 20. Charttitel und in diesem Jahr der fünfte Titel, der sich platzieren kann.

Ich weiß nicht, ob sich die Plattenfirmen des Landes irgendwie abgesprochen haben … vielleicht ist es aber auch Zeitgeist, denn mehr oder weniger lässt sich auch zur nächsten Single ein Link in Sachen Sorglosigkeit, Selbstbezug, Hedonismus ziehen. La Roux, ein Elektropop-Duo aus Großbritannien, die mit Vehemenz und unglaublich konsequent die musikalischen und visuellen Ideen vom Anfang der 80er Jahre weiterspinnen, sind in Großbritannien so etwas wie die aktuellen Superstars. In For The Kill landete im April des Jahres auf der Position 2 in den UK Top 40, und Bulletproof drei Monate später sogar für eine Woche auf der 1. Dabei gelang La Roux sogar eine kleine Sensation: sie verhinderten mit Bulletproof nämlich, dass Michael Jackson post mortem nochmal eine Spitzenposition einheimsen konnte. Abstrakt gesprochen könnte man das so werten: Modernität / Zukunftsvision gewinnt vor Nostalgie und Romantik.

Was hat nun La Roux mit dem oben angeführten Thema zu tun? Nun – für mich stehen die frühen 80er, und dort solche Bands wie Visage, Yazoo, Depeche Mode … sehr stark in der Tradition von dem, was wir heute so schön mit Lebensdesinteresse oder Realitätsflucht eines Teils der Jugendkultur beschreiben. Damals ging es den Elektropopern um die Weiterführung bzw. Transformation des No Future-Punk mit strikt modernen Mitteln: also mit Elektronik. Konsequenterweise ließen sie dann auch ziemlich schnell jegliche traditionellen Instrumente weg oder griffen zu neudefinierten Varianten wie dem berühmten sechseckigen Drum. Der Sound sollte bewusst kalt und scheinbar lebensfremd wirken. Ebenso die Mode. Artifiziell und stylish. Im Endeffekt ging es damit direkt in den New Romantic-Style hinein, der vor allem individuelle Gefühle zelebrierte und anfangs möglichst weit weg von der täglichen Lebensrealität agierte. Und diese harte, scheinbar lebensfremde Attitüde feiert mit dem 80er Revival mehr oder weniger ein Comeback. Wenn wir den wirklich coolen Jugendsendern des Landes glauben dürfen, dann wird es in den kommenden Monaten noch einmal richtig vollelektronisch zur Sache gehen und alles was wir bisher an 80er Jahre Wiederbelebungsversuchen erlebt haben in den Schatten stellen. Projekte wie La Roux oder auch Fever Ray sind derzeit aus den Playlisten und Flagshipstore-Soundtracks nicht wegzudenken. Und ich schätze, dass sich danach die 80er endgültig erledigt haben. Wir steuern ja auch in ein neues Jahrzehnt und die 90er sind mit einigen (bislang noch ziemlich einfallslosen) ersten Reanimierungsversuchen schon präsent …

Noch ein kurzes Wort zu der Lebens- und Gefühlskälte der Neo-Elektropoper. Natürlich ist das Ganze vor allem erstmal Attitüde. Auch La Roux singen ”This Time I’ll Be Bulletproof” – kann man nur, wenn es noch so etwas wie Sensibilität und Gefühle gibt. Also nicht alles glauben, was auf der Packung drauf steht. Jedenfalls bin ich persönlich sehr sehr glücklich, dass La Roux es nun endlich auch zu einer regulären CD-Veröffentlichung geschafft haben und mit Bulletproof ihren ersten veritablen, kommerziellen Hit in Deutschland landen können. Platz 24 in der ersten Woche nach der CD-Veröffentlichung. Das versöhnt ein ganz klein wenig nach dem echt mageren Ergebnis vor einem Monat als In For The Kill lediglich digital erschienen war und nur eine einzige Woche auf der 92 landen konnte.

Natürlich gab es auch andere Themen in der Woche 14.-20. August 2009. Obwohl … Fuck You von Lily Allen ist ein Titel, über den ich auch sehr sehr gerne schreibe. Und das ist dann die Variante: Ich sage auch was mir nicht passt. Das Ganze verpackt in ein liebes, freundliches Liedchen. So kann Politik auch aussehen. Und angesichts der Tatsache, dass der Titel nur durch Downloads jetzt die Top 50 entert (nämlich von der 58 auf die 49), habe ich ja direkt noch Hoffnung, dass hierzulande auch noch etwas passieren kann, was nicht mit Geschäften und Lobbyismus zu tun hat. Danke Lily.

By the way: Not Fair verlässt in dieser Woche die Top 20 und rutscht auf die 23.

Nun hab ich also über die 80er geschrieben und ihr Revival. Und ich hab auch über Dekadenz und Realitätsflucht geschrieben. Und in beide Schubladen passt auch das neue Werk von The Disco Boys. Den meisten dürfte das Hamburger Produzenten- und DJ-Duo vom unkaputtparen For You bekannt sein, welches ursprünglich aus dem Jahr 2005 stammt, aber erst zwei Jahre später so richtig durchstarten konnte und seitdem eigentlich immer wieder irgendwo zu hören ist. Eigentlich war es schon ein Klassiker, bevor sich Borussia Dortmund zur letzten Bundesliga-Saison diesen Titel als Einlaufmusik wählte. Und so war For You bis in den Juli hinein immer wieder mal in den deutschen Charts platziert und hat mittlerweile 79 Chartwochen auf seinem Konto, was zusammen mit Xavier Naidoos Dieser Weg Platz 4 in der All Time-Auswertung der am längsten notierten Titel bedeutet. Bei For You wurde mit dem Sample von Manfred Mann fleißig aus den 70ern ziitiert – klar die Hochzeit von Disco und wenn man schon so einen Namen hat … Auch sonst waren die Disco Boys ganz gut unterwegs mit dem Jahrzehnt der Schlaghosen. Für ihre neue Single gehen sie aber in den Jahrzehnten etwas nach vorn und machen Halt in den 80ern. Der Titel „The Voice” stammt im Original aus dem Jahr 1981 von der Band Ultravox. Damals schaffte der Titel in Großbritannien eine Platzierung auf der 16 in den UK Top 40. Und damit die neue Version auch wirklich den Charme des Originals trifft, haben die Disco Boys Frontmann Midge Ure gefragt, ob er seinen Titel nicht noch einmal singen möchte. Und er hat eingewilligt. So also kommen wir nun in den Genuß von „The Voice”. Beim ersten Hören war ich allerdings ziemlich … nun ja, gelangweilt irgendwie. Mittlerweile habe ich das Ding nun wohl 10 x gehört und doch, es geht in die Ohren. Für meine Begriffe ist der Club Mix dabei aber nicht das Nonplusultra. Die anderen Mixe sind da irgendwie gängiger und nach vorn gehender.

Die Disco Boys feiern mit „The Voice” ihren zehnten Charthit. Platz 71 in der ersten Woche nach Veröffentlichung ist dabei allerdings nicht wahnsinnig überzeugend. Da war selbst die Vorgängersingle The Shadow im November letzten Jahres mit Platz 66 noch erfolgreicher. Und an die kann sich heute kaum noch jemand erinnern.

Midge Ure steht bei „The Voice” ein fünftes Mal als Solo-Artist auf dem Cover einer Veröffentlichung. Seinen größten Hit hatte er 1985 mit If I Was, welches in Großbritannien ein Nr.1-Hit war und auch in Deutschland bis zur Position 2 steigen konnte. Auf der Nr.1 in Deutschland stand Midge Ure bereits zweimal: einmal 1981 mit Visage und deren Hit Fade To Grey für insgesamt sieben Wochen und Anfang 1985 noch einmal für zwei Wochen mit dem Band Aid-Projekt und Do They Know It’s Christmas in der Originalbesetzung. Zählen wir alle Projekte, an denen Midge Ure beteiligt war, zusammen, so hat er mit „The Voice” seinen 15. Charthit.

So – und wenn wir jetzt schon mal bei den Acts sind, die sich den orden „Moderne Klassiker” umhängen dürfen: in dieser Woche beweist Scotty ein weiteres Mal, dass sein The Black Pearl einer der Dauerbrenner zur Zeit ist, denn zum zweiten Mal übersteht dieser Titel die dreimonatige Sperrfrist und landet nun zum Beginn seines dritten Chartaufenthaltes auf Platz 79. Das ist reichlich großartig, zumal Scottys Höchstplatzierung die 65 ist. Da hat sich also in drei Monaten an der Nachfrage nicht wesentlich was verändert. ich frag’ mich allerdings, ob sich angesichts des anhaltenden Erfolges Zooland rec. nicht endlich entschließen sollten, The Black Pearl auch mal auf CD rauszubringen?

Und für alle die es wissen wollen und bislang nicht rauskriegen konnten: hinter Scotty verbirgt sich der Göttinger DJ Oliver Dix.

Deichkind ist auch so eine Band, die gerade absolut dazu gehört. Egal wo man ist. In den letzten beiden Wochen war es Remmidemmi, was sich noch einmal in die Verkaufsliste reinschummeln konnte und noch einmal von der 99 auf die 97 klettert. Und jetzt gesellt sich Luftbahn noch einmal dazu. Das war die vorläufig letzte Single von den Hamburgern und diese stand im April auf der 36. Jetzt geht es noch einmal rein auf die 93.

Moderne Klassiker sind ja leider auch so etwas wie Gassenhauer oder Volkslieder. Und da das Volk nunmal nicht nur aus coolen und kreativen Midzwanzigern besteht, gibt es in dieser Kategorie auch allerlei Trash. Zum Beispiel Olaf Henning. Es vergeht wohl keine Alleinunterhalter-Geburtstagsparty, auf der nicht Cowboy und Indianer ertönt. Und ich hab den Titel wirklich auch schon aus privaten Autoradios erklingen gehört. Und dann ist ja (immer noch) Mallorca-Zeit. Also: Cowboy und Indianer ist mal wieder mit dabei in der Liste der meist verkauften und umsatzstärksten Titel. Auf Platz 98 – und bereits in der 41. Woche. Hier mal ganz fix meine Bitte: Kauft was anderes!

Ein Dauerbrenner im Moment ist auch Mando Diao mit Dance With Somebody. Der Titel hält sich bereits in der 32. Woche noch ganz gut in der Liste. Gerade geht es wieder einen Platz nach oben, von der 46 auf die 45. Aber um Dance With Somebody soll es gar nicht gehen, sondern um die dritte Auskopplung aus dem Album Give Me Fire. Und die heißt Mean Street, ist in Großbritannien sogar als EP erschienen, aber in Deutschland war der Erfolg der Vorgängersingle Gloria mit Platz 33 offensichtlich nicht überzeugend genug, so dass sich das Label Universal entschied, den Titel hierzulande doch nicht zu releasen. Tja, und nun muss sich also Mean Street mit einem dünnen Platz 89 begnügen. Der allerdings ein großartiger ist, wenn man mal bedenkt, dass ja auch die Promotion für den Titel eher im Nullbereich anzusiedeln ist. Also eine Platzierung nur durch Importverkäufe und vielleicht noch ein paar Einzeldownloads. Das ist groß.

Wieder dabei, aber nicht weil es schon zu den MUST PLAYs gehört, sondern weil einfach noch nicht die möglichen neun Wochen voll sind, ist Amy Macdonald. Poison Prince schlendert nach einer Woche Pause wieder zurück in die Charts auf die 95. Tja – und das war’s dann auch für heut. Bis demnächst wieder hier.

8/22/2009

Nicht viel Neues: Cinema Bizarre, Chairlift, Village Boys

OK Leute – versuchen wir den Laden zu rocken auch in der neuen Situation. MTV veröffentlicht die Top100 nicht mehr, bei VIVA hapert es auch grad ein bisschen ... schauen wir was wir mit der neuen Informationslage noch anfangen können. Also zum Beispiel könnten wir uns ja mehr auf andere Auswertungen berufen ...

Die Spitzengruppe habe ich bereits am Freitag abgehandelt ... das wird vermutlich auch so bleiben, denn media control gibt ja bereits dienstags eine Pressemitteilung mit den höchsten Neuzugängen samt oberen Platzierungen bekannt. Was gibt es sonst noch Neues auf dem CD-Markt (und damit auch in den Charts)?

Da meldet sich doch tatsächlich eine Band zurück, die jetzt mehr als ein Jahr lang nichts Neues von sich hat hören lassen. Da waren eventuell einige schon der Meinung: hier kommt nichts mehr. Aber das ist ein Irrtum. Cinema Bizarre leben noch und wenn ich mir ihre neue Single I Came 2 Party anhöre, dann muss ich sagen: Cinema Bizarre rocken sogar noch ordentlich. Und damit die Sache auch wirklich nicht schief geht, sind sie für I Came 2 Party eine fast erfolgssichere Kollaboration mit Space Cowboy eingegangen. Der Name sagt den meisten wahrscheinlich nicht viel, aber vielleicht der Sound. Denn die neue Cinema Bizarre klingt sehr stylish, fast möchte ich sagen gagaesk ... tja und das ist natürlich kein Zufall, denn Space Cowboy hat laut wikipedia ein paar knackige Remixe für Lady GaGa geliefert. Und da kann ich jetzt nur gestehen: das funzt auch ordentlich bei Cinema Bizarre. Mir gefällt sehr der GlamRock-Anklang, der ins Heute transportiert wurde. Ein wenig irritierend find ich die Autotune/Vocoder-Lyrics. Die find ich bisschen zu viel an Effekt. Und wenn wir schon beim wünschen sind: den Gesang würd ich mir jetzt auch noch ein bisschen abgefuckter oder knarziger wünschen. Alles in allem macht diese neue Single durchaus Lust, zumindest mal in das neue Album ToyZ reinzuhören. Erschienen ist es gerade jetzt. Die Single steigt als zweithöchster Neuzugang auf der 32 ein und ist rein statistisch der bestplatzierte Titel der Band nach ihrem Debüt Lovesongs (They Kill Me), welches 2007 in Deutschland bis zum Platz 9 emporschoss.

Das waren sie dann auch schon, die wirklich spektakulären und kommerziell relevanten CD-Veröffentlichungen. Und weil sich an neuem Material nicht wirklich so viel Bewegendes tut, ergreife ich hier mal wieder die Chance auf einen Langzeithit hinzuweisen. Da schleicht sich nämlich ganz knapp auf Platz 46 noch einmal Mando Diao unter die ersten 50. Die vergangenen zwei Wochen stand Dance With Somebody auf Platz 51 und das hätte nach offiziellem Chart-Reglement das Aus in dieser Woche bedeutet, wenn nicht – und genau das ist passiert – eine Platzierung innerhalb der Top 50 durch Umsätze erreicht würde. Nun also steht Dance With Somebody eine 31. Woche in der Liste, das ist nach Haus am See von Peter Fox der längste ununterbrochene Chartaufenthalt bisher in diesem Jahr. Und mindestens zwei weitere Wochen sind jetzt ganz regulär ohnehin schon vorprogrammiert.

Auch schon ein wenig älter – zumindest was vor dem Hintergrund der Verkaufscharts als alt gilt – ist die letzte Veröffentlichung von Mark ’Oh. Nachdem ich vor zwei Wochen ordentlich über United abgelästert habe, muss ich nun mit ziemlichem Erstaunen feststellen, dass sich das Ding wachsender Beliebtheit erfreut. Was genau so faszinierend an der Neuinterpretation des Hits von 1994 ist, weiß ich immer noch nicht. Ok – ein paar der Remixe funktionieren ganz gut für den Tanz der Nacht, unsäglich find ich immer noch die Gospel-Einlage, auch wenn sie aus dem Original –Nr.1-Hit von Prince Ital Joe & Marky Mark stammt. Ich brauch definitiv kein 90er Revival.
Lustigerweise findet sich United auch in keiner wirklich relevanten Dance-Hitliste. Irgendwie ein Phänomen. Ich tippe mal, dass die Käufergruppe noch zu jung ist, um Parties und Discos zu besuchen. Dafür allerdings ist der Chartauftritt ungewöhnlich. Kids rennen eigen tlich immer gleich beim Erscheinen der CD in den Laden und kaufen sich das Ding. Und danach geht’s schnell abwärts. Hier also ein Phänomen: United steigt in seiner dritten Chartwoche von der 64 auf die 49 und beschert Mark ’Oh seine höchste Chartplatzierung seit 2004. Ich staune!

Die physische CD ist auf dem Rückzug? Vielleicht noch nicht ganz, denn auch für Chairlift ist noch eine Single-Veröffentlichung angekündigt. Bekanntheit erlangte ihr Song Bruise allerdings vor allem durch den Einsatz als Werbespot-Soundtrack für den iPod Nano im vergangenen Herbst. Damals erschien auch ihr Album Does You Inspire You, zumindest in den USA. In Europa hat es einen Moment länger gedauert, dann nahm Columbia/Sony die Band aus New York in ihr Repertoire auf. Das Album erschien noch einmal in überarbeiteter Version und plötzlich ist auch Bruise wieder aktuell und erhält ein offizielles Video. Was nun aber die Käuferinnen aktuell dazu treibt, sich Bruise auf ihren iPod zu laden, das kann ich nicht nachvollziehen. Vielleicht ist es ja auch das ganz natürliche, langsame Wachsen einer Nachfrage. Der Einstieg in die Chartliste auf 81 ist ja nun auch nicht so ein wahnsinnig riesiger Sprung. Zur Musik vielleicht noch ein Wort. Da wird ganz viel drüber geschrieben, dass Chairlift in einen Topf gehören mit MGMT und Empire Of The Sun ... naja, vielleicht sind sie da ein wenig verwandt weil sie ein ähnliches Instrumentarium verwenden. Ich finde aber Chairlift viel eher in der Singer-/Songwriter-Ecke zu Hause. Das Ganze klingt mir doch etwas zu poetisch-romantisierend ... das sind MGMT auf ihre Art vielleicht auch, aber da gibt es mehr Brüche, die ich bei Chairlift eindeutig vermisse.

Und wenn wir Empire Of The Sun und MGMT schon mal anführen, die beiden Bands sind derzeit nicht nur ganz gut präsent auf allen möglichen hippen Frequenzen, sie sind auch im Verkauf (und dort mit Sicherheit vor allem im Downloadbereich) immer wieder und immer noch erfolgreich. Empire Of The Sun lieferten kürzlich (am 22. Juli) zur längsten Sonnenfinsternis des 21. Jahrhundertseinen exklusiven Online Event. Weiß nicht, wieviele Menschen das in Europa und Deutschland mit verfolgt haben. Und sicher hat dieser Auftritt auch gar nichts damit zu tun, dass We Are The People just in dieser Woche wieder in den deutschen Charts steht. Nämlich auf der 82. Und – das ist ein wenig verwunderlich – erst in der achten notierten Woche. Hmm.

Auf eine etwas längere Chartkarriere können dagegen MGMT zurück blicken. Kids befindet sich seit Ende letzten Jahres immer wieder mal in den Charts. Es ist der weitaus erfolgreichste Titel der Band und dieses ist Chartaufenthalt Nummer drei nach der dreimonatigen Zwangspause. Platz 83 gibt es in dieser Woche und das ist bereits die zwanzigste, in welcher der Titel notiert wird.

Was ist noch an modernen Klassikern bzw. Dauerbrennern wieder dabei? Zum Beispiel der Nr.1-Hit des letzten Sommers All Summer Long von Kid Rock. Auch dieser Titel hatte drei Monaten verordnete Pause, verkauft sich aber immer noch in ausreichendem Maße, so dass er jetzt wieder auf der 85 gelistet wird. Ein bisschen ist mir dieser anhaltende Umsatz auch ein Rätsel: Wer bitte hat den diesen Titel nicht schon auf seinem Player? Aber das sind eben die Geheimnisse des Long Tails ... All Summer Long sammelt in seinem dritten Chartaufenthalt eine 47. Woche ein. Ordentlich.

Rein raus, rein raus … so geht es bei Die Ärzte. Lasse redn, der Titel, der mit 37 Chartwochen der am häufigsten notierte der Ärzte ist, steht in dieser Woche zum sechsten Mal in der Auflistung der Neu- bzw. Wiedereinsteiger. Platz 94 wird vermerkt.

In ihrer 52. Woche stehen derzeit Ida Corr vs. Fedde le Grand. Let Me Think About It ist wohl auch so etwas wie ein Partyklassiker. In dieser Woche wieder dabei auf der 96.

Und der letzte Wiedereinsteiger fügt seiner Bilanz noch eine neunte Woche hinzu, und das freut mich besonders, denn Auflösen ist für mich eines der schönsten Lieder von Den Toten Hosen. Und eines der schönsten Liebeslieder derzeit ist es auch. Platz 98 und sehr sehr schade, dass dies die letzte Notierung sein wird.

So – und wenn ich weiter oben behauptet habe, da gäbe es keine CD-Neuveröffentlichungen mehr, dann habe ich natürlich absichtlich gelogen. Allerdings ist alles, was da noch so am Start ist, eindeutig Nischenmusik. Zum Beispiel die Village Boys. Das ist die aktuelle Boy-Casting-Group für Schwule. Zusammengestellt wurde sie vom Fernsehsender TIMM auf den verschiedenen CSD-Umzügen in Deutschland. Herausgekommen ist eine Neuversion der Village People, nur in ultrajung. Die Boys sind alle zwischen 20 und 30 Jahre alt, sehen genauso aus, ziemlich glattgeleckt, und kostümieren sich in der Tradition des Vorbilds aus den 70ern als Motorrad-Leder-Biker, Feuerwehrmann, Matrose, Polizist etc. Hmm – an dem Projekt kann man sicher gut finden, dass die Homos sich offensichtlich mehr und mehr in der Gesellschaft etablieren und auch mit den schlimmsten Projekten gut ankommen. Grässlich ist allerdings, dass die Band nur dumme Klischees wiedergibt – und da meine ich gar nicht die Männlichkeitsrollen von Bauarbeiter bis Cowboy – sondern das: Schwule sind nicht alle glattrasiert, feminin und unter 30. Da gibt es ganz andere. Und vor allem auch viele, die die Unrasierten mögen (an dieser Stelle empfehle ich mal einen Ausflug in eine x-beliebige Schwulenbar: der Vollbart ist da gerade ein Must Have). Aber gut, bei einem Casting kann nicht viel anderes rauskommen.
Ähnlich voraussehbar ist die Titelwahl. Auf wikipedia lässt sich die Geschichte finden, dass bei einer Abstimmung im Jahr 2008 unter den 50 schwulsten Liedern Kylie Minogues Better The Devil You Know auf Platz 7 landete. Und dieses Popstückchen hat man nun den Village Boys gegeben. Herausgekommen ist ein pompös-schwules Pop-Disco-Stückchen, nachdem sich garantiert sorgenfrei und anspruchslos feiern und tanzen lässt. Und da ist dann wieder das Problem. Kylie Minogue schaffte mit dem Original 1990 in Deutschland immerhin eine Platzierung auf der 24, in Großbritannien und Australien ging es sogar bis in die Top 5. Die Village Boys stehen mit ihrer bewusst sich abgrenzenden Inszenierung auf Platz 86. Da hatte selbst der erste Versuch einer schwulen Casting-Band im Jahr 2003 mehr Erfolg. Marilyn’s Boys konnten damals nämlich zwei Hits knapp unterhalb der Top 50 absetzen. Aber all das interessiert die Gay Community ohnehin nicht – let’s party boys!

8/21/2009

Keine Charts mehr - selber schuld

Tja - das hat sich eine Firma wie media control selber eingebrockt. Seit dieser Woche verzichtet MTV auf die Veröffentlichung der offiziellen deutschen Single-Charts. Stattdessen gibt es noch die Download-Charts (die ohnehin spannender sind) und die Euro-Charts, naja und die führenden Musiknationen wie Großbritannien und die USA sind auch noch aufgelistet. Deutschland hat sich dagegen ins Abseits und in die Bedeutungslosigkeit bugsiert. Und wie? - Ein Grund dürfte die völlig überzogene Informationspolitik der Firma media control sein. Sie achten nämlich enorm streng darauf, dass nur sie wirklich die Charts veröffentlichen dürfen. Oder man zahlt halt eine Menge Kohle. Klar, dass dann immer weniger auf die Liste zurück greifen und am Ende andere Auswertungen wichtiger werden.

Ein anderer Grund: das einmalige Auswertungssystem in Deutschland. Da erhalten Titel also Punkte nach dem Umsatz den sie gemacht haben. Eine verkaufte CD ist also mehr wert als ein (legal erworbener) Digitaltrack. Was da so innovativ klingt, erweist sich allmählich als Krücke, denn die CD-Verkäufe sinken weiter und die Downloads nehmen zu. In den Charts aber wird ein verzerrtes Bild dargestellt. Nämlich ein altes Medium wird überbewertet, während einem neuen die nötige Akzeptanz fehlt. Insofern ist es klar, dass MTV statt der übergeordneten Top 100 nur noch auf die Download-Charts zurückgreift.

Alles in allem kann man sagen: MTV verhält sich konsequent. media control dagegen ... naja, große gierige Firma mit Industrie-Interessen ... um Musik geht's da eigentlich nicht. Insofern: gut, dass sich bald niemand mehr für ihre Produkte interessiert.

21. August 2009: Ein Werbelied auf dem Vormarsch – Marit Larsen gegen Emíliana Torrini

Und noch eine Woche – die achte – verteidigt Emilíana Torrini die Spitzenposition in den deutschen media control-Charts. Wer hätte das vor mehr als zwei Monaten gedacht, als der Erfolg mit einer mehr oder minder öden Model-Casting-Show begann?
Allmählich können wir vielleicht auch mal vergleichen, was das heisst: Mit Lady Gagas Poker Face und Jungle Drum von Emilíana Torrini haben wir 2009 bereits zwei Spitzentitel, die es jeweils mindestens acht Wochen an eben dieser Position ausgehalten haben. Im letzten Jahr hießen diese beiden Titel Kuschel Song von Schnuffel (erinnert sich noch jemand daran?) und All Summer Long von Kid Rock. Und zum Jahreswechsel kam dann mit Katy Perry und Hot N Cold noch ein Achtwöcher dazu. Also alles Business as usual … eine schöne Serie für Emilíana Torrini und vielleicht auch noch mal ein Anlass in die Remix- und MashUp-Kiste zu schauen. Da gibt es klasse Versionen des Konsenshits.
Apropos Konsens: In den von Oljo ermittelten Radio Airplay-Charts musste Emilíana Torrini gerade die Führung abgeben und wird nunmehr auf Position 3 notiert. Nielsen Music weist einen Platz 10 aus – auch dort geht es um Radio Airplay. Und laut MTV steht Jungle Drum in Europa auf Position 8.

Nochmal einen Platz gut machen auch Cassandra Steen feat. Adel Tawil, deren Stadt nunmehr ebenfalls eine achte Woche auf der 2 verbringt. Auch hier kann ich heut mal die Radiocharts zitieren. Und da gibt es gleich noch eine dritte Auswertung, nämlich von Music Trace, und die geben für Stadt eine schöne Position 3 aus.

So, höchste Neueinsteigerin in den Top 10, Aufsteigerin um 10 Plätze und damit irgendwie auch Story der Woche ist Marit Larsen. Verspielt, pompös, hochjubelnd, romantisch , kitschig und ernst – alles das ist If A Song Could Get Me You in knapp dreieinhalb Minuten. Und seit dem 14. August gibt es auch Marit Larsens Album mit dem gleichen Namen, das könnte der Single in der nächsten Auswertung noch den entscheidenden Schub verleihen und sie geradewegs auf die Position 1 befördern. In den iTunes-Charts Mitte der Woche stand sie dort bereits vor dem neuen Werk von Culcha Candela. Das Album schafft es laut iTunes immerhin auf Platz 2.
Naja, der Song ist nicht nur eingängig und vereint so ziemlich alles auf sich, was man sich von einem anständigen Poplied wünscht, er hat zudem auch reichlich mediale Präsenz als Musik im TV-Spot für Sneaker-Loft . Von den Lesern des blogs tvsongs.de wurde If A Song Could Me You gleich mal zum beliebtesten Werbetitel im Juli 2009 gewählt. Da nimmt sich die Position 3 von media control fast mager aus. Warten wir also nächste Woche ab.

Um die aktuellen Top 10 voll zu machen, sei hier noch Pitbull erwähnt, der nach einer kurzen Verschnaufpause auf der 11 in dieser Woche wieder zurückkehrt auf die 10 und eine fünfte Woche mit I Know You Want Me (Calle Ocho) in den deutschen Top 10 zubringt. Und wem der Track nun doch schon aus den Ohren raushängt, der kann sich schon mal Hotel Room Service reinziehen. Auch dort wurde wieder schön in der House-Geschichte gegraben und die Hookline von Push The Feeling On der Nightcrawlers auf ein neues Level gehoben. Dürfte demnächst auch hier näher betrachtet werden. In den USA ist es bereits ein Hit und Großbritannien meldet auch schon erste Notierungen.

Und am Ende der Schnellübersicht zum Freitag (immer wesentlich basierend auf der media control Pressemitteilung von Dienstag) auch noch der beste CD-Start der Woche. Der geht an eine Künstlerin, die 2006 als das Wunderkind der neuen Ära „Soziale Netzwerke“ (oder in etwas gebräuchlicheren Worten „Generation MySpace“) berühmt wurde. Colbie Caillat gelang als einer der ersten Künstlerinnen die erfolgreiche Vermarktung der eigenen Musik ohne großes Musiklabel im Hintergrund. Und sie erzielte damit sogar einen beachtlichen Erfolg, nämlich eine weltweite Top 10-Platzierung mit ihrem Hit Bubbly. Nun ist etwas Zeit ins Land gegangen, Colbie Caillat wurde in der Zwischenzeit gern als Duett-Partnerin angefragt, da kommt die Ankündigung ihres nächsten Albums durchaus recht. Im Musikbusiness hat sich eigentlich einiges getan, die Firmen agieren allerdings immer noch so, als wäre seit 15 Jahren nichts passiert. Tja, und ein bisschen klingt auch Colbie Caillats Musik noch genauso wie vor drei Jahren. Fallin’ For You ist die Vorabauskopplung aus dem Album Breakthrough, welches ab 25. August in den Läden steht (seltsames Datum, ich nehm an es bezieht sich auf Amerika und in Deutschland ist Veröffentlichungstermin Freitag der 28.). Und mit dem Singlestart gelingt Colbie Caillat genau das, was sie im April an der Seite von Jason Mraz schon einmal vorgemacht hat: sie wird höchste Neueinsteigerin. Diesmal auf der Position 18 – und das ist gemessen an Chartplatzierungen schon jetzt ihr erfolgreichster Titel hinter Bubbly. Naja, gefällig ist der Song in jedem Fall. Ob er sich tatsächlich dauerhaft ins Ohr setzen kann, mag ich jetzt noch nicht beurteilen. Könnte auch sein, dass ich schon vorher genug habe …

8/15/2009

Ende der Ferienzeit: Zweitauskopplungen von Milow, David Guetta und Eminem

In Deutschland geht die Ferienzeit langsam zu Ende. (Obwohl sie in manchen Bundesländern gerade erst begonnen hat.) Das macht sich auch im Musikbusiness bemerkbar. Es gibt wieder CD-Neustarts, die eine Menge Leute in die Geschäfte treiben und demzufolge auch in den Charts recht weit oben lnden. In dieser Woche mit Nelly Furtado und Beyoncé gleich zwei in den Top 10. Aber natürlich spielen auch die Urlaubs- und da besonders die Mallorca-Hits weiterhin eine ganz wichtige Rolle. Zum Beispiel Frauenarzt & Manny Marc. Ihre Atzensingle Das geht ab! [Wir feiern die ganze Nacht] ist landauf landab der Kracher, ganz besonders aber auf Mallorca. Laut wikipedia sind die beiden in diesem Sommer jeden Sonntag ins „Riu Palace“ geflogen, um ihren Gassenhauer zu präsentieren. Naja, das muss man natürlich auch erstmal wollen. Für Frauenarzt & Manny Marc geht’s allerdings vorrangig um Spaß, und ich schätz’ mal, den haben sie trotz all der Herumfliegerei und Bombenattentate noch genug. Zumindest reicht es um den Umsatz der Single nochmal zu erhöhen: Platz 9 in dieser Woche und damit der erste Top 10-Hit für die beiden.

Für einige Acts, war die erste Augustwoche (denn der Verkauf aus dieser steht hinter der aktuellen media control Liste) das Datum, in denen nach mehr oder weniger großem Erfolg eine Nachfolgesingle ins Rennen geschickt wurde.
So folgte von Milow nach dem umwerfenden Erfolg von Ayo Technology (auch in dieser Woche noch gut positioniert auf der 24 von der 22 leicht fallend) zum ausklingenden Sommer You Don’t Know. Bei diesem titel handelt es sich genau genommen allerdings gar nicht wirklich um ein Follow Up, sondern um seinen ersten Hit – zumindest in seiner Heimat Belgien. Im Frühjahr 2007 war dieser Titel bis auf Platz 3 der flämischen Ultra Top 50 geklettert. Zuvor war Milow bereits 2004 mit diesem Song beim Musikerwettbewerb „Humo’s Rock Rally aufgetreten und auch positiv aufgefallen – allerdings reichte es damals noch nicht für den kommerziellen Erfolg. Nun also ist dieser erste Hit von Milow auch in Resteuropa veröffentlicht worden. Stimmung und Sound sind identisch zu Ayo Technology: leicht melancholisch, unterstützt mit akustischer Gitarre und sehr auf Milows Stimme setzend. Dem deutschen Publikum gefällts: Platz 17 in der Woche der Veröffentlichung. In Österreich, der Schweiz und Großbritannien geht es dagegen etwas vorsichtiger los: zwischen Platz 33 und 56 ist da das Ergebnis.

Einen Nachfolger (der keiner ist) gibt es auch von David Guetta. Sein When Love Takes Over mit der Stimme von Kelly Rowland bestimmt derzeit noch alle Discotheken und Parties in Gesamteuropa – steht in den deutschen Dance Charts unangefochten auf der Position 1 und in den allgemeinen Single-Charts auf Platz 4 (von der 3 verdrängt). Seit 24. Juli ist ein weiterer Titel aus dem anstehenden Album One Love erhältlich: Sexy Bitch ist in Zusammenarbeit mit Akon entstanden, angeblich haben sich die beiden gesehen und sind sofort ins Studio. Der Track ist ein elektrifizierender Dancefloor-Killer, der sogar When Love Takes Over an Direktheit noch übertrifft. Akons Vocals und der Elektrobeat von David Guetta ergänzen sich dermaßen, dass man sich kaum noch eine andere Kollaboration vorstellen kann. Aber die kommt ... denn ab 5. August steht ein weiterer Song aus dem Album bei iTunes: Gettin’ Over, dann wieder mit Partner Chris Willis. Mit dieser Stück-für-Stück-Veröffentlichung geht die Plattenfirma (oder David Guetta selber) einen ziemlich cleveren und innovativen Weg der Vermarktung. Momentan scheint die Taktik aufzugehen: Sexy Bitch steigt in den Dance-Charts auf der 3 ein und in den Single-Charts auf 20 (durch reine iTunes-Verkäufe). In der Schweiz reicht es sogar für Platz 2 und Österreich meldet Platz 10. In der nächsten Woche werden wir dann sehen, ob es Gettin’ Over zu ähnlichen Höhen bringt und ab 21. August können wir beobachten was mit der Lang-CD geschieht. Momentan geht in Sachen Dancefloor ohne den französischen DJ in Europa jedenfalls nichts (außer vielleicht in seinem Heimatland selber, wo ja DJ Laurent Konrad samt Kunstfigur Helmut Fritz gerade sämtliche Talk-Shows und Parties beherrscht. Aber das ist eine andere Geschichte.

Nachfolgesingles von Herren sind das Thema der Woche: Auch EMINEM schickt eine nächste Auskopplung ins Rennen. Aber Beautiful kann nicht an den Vorgänger We Made You anschließen. Obwohl in physischer Form als CD erhältlich, geht die Single gerade mal auf Platz 39 in die Liste. Da scheint eine ganze Ära langsam zu Ende zu gehen … Erfolgreicher HipHop klingt irgendwie doch anders und setzt momentan eher auf Elektronik oder wenigstens Funk/Dance statt auf leicht betagten Gitarrensound.

Neues CD-Material in der Langfassung gibt es seit 31. Juli von 2raumwohnung. Lasso steht in den Regalen und schafft es, als bester Neustart der Woche durchzugehen: in den Album-Charts auf Platz 5. Davon profitiert (wie bei anderen Veröffentlichungen auch immer wieder) ebenfalls die Singleauskopplung Wir werden sehen. Nach dem Einstieg auf Platz 43 vor zwei Wochen, rutschte der Song vor einer Woche gar auf die 60 und kann nun mit neuem Wind nochmal auf die 45 zurückkehren. Erfahrungsgemäß sind solche Ausreißer zum Start des Longplayers nur eine kurze Episode. 2raumwohnung dürfen damit eindeutig als Album-Act eingestuft werden, was bei ihrem Sound eigentlich nicht ganz selbstverständlich ist . Für die Fans von Einzelauskopplungen sei hier mal der Paul Kalkbrenner-Remix empfohlen …
PS: 36grad in der Variante von Rhythms del Mundo klettert auch nochmal etwas mehr als 20 Plätze auf die 71 – ob das allerdings wirklich mit der Albumveröffentlichung zusammenhängt oder einfach nur noch mal ein Urlaubs-Feeling-Aufbäumen ist … wer weiß …

Unter „ferner liefen“ können wir die Wiederbelebung der 90er durch Klaas meets Haddaway ablegen. Klaas, seines Zeichens DJ aus Köln, hat sich im letzten Jahr durch den Remix von Infinity für das Guru Josh Project einem breiteren Publikum bekannt gemacht. Nun hat er also genug Credibility, um als eigener Hauptact auf dem CD-Cover geführt zu werden. Und offensichtlich hat Klaas ein ziemliches Faible für 90er Eurotrash, denn der Griff zum Hit What Is Love ist für mich schon einigermaßen mutig. Haddaway, ein Sänger/Interpret aus Trinidad & Tobago hatte 1993 mit diesem Titel einen europaweiten Sommerhit. . In Deutschland belegte er damit zehn Wochen lang Platz 2, von der Spitze ferngehalten durch Ace Of Base mit All That She Wants und Snow mit Informer. Für Haddaway gab es im Jahr darauf noch einen Nachfolgehit mit dem Titel Life, den kennt heute aber fast niemand mehr, und genauso sieht es mit den anderen acht Titeln aus, die sich in den 90ern von ihm noch in den Charts platzieren konnten. 2003 gabs dann ein kleines Comeback für What Is Love, in der Reloaded-Version ging es dann immerhin noch bis zum Platz 51, Haddaway selber hatte wenig davon: sein Versuch über die unsägliche „Comeback“-Show einen Neustart seiner Karriere zu initiieren scheiterte kläglich.
Nun also ist sein größter Hit wieder zurück unter dem Titel What Is Love 2K9, in den Discotheken schlug der Titel mehr oder weniger ein, zumindest kam er in den Dance-Charts sogar bis auf Platz 1 – für mich ein wenig unerklärlich, warum eigentlich. OK, Klaas macht nichts anderes als bei Infinity auch, und das sind halt Zutaten, die zu jedem Dancefloor-Burner derzeit gehören, aber warum dazu diesen abgenudelten Hit verwenden. Das hätte es wirklich nicht gebraucht und wirkt auf mich eher uninspiriert. Mit Erscheinen der CD-Version kann sich der Titel dann auch nur auf Platz 80 einordnen ... in diesem Zusammenhang frage ich mich dann allerdings schon, wie der Track auf Platz 1 der Dance-Charts gekommen ist. 90er Euro-Disco braucht kein Comeback. Wirklich nicht.

Mit Haddaway könnten wir auch die Rubrik eröffnen: Evergreens – Moderne Klassiker. Und damit landen wir direkt bei Deichkind. Nach wie vor gibt es noch keine konkreten Infos, wie es mit dem Trio nach dem Tod von Produzent Sebastian Hackert im Februar nun wirklich weitergeht. Zumindest standen und stehen ein paar Festivalauftritte auf dem Plan. So waren sie Anfang August auf dem „Juicy Beats“ in Dortmund und kurz darauf auch beim „SonneMondSterne“. Für einige Festivalbesucher gehören Deichkind offensichtlich zu dem besten und wichtigsten, denn ihr Dauerbrenner Remmidemmi (Yippie Yippie Yeah) schafft mal wieder eine Platzierung in der Liste. Dieses Mal geht es auf die 93 ... und das ist die höchste Platzierung seit ziemlich genau einem Jahr.

Und auch Metallica landen mit Nothing Else Matters als Dauerklassiker noch einmal auf dem Platz 100. Für Statistiker: es ist die 51. Chartwoche für diese Version des Titels.

Unbedingt noch an dieser Stelle zu nennen sind Dúné aus Dänemark. Auf den Schulhöfen dieses Landes genießen sie seit ihrem Debüt im Jahr 2007 ziemlich großes Ansehen. Nun kündigen sie ein zweites Album mit dem Titel Enter Metropolis an. Die Single, welche Lust machen soll heißt Heat und im Prinzip hätte der Titel genug Kraft, um ordentlich einzuschlagen und zu einem echten Hit zu werden. Leider sind der Band (oder der Plattenfirma) irgendwie wohl die Hände gebunden ... oder sie haben sich bewusst entschieden ein Geheimtipp zu bleiben. Im Verkauf landen sie nach Veröffentlichung der Single lediglich auf Platz 94. Und das ist eindeutig zu wenig.

Und klar, eines der aktivsten Labels derzeit Zooland rec. hat auch mal wieder eine Veröffentlichung zu feiern. Die kommt (wie gewohnt) rein digital und stammt in dieser Woche von Rob & Chrs. Zumindest Rob alias Robin Brandes ist nicht unbekannt, als Rob Mayth hat er sich in der Dance-Szene schon ganz gut präsentiert. Und unter dem Pseudonym Dave Darell gehen bereits drei Charthits auf sein Konto. Nun also im Duo ein neuer Track: Superheld ist der Titel, sogar mit Text, geht ein bisschen in die Spaß-Ecke. Platz 95 gibt’s dafür.

8/14/2009

14. August: Nelly Furtados Angriff auf die Nr. 1

Ja – da passiert jetzt doch noch was am oberen Ende der media control-Charts. Nach sechs Wochen ziemlicher Stabilität gibt es (endlich) wieder einen Titel, der ganz oben mitmischt und die traute Ruhe etwas stört. Und es ist keine Geringere als Nelly Furtado, die mit neuem Material aufwartet und derzeit zu den erfolgreichsten Künstlerinnen in Deutschland zählt. Anfang des Jahres stand sie an der Seite von James Morrison für fünf Wochen auf der Position 1 mit Broken Strings. Jetzt folgt mit Manos Al Aire der Nachfolger. Der Titel ist die Ankündigung ihres komplett spanischsprachigen Albums Mi Plan, welches am 11. September erscheint. Vom ersten Anhören scheint mir der Sound ihres letzten Albums Loose deutlich fortgeführt. Zumindest Manos Al Aire setzt spürbar auf rhythmische Perkussion, angereichert durch einen leicht folkloristischen und melodiösen Refrain. Sieht so aus, als würde Mi Plan eine Melange aus Loose und dem Vorgänger Folklore sein. Und offensichtlich trifft Nelly Furtado damit den Nerv der Zeit. Manos Al Aire geht geradewegs in der Woche der Single-Veröffentlichung auf Platz 2. Es ist der fünfte Top 3 Titel für sie und der neunte, welcher es unter die ersten 10 schafft.

Nur eine kann sich gegen den Ansturm von Nelly Furtado erwehren. Und das ist die alte und neue Nr.1 von Emilíana Torrini. Jungle Drum steht damit eine siebte Woche an der Spitze der Auswertung und das wäre unter Normalumständen schon eine eigene Schlagzeile. Aber in diesem Jahr ist alles ein wenig anders, weil Lady GaGa mit ihrem Poker Face bereits uneinholbar alle Titel des Jahres für sich beansprucht. So wird Emilíana Torrini als die Nr.2 des Jahres in die Geschichtsbücher eingehen. Sieben Wochen auf Position 1, das ist zumindest das erfolgreichste Ergebnis einer Chartdebütantin in 2009 und außerdem das beste Ergebnis für einen isländischen Act.

Mit Nelly Furtados Sturm an die Spitze rutschen natürlich sämtliche Titel um einen Platz nach unten, so belegen also Cassandra Steen feat. Adel Tawil mit Stadt in dieser Woche noch die Position 3 usw. Aber schon auf Platz 8 startet die zweite neue Single in dieser Woche. Und die kommt von Beyoncé. Sweet Dreams stammt wie die beiden Vorgängersingles vom Am … Sasha Fierce-Album und es ist bereits die vierte Single in Folge, die eine Platzierung unter den ersten 10 erreichen kann. Für mich ist Beyoncé allerdings nach wie vor nicht unstreitbar. Klar kommt ihr ziemlich gut produzierter Soul-R’n’B bei der Masse der Musikkonsumentinnen gut an.
Aber irgendwie ist mir das alles zu gefällig, die Lyrics dann doch zu sehr Bilderbuch träume. Für die meisten scheint das alles jedoch kein Problem: Sweet Dreams ist Titel Nr.15 unter Beyoncés eigenem Namen in den Charts und sie kann so mit der Bilanz von Destiny’s Child gleichziehen. In Platzierungen ist sie ohnehin erfolgreicher.

8/10/2009

Mallorca-Party all over und nur ein bisschen echte Musik

Und hier ist Teil 2 meines Rundumschlags ... entlanghangelnd an den media control-Charts. Die ganz großen Hits und Kracher (zumindest laut Umsatzzahlen) hab ich ja bereits am Freitag abgefeiert. Zu den großen und wichtigen Stücken in diesem Sommer gehört aber auch unweigerlich Pitbull. Egal welche Feier, egal welche Stadt in Europa I Know You Want Me (Calle Ocho) tönt aus den Boxen, gehört einfach dazu. Kein Wunder also, dass Pitbull europaweit auf Platz 3 geführt wird. Tja – und der Erfolg kommt nicht von ungefähr ... Pitbull steht für die konsequente Weiterentwicklung des Dancehall/Raggaton, kombiniert mit Elektro, Acid, Sampling ... und natürlich gibt es da auch schon eine ganz eigene, weltweite Szene, die dem neuen Hybrid-Sound aus Latin, DanceHall und Techno frönt. Mit etwas Glück findet ihr beim Surfen auch ganz schöne Bastard-Varianten im Netz ... mein Tipp aktuell: der DNA vs. Lazyboi-Remix von Calle Ocho. Enjoy it! – Ach ja: in Deutschland klettert der Titel laut media control in seiner siebten Chartwoche nochmal von der 10 auf die 8 und erreicht damit eine neue Bestplatzierung. Verdientermaßen!

Und weiter geht’s mit Neuheiten aus der Woche 24. bis 30. Juli. Da können wir gleich im Genre Latino-Sound bleiben, denn in diesem Sommer ist (mal wieder) spanisch eine der angesagten Sprachen im Urlaubs- und Sommerhitreigen. Allerdings steht Jay del Alma weniger für die wilden durchtanzten Nächte als vielmehr für die Kuschel-Love-Affair-Ballade. Mi Corazón ist eine romantisch verkitschte Karibik-Variante von Heinz-Rudolf Kunzes einzigem wirklich kommerziellen Hit Dein ist mein ganzes Herz. Das Original schaffte es im Januar 1986 bis auf Platz 8 der deutschen Single-Charts. 2002 gab es schonmal ein Remake von DJ R.O.C.K., welches es sogar zu Chartehren brachte. Nun also erneut eine Variante, wie gesagt auf spanisch und in kuschelweich gespült – auf der CD gibt es auch eine spanisch-deutsche Version mit Original-Ausschnitten von Herrn Kunze versetzt. Die Zielgruppe ist wahrscheinlich eher etwas jünger, denn so naiv lauschig kann das Bild von der Karibik bei erwachsenen Menschen eigentlich gar nicht mehr sein. Der Interpret Jay del Alma ist auch kein ganz Unbekannter mehr im Business. Als eine Hälfte von Pachanga hat der 28-jährige Puertoricaner bereits vier Charteinträge zu Buche stehen. 2005 bzw. 06 war er dabei mit Loco und Close To You am erfolgreichsten. Nunmehr scheint er (oder seine Plattenfirma) sich eher in Richtung Ricky Martin / Enrique Iglesias entwickeln zu wollen. Offensichtlich funktioniert das halbwegs, besonders innovativ ist es aber nicht. Mi Corazón schafft in dieser Woche den Neueinstieg in die Charts auf der 29. Ich gehe davon aus, dass es das dann auch erstmal war.

In die gleiche Ecke, wenn auch eher tanzmäßig und weiblich, gehört Loona. Eigentlich hatten viele gehofft, dass Marie-José van der Kolk mit ihren Bemühungen das Projekt allein fortzuführen scheitern würde. Platz 64 für Por La Noche im letzten Sommer schien das auch zu bestätigen, aber dann tauchte sie als Jury-Mitglied bei popstars auf (warum eigentlich?) und nun gelingt ihr doch mit Parapapapapa tatsächlich ein neuer Hit, der dank diverser Remixe auch wirklich den Weg auf die Sommerparties dieser Welt meistert. Und so kann sie also nach fünf Jahren erstmals wieder einen Titel unter den ersten 50 der media control-Charts absetzen. Nämlich auf Platz 34.

Ferienstimmung bestimmt derzeit einen großen Teil des Musikgeschäftes. Die einen feiern auf Techno-Elektro-Parties, die anderen liegen unter Palmen und hoffen auf den Urlaubsflirt und dann gibt es auch noch den Teil, der auf Mallorca im Bierkönig Sangria bis zum Umfallen in sich hinein pumpt. Und dieser letzte Teil verhilft Markus Becker zu einem weiteren Gassenhauer-Hit. Die bunte Kuh klettert in den media control-Charts von der 53 auf die 31, und in den Media Markt/Saturn-Charts steht die CD sogar auf der 10. Da sind alle Nicht-Mallorca-Fahrer ziemlich außen vor und können sich nur darüber wundern wie solch ein feistes Gesicht wie Markus Becker zum Party-Star werden kann. (Die Lösung: er ist so durchschnittlich in allem, dass sich die Massen, zumal in stark alkoholisiertem Zustand,100% identifizieren können.) Das ganz Schlimme an diesem Erfolg ist eigentlich nur, dass wir ab Januar den Titel in einer Aprés-Ski-Variante noch einmal auf die Ohren gehauen bekommen werden. ... und natürlich steigt auch der Ersterfolg Das rote Pferd im Windschatten des neuen Hits noch einmal in die Charts: Platz 96.

Zu neuen Höhen schwingt sich auch Jörg Bausch auf. Genaugenommen ist seine 2009er Version von Dieser Flug eher Discofox-Schlager. Und ich weiß immer noch nicht genau, woran mich die Background-Harmonien erinnern. Vielleicht doch ein verstecktes Cover von irgendwas? Irrsinnig ist es natürlich schon zu sehen, dass der Clubsound von vor 15 Jahren dann wirklich 1:1 das Musikantenstadl erobert. Nur inhaltlich geht’s anders zu: war es 1993/94 die totale Euphorie ohne Wenn und Aber, so kann Jörg Bausch jetzt rückblickend resümieren, dass der Absturz nach Höhenflügen garantiert kommt. Also: Immer schön zu Hause bleiben und bloß keinen Urlaubsflirt und überhaupt ... Biederkeit ohne Ende. Lustig, dass man offensichtlich sogar zu solch einem lustfeindlichen Text schunkeln kann. Sogar hoch bis Platz 72.

Der gesamte Party-Alarm-Trash lässt sich genaugenommen sehr einfach zusammenfassen: wir befinden uns offensichtlich in einer Gesellschaft, die mehr und mehr infantilisiert. Deutlich wird das daran, dass angeblich ernstzunehmende Kinderliedermacher nicht einfach nur zufällig im Alkoholrausch abgefeiert werden, sondern das ganz bewusst ausnutzen. Zum Beispiel Volker Rosin: im wikipedia-Artikel zu ihm wird doch allen Ernstes behauptet, er sei ein Erzieher, Sozialpädagoge und Liedermacher für Kinder. 2004 wurde dann per Zufall sein Känguru Dance zum Hit, Platz 19 gabs dafür. Und nun, fünf Jahre danach, erscheint von ihm Hoppelhase Hans. Der Titel klingt nach allem anderen als simplen Kinderlied. Da gehts schon ganz schön zur Sache und Lorenz Büffel tut ein Übriges dazu. Nun die Frage: wie ernst bitte kann man denn so einen Sozialpädagogen nehmen? Was will der den Kindern denn beibringen? Und andersherum: ein Partyvolk, dass zu Hoppelhase Hans feiert, wie debil ist das denn? – Also: Platz 75 für dieses Werk und ich hoffe, dass da auchnoch ein paar Menschen existieren, die wenigstens ein klein wenig Gehirn im Kopf haben.

Nach einer Verschnaufpause außerhalb der Charts kehren nun auch die Lollies mit Arsch im Sand wieder zurück. Platz 84 – und ich sag nix weiter dazu.
Und das gleiche gilt auch für Olaf Henning und So eine Nacht, wieder drin auf der 90.

Fertig Mallorca und nun noch einmal ein Wort zu den Klassikern, die sich natürlich auch im Sommer bestens verkaufen: Kings_Of_Leon legen zum Beispiel mit Sex_On_Fire auch in dieser Woche wieder einen Platz zu. Sie stehen damit in ihrer 32. Chartwoche auf dem Rang 33. Der letzte Titel, der nach 32 Wochen erst seine Höchstposition erreichte war im Jahr 1972 die Gruppe Cats mit One Way Wind. Auch das übrigens im Sommer.

Natürlich gab es in dieser Woche auch normale Veröffentlichungen. Die höchsten vier Neuzugänge gehören mit Jan Delay, Green Day, Marit Larsen und dellé in diese Kategorie. Alle anderen können dagegen fast als Nischenprodukte aus der Special Interest Abteilung gelten. Zum Beispiel auch die neue Single von Razorlight. Nachdem Wire To Wire ein unglaublicher Erfolg war (vier Wochen auf Position 3) und sich auch in der 25. Woche noch auf Platz 30 behaupten kann (von 28 ganz leicht fallend), war die Hoffnung sicher groß, dass Hostage Of Love mit viel Aufmerksamkeit aufgenommen würde. Aber so richtig scheint das nicht zu klappen. Klar, es ist jetzt nicht mehr die gefühlvolle Ballade sondern eher schlagzeugorientierter Rock. Irgendwas fehlt da. Vielleicht ist die ganz pure Direktheit dann doch nicht so gefragt. Vielleicht liegts auch nur an der Urlaubszeit. Platz 70 in der ersten Woche nach Verkaufsstart ist jedenfalls nicht 100% zufriedenstellend.

Dancefloor-Stuff gibt es auch: Schon eine Weile auf dem Markt, nämlich genau seit dem 10. Juli ist Mark ’Oh (ja genau der, den gibt es noch) mit United. Der Track klingt so wie ein Dancetrack heute halt klingt, Stampfbeat und Elektrogeschnarre. Was dann noch dazu kommt ist ein Gospel-Soulchor-Gesang, den ich ziemlich grässlich finde. Warum fallen uns bei dem Wort ”United” denn nur so verklärte Kitsch-Gesänge ein? Find ich unsäglich altmodisch. Sorry, da hat es dann Cascada doch tausend mal besser raus. Mark ’Oh also mit seiner zwanzigsten Single in den Charts, auf Platz 74, irgendwie ja ein Comeback nach knapp drei Jahren, aber sorry, das war nicht nötig. Ein bisschen Inspiration bitte das nächste Mal!

Wesentlich einfallsreicher kommt da Samy Deluxe daher. Seine zweite Auskopplung aus dem Dis wo ich herkomm-Album (leider nur rein digital) ist das Doppel-Bundle Stumm/Musik um durch den Tag zu komm. Und das find ich im Vergleich zur Vorgängersingle Bis die Sonne rauskommt richtig cool. Ok – es ist weder textlich noch musikalisch der Neuentwurf, aber es arbeitet mit dem was wir kennen so gekonnt, dass es eben doch funktioniert. Und das ist doch schon mal großartig. Schade, dass offensichtlich die meisten potenziellen KäuferInnen schon das Album haben und deshalb nicht die Digitalvariante kaufen. Platz 87.

Und welche Titel schaffen eine Rückkehr?
Zum Beispiel Chris Brown, der vor fast genau einem Jahr mit Forever das letzte mal in der deutschen Liste notiert war. Alles was er danach veröffentlichte fand nicht so wahnsinnig Anklang. Vielleicht auch wegen der Negativschlagzeilen? Immerhin wurde er für schuldig befunden (hat es auch selbst gestanden), Freundin Rihanna geschlagen zu haben. Aber, die Pop-Welt ist ja so einfach zu beruhigen. Am 21. Juli veröffentlichte Chris Brown eine Entschuldigung auf youtube. Wenige Tage später veröffentlichen Jill Peterson & Kevin Heinz auf youtube ein Video, bei dem sie Chris Brown’s Forever als ”Hochzeitsmarsch” benutzen. Das Video wird ein Hit – innerhalb einer Woche gibt es 8 Mio. Klicks und Chris Brown taucht in diversen Foren wieder als Tipp des Tages auf. Die Folge von diesem Hype: auch media control verzeichnet eine gesteigerte Nachfrage und Forever steht nach knapp einem Jahr wieder in der Liste. Auf Platz 80 – und das muss noch nicht einmal alles gewesen sein. Forever ist damit der erfolgreichste Solo-Hit für den Sänger und Chris Brown ist offensichtlich rehabilitiert – Wahnsinn wie schnell das geht!

Einen kleinen Schub in der Nachfrage hatten Daughtry. Mit Erscheinen ihrer CD Leave This Town (steigt ein in den Album-Charts auf der 12) kann auch die Digitalsingle No Surprise noch ein paar Einheiten absetzen: Platz 81 ist die Folge nachdem es vor vier Wochen gerade mal für einen mageren Platz 96 gereicht hatte.

Auch wieder einmal gelistet, und das ist tatsächlich mittlerweile auch ein Klassiker: The White Stripes mit 7 Nation Army. Diese Woche in der 31. Woche dabei und notiert auf der 85.

8/07/2009

7. August 2009: Endlich Bewegung – Jan Delay, Green Day, Marit Larsen, Dellé

Na endlich passiert mal was und die Sommerlochstarre löst sich etwas. Das heißt … über die absoluten Top-Hits ist sich das deutsche Käuferinnentum nach wie vor einig: Nr.1 bleibt laut media control unangefochten Emilíana Torrini. Ihr Jungle Drum steht nunmehr die sechste Woche ganz oben an der Spitze und ist damit nach Poker Face von Lady GaGa der Titel, welcher am häufigsten in diesem Jahr bisher diese Position halten konnte. Und auf ihrer Homepage wird nun – endlich – neues Material angekündigt. In Kürze erscheint eine Digital EP unter dem Titel Me and Armini EP. Allerdings … am 10. August erscheint diese EP erstmal in den USA und am 14. September in Großbritannien. Von Rest-Europa ist nirgends die Rede ... Hmm.

So wie die Spitze, so halten sich auch Platz 2 und 3: Cassandra Steen feat. Adel Tawil stehen mit Stadt zum siebten mal in der Followup-Position und David Guetta feat. Kelly Rowland folgen auf der 3 mit When Love Takes Over, das nun auch schon zum dritten mal.

Der beste CD-Single-Neustart geht in dieser Woche an Jan Delay. Und das ist ein klein wenig eine Sensation, denn nach fast 10 Jahren gelingt dem Sänger damit endlich wieder ein Hit in den Top 10. Oh Jonny, ein funkig-schmissiger Track mit Bläsereinsatz und Handclaps, geht rein auf die 6 und ist der zweiterfolgreichste Titel von Jan Delay überhaupt. 1999 debütierte er als Solo-Artist mit dem Nena-Cover Irgendwie irgendwo irgendwann. Anfang Januar 2000 stieg der Titel dann sogar für zwei Wochen bis auf Platz 2 in Deutschland.
Mit der neuen Single Oh Jonny kündigt Jan Delay sein kommendes Album an. Dieses trägt den Titel Wir Kinder vom Bahnhof Soul. Das könnte also ein guter Herbst für den Mann aus Hamburg werden.
An dieser Stelle übrigens ein Danke an charts.de, denn dank der rigiden Informationspolitik von media control ist es total schwierig irgendwo halbwegs gesicherte Daten über ältere Chartsplatzierungen zu finden.

Neu in den CD-Regalen steht auch die zweite Auskopplung aus dem aktuellen Album von Green Day. Betitelt mit 21 Guns liefern die Jungs einen klassikverdächtigen Hit ab, der auf Anhieb die Chartplatzierung der Album-Erstauskopplung Know Your Enemy schlägt. Platz 13 in der Woche der Veröffentlichung lässt Hoffnung auf mehr zu, vielleicht sogar auf einen zweiten Top 10 Hit. Für mich ist 21 Guns schon jetzt das beste und eingängigste, was da seit langem aus dem Hause Green Day gekommen ist. Warten wir ab, wie sich das weiter entwickelt.

Die beste Newcomerin der Woche (und die gibt es nach den ganz schwachen letzten Wochen tatsächlich) ist die Norwegerin Marit Larsen. If A Song Could Get Me You ist ein ganz schönes Stückchen Pop, bei dem ich zuerst denke „… ach, schon 1000 x gehört“ und dann plötzlich passiert etwas, das ich doch nicht erwarte … ein Melodiebreak, ein Umschwung in der Stimmung … und ich finde, das zeichnet eine ganze Menge von skandinavischen Produktionen aus, sie sind gut produziert, durchaus mit ohrwurmverdächtigen Charakter, aber immer auch ein ganz klein wenig spröde. Toll! Für Marit Larsen geht’s als Debütplatzierung auf Platz 15 der deutschen Charts. In Norwegen war If A Song Could Get Me You übrigens Marit Larsens zweite Nr.1. Feine Sache!

Und gleich noch einen Newcomer gibt es in dieser Woche zu feiern. Allerdings einen, der schon reichlich Banderfahrung gesammelt hat, unter anderem bei Seeed. Nachdem Peter Fox in den letzten 12 Monaten zum spannendsten und angesagtesten deutschen Künstler geworden ist (und das nicht nur in Deutschland sondern so ziemlich europaweit), versucht es nun also auch dellé alias eased. Sein Debüt heißt Pound Power und ist ziemlich klassischer Reggea mit ein paar schönen elektronischen Einsprengseln. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob der Titel die Kraft hat, die Kollege Peter Fox derzeit besitzt, aber zumindest ist es eine ganz spannende Variante von deutschem Reggea. Da können andere noch einiges lernen. Auch dellé schafft auf Anhieb einen ganz guten Verkaufsstart, der sich in Platz 16 niederschlägt.

8/01/2009

31. Juli: Sommerloch, Sommerhits, Ferienzeit

Es ist weiterhin Ferienzeit in Deutschland. Kaum Veränderungen in der Single-Liste von media control und der Trend aus der letzten Woche setzt sich fort: Erfolgreiches aus den letzten Monaten kann noch ein wenig in der Platzierung zulegen, neu sind vor allem Party-Sommer-Bierkönig-Schlager.

Ganz oben tut sich also auch in der fünften Woche nichts: Emilíana Torrini liefert mit Jungle Drum die Nr.1 und hat damit den gesamten Juli lang die Auswertung beherrscht. Auf der Vizeposition verharrt in der mittlerweile sechsten Woche das Duo Cassandra Steen feat. Adel Tawil mit Stadt. Und auf die Position 3 kehren zurück David Guetta feat. Kelly Rowland mit When Love Takes Over, das der erste Titel, welcher auf wirklich keiner Party – egal ob independent technoid oder mainstream-disco – fehlen darf.

Tja und so still und ausgewogen geht es weiter durch die gesamten Top 10 und weiter bis zum Platz 16. Dorthin steigt in der dritten Woche Marquess mit Arriba. Damit holen sich die Jungs aus Hannover das fünfte maleinen Top 20 Hit und können ihre letzte Albumbilanz erstmal bestätigen, denn auch La Histeria aus dem Album ¡Ya! schaffte es letztes Jahr im Februar bis zur Position 15. Damit kündigt sich schon an, was dann weiter unten in den Charts noch mehr Relevanz besitzt: die Urlaubshits sind auf dem Vormarsch.

Ebenfalls mit einem kleinen Sprung gehen Reamonn unter die ersten 20. Moments Like This steigt in der siebten Woche von der 29 auf die 19 und ist damit die dritte Top 20-Auskopplung aus dem aktuellen Album. Das sind dann die einzigen Neuzugänge unter den oberen 20.

Knapp an den Top 20 vorbei schrammt zum wiederholten male Clueso. Gewinner geht in der 16. notierten Woche noch einmal von der 35 auf die 21.
Zu den aufsteigenden Titeln gehört auch in dieser Woche Lenka mit The Show. In der siebten Woche gehts von 36 auf die 23. Bereits in der letzten Woche hatte sie ja schon einen bemerkbaren Aufstieg absolviert, jetzt geht es also nochmal weiter nach oben.

Einen kleinen Sprung nach oben machen die Kings_Of_Leon mit ihrem Singledebüt aus dem letzten Jahr Sex_On_Fire. Es geht für sie von der 50 auf die 34 und damit auf einen neuen Höchststand für diesen Titel, bisher lag dieser bei Platz 43. Nun in der 31. Woche steht Sex_On_Fire also ganze neun Plätze höher. Und das ist ein kleiner Rekord, denn damit ist der langsame Aufstieg von Lady GaGa feat. Colby O’Donis übertrumpft, die mit ihrem Just Dance ganze 28 Wochen brauchten um die Höchstposition 10 am 27. März zu erreichen. Mit 31 Wochen bis zur Höchstposition gehören die Kings Of Leon auch in der All Time-Auswertung zu den langsamsten 10. Das letzte mal waren es Höhner., die für ihr Viva Colonia 31 Chartwochen brauchten, ehe sie 2007 die Position 20 erreichten.

Abgesehen von diesen mehr oder weniger jahreszeitenunabhängigen Titeln, die auch schon mehr oder weniger in die Abteilung ”Standards” gehören, geht es dann – wie schon erwähnt – vor allem für Bierkönig-Ballermann-Hits nach vorne. Höchster Neuzugang ist mit Tim Toupet beispielsweise ein Re-Entry. Seine Version des Fliegerliedes So ein schöner Tag geht in dieser Woche dank Wieder-Veröffentlichung im Latino Summer Mix wieder in die Liste auf Platz 31. Anfang des Jahres schaffte es der Titel bereits bei seinem Debüt als Höchster Neuzugang einzusteigen. Damals auf Platz 38. Im Laufe der Zeit ging es dann bis auf den sechsten Platz, womit Tim Toupet den Karnevalshit der Saison landen konnte. Ganze zwanzig Wochen war das Fliegerlied in den deutschen Charts notiert, bevor es Anfang Juni die Liste verlassen musste. Nun ist es also wieder da und vermutlich wird Tim Toupet nunmehr auch zu den Interpreten gehören, die am Jahresende in der Auswertung zumindest unter den erstn 20 zu finden sein wird.

Der höchste echte Neuzugang, also ein Titel, welcher noch nie vorher in den deutschen Charts notiert war, ist in dieser Woche Sean Paul mit So Fine. Nach gut zwei Jahren ist der Jamaikaner als Solo-Artist zurück und kann tatsächlich noch ordentlich punkten. Allerdings ist auch deutlich zu bemerken, dass seine eher klassische Variante des DanceHall gegen den neueren Hybriden Aciton wie ihn zum Beispiel Pitbull präsentiert doch deutlich den Kürzeren zieht. Auf den coolen Parties des Landes läuft Sean Paul mit Sicherheit trotzdem – in wilden Mashup-Mixen als Trance-Version zum Beispiel. Für So Fine geht es in der Woche der CD-Veröffentlichung auf den Platz 39.

Die nächste neue Single kommt von Jordin Sparks. Battlefield ist die Ankündigung des gleichnamigen Albums und steigt ein auf Platz 40. Es ist ihre insgesamt vierte Single, die bisher bestplatzierte in diesem Jahr, an die vorhergehenden aus dem Debüt-Album kann sie momentan jedoch nicht wirklich anschließen. Hier helfen auch nicht die ein wenig uninspirierten Disco-Trance-Remixe.

Neues Material nach mehr als zwei Jahren Pause haben auch 2raumwohnung im Gepäck. Ihr neues Album heißt Lasso und daraus gibt es erstmal den Titel Wir werden sehen. Dieser steigt auf der 43 ein. Es ist der insgesamt zwölfte Titel, den 2raumwohnung in den deutschen Charts absetzen können und er gehört zu den besser platztierten. Allerdings bleiben die Auskopplungen aus dem Vorgänger 36grad mit Platzierungen in den 20ern deutlich erfolgreicher – und sind auch für meine Begriffe die eingängigeren Titel.
Präsent war 2raumwohnung so auch in der Zwischenzeit durch die Neuaufnahme ihres Titels 36grad für das Cubano Aléman-Projekt von Rhythms del Mundo. Diese Version von 36grad geht parallel zum neuen Titel auch nochmal in die Liste: auf der Position 80 sammeln sie eine 12. Woche (übrigens die höchste Platzierung seit September 2008).

In der unteren Hälfte der Charts bestimmen die Mallorca-Hits das Bild. Neu auf der 53 das aktuelle Werk von Markus Becker. Nach dem roten Pferd ist es dieses mal Die bunte Kuh, welche das Partyvolk offensichtlich in den Wahn treibt. Als Performance in der ersten Woche ist die Platzierung allerdings nicht ganz so überzeugend. Selbst seine letzte Single Hörst du die Regenwürmer husten stieg in der ersten Woche mit Platz 23 deutlich höher ein.

Chris Andrews & Tobee gehen mit Pretty Belinda – Schlauchbott auf der 65 rein. Das ist eine Kombination des Hits von 1969 mit deutschen Schlauchboot-Versatzstücken. Das Ganze ordentlich mit einem Discofox-Beat unterlegt, fertigt ist der Mallorca-Kracher.
Tobee war im letzten Jahr mit seiner Fußballhymne schonmal auf der 70 zu finden. Für ihn ist die aktuelle Zusammenarbeit sozusagen ein Meilenstein. Chris Andrews hatte dagegen schon einige Hits in den 60ern – fünf davon waren auch in den damaligen Charts platziert. Pretty Belinda schaffte es dabei bis zum Platz Nr. 5. Danach gab es für ihn mit Carol OK noch einen Hit und dann folgte eine lange Abstinenz. Bis heute. Chris Andrews war damit fast 40 Jahre nicht in den Charts und feiert hiermit sein Comeback. Der letzte Alt-Star, dem ähnliches gelang war im letzten Sommer Paul Kuhn. Er konnte nach 43 Jahren Pause noch einmal in den Charts auftauchen.

Wer fehlt jetzt eigentlich noch? Ach ja, Mickie Krause zum Beispiel. Mit Düp Düp landet er einen 14. Hit in den deutschen Charts. Und dieser ist schon fast wieder etwas Besonderes, weil er fleißig den Scooter-Sound imitiert bis hin zu direkten Zitaten. In der Woche der Erstveröffentlichung gibt es dafür Platz 67 – mehr ist es auch tatsächlich nicht wert.

Zu Beginn des Sommers, im Juni, beglückte uns Antonia aus Tirol mit einem kitschig-debilen Aufguss von Torneró. Als Österreicherin hatte sie mit 1000 Träume weit aber dann doch nicht so den richtigen Erfolg: zwei Wochen in den Charts, Höchstplatzierung 89. Aber kein Problem, denn nun gibt es auch eine Variante von Anna-Maria Zimmermann. Diese ist dann doch ein klein wenig erfolgreicher und schafft in der ersten Woche Platz 71. Allerdings will das noch nicht viel heißen. Ihr Debüt Wer ist dieser DJ konnte sich im letzten Herbst auch nur eine einzige Woche auf der 66 platzieren. Und worin nun wirklich die Unterschiede der beiden Versionen bestehen ... sorry, ich hab’s nicht analysiert und höre liebe die italienische Originalversion von I Santo California.

Naja und dann gibt es noch DJ Düse mit Hu Hu Hubschraubereinsatz. Das geht dann wieder mehr zur Sache und rumst ordentlich. Ist aber genauso belanglos. Platz 75.

Und wenn wir jetzt schon bei den elektronischen Hits sind: atb landet seinen zweiten Charthit in 2009. Dieses mal heißt es Behind und als Partner wird die Band Flanders genannt. Ein wenig verwirrend: die Single ist offiziell seit 17. Juli zu haben, aber selbst auf der Homepage von atb wird darüber kein Wort verloren. Da muss man schon ganz schön suchen, um irgendwo bei Kontor dann doch fündig zu werden. Vielleicht erklärt das den etwas niedrigen Platz 87 - What About Us schaffte im Mai noch Platz 65.

Neu ist auch dabei Lily Allen, vielleicht die Künstlerin diesen Sommers. Ihr dritter Charttitel in diesem Jahr heißt Fuck You. Er stammt ebenfalls aus dem Album It’s Not Me It’s You, ist allerdings nur als Digitalvariante erhältlich und obendrein nicht mal als regulärer Single-Release. Deshalb wird Fuck You an die Popularität von Not Fair (derzeit Platz 13, von der 12 kommend) nicht anschließen können. Ist ohnehin ein nicht ganz so schwungvoller Titel, der Text dagegen ist gewohnt deutlich: Fickt euch, ihr Kleingeister! Super!

Lustig sind die Wiedereinsteiger aus der Ultimativen Chart-Show. Es gab ja jetzt schon einige Wochen lang nichts aus der Recycling-Fabrik, dafür jetzt um so deutlicher. Auf dem Programm standen die erfolgreichsten Latin-Hits aller Zeiten. Und das Ganze flimmerte bereits im Februar über die Bildschirme. Aber wenn schon Recycling, dann richtig, also wiederholen wir das Ganze nochmal und prompt steigen auch die selben Titel wieder in die Charts wie im Februar. Zum Beispiel Heroes del Silencio, die mit Entre dos Tierras genau wie im Februar, jetzt noch einmal auf der 77 auftauchen. Ebenso David Bisbal. Sein Silencio steht in dieser Woche auf der 79 … dann doch fünf Plätze besser als bei seinem letzten Auftauchen im Februar. Sind das eigentlich immer dieselben Menschen, die diese Titel wieder laden?

Und dann sind da ganz am Ende mal wieder drin: Metallica mit ihrem Klassiker Nothing Else Matters auf der 98 – in dieser Version das 50. mal notiert – die Simple Minds mit Stars Will Lead The Way auf der 99 – erst das dritte mal dabei – und P!nk mit So What, ihrem letzten Nr.1-Hit aus dem Herbst 2008, auf der 100 – das die mittlerweile 28. Woche.